Helsinki Kirchen
Sakralbauten / Kirchen in Helsinki
Von den vielen Sakralbauten in Helsinki werden hier einige ausführlicher dargestellt:
- Domkirche (Helsingin tuomiokirkko)
- Johanneskirche (Johanneksenkirkko)
- Uspenski-Kathedrale
- Kamppi-Kapelle
- Felsenkirche (Temppeliaukion kirkko)
- Mikael Agricola Kirche
- Vanha-Kirche
- Synagoge
Die Domkirche
Neben der russich-orthoxen Uspenski-Kathedrale prägt vor allem die strahlend weiße Domkirche die Silhouette der Stadt – sie ist geradezu ihr Wahrzeichen. Architekt der nach 22-jähriger Bauzeit 1852 eingeweihten lutherischen Kirche war Carl Ludwig Engel; nach seinem Tod 1840 setzte Ernst Lohrmann das Werk (in etwas abgeänderter Form) fort; von ihm stammt die Ergänzug der Ecktürme durch kleine Kuppeln und die beidseitig der Freitreppe thronenden Pavillons.
Der Grundriss des Gebäudes ist kreuzförmig. An den vier Ecken des zentralen Baus erheben sich vier Türme mit grünen Kuppeln. Die Hauptkuppel in der Mitte ruht auf einem Tambour und ist 60 Meter hoch. Nach allen vier Seiten zeigt die Domkirche dasselbe Erscheinungsbild: einen Portikus mit sechs Säulen und einem Dreiecksgiebel.
Nach dem zur Bauzeit herrschenden Zaren Nikolaus I. wurde die Kirche zunächst Nikolai-Kirche genannt. Der Zar sorgte auch dafür, dass wie beim russischen Vorbild, der St. Isaacs-Kathedrale in St. Petersburg, die 12 Apostelfiguren auf dem Dach aufgestellt wurden.
Dass die Domkirche so dominierend über der Stadt thront, liegt auch daran, dass sie auf einer erhöhten felsigen Fläche erbaut wurde, zu der eine monumentale Freitreppe hinaufführt. Diese ist ein beliebter Aufenthaltsort: hier wird man gesehen und kann das Geschehen auf dem Senatsplatz gut überblicken.
Bild oben: die Domkirche und die große Freitreppe am Senatsplatz.
Bilder oben: da die Domkirche aufgrund ihrer exponierten Lage von allen Himmelsrichtungen aus gesehen werden kann, lag es für den planenden Architekten Carl Ludwig Engel, nahe, sie symmetrisch zu gestalten und ihr nach allen vier Richtungen eine identische „Schauseite“ zu geben. Der Portikus mit den sechs korinthischen Säulen und dem Dreiecksgiebel (ohne Tympanonbild oder -Relief) schließt auf allen vier Seiten die Fassade ab.
Bilder oben: auf dem Senatsplatz vor der Domkirche befindet sich ein Standbild von Zar Alexander II., der ab 1855 regierte und 1881 einem Attentat zum Opfer fiel; unter seiner finnlandfreundlichen Regentschaft war bei Hofe in St. Petersburg ein „Ausschuss für finnische Angelegenheiten“ tätig, der aus finnischen Bürgern bestand und die Aufgabe hatte, politische Entscheidungen Finnland betreffend vorzubereiten.
Bilder oben: das Gebäude von Nordwesten her gesehen bzw. Westfassade; letzte Bilder: von der Dachterrasse der Universitätsbibliothek hat man ebenfalls einen guten Blick auf die Domkirche.
Bilder oben: der Portikus an der Nordfassade des Doms.
Bilder oben: auf dem Dach, quasi als Akroterien auf den Dreiecksgiebeln, sind die Statuen der 12 Apostel angebracht.
Bilder oben: außen prächtig, innen schlicht; der Innenraum der evengelisch-lutherischen Kirche ist weitgehend in schlichtem Weiß gehalten; die auf einer Empore angebrachte Orgel wird für häufig stattfindende Orgelkonzerte genutzt. Im Raum befinden sich auch Standbilder von Martin Luther, von Philipp Melanchton sowie dem finnischen Reformator Michael Agricola.
Die Johannes-Kirche (Johanneksenkirkko)
Die evangelisch-lutherische Johanneskirche befindet sich am Rand der Innenstadt auf dem Punanotko-Hügel und ist die größte steinerne Kirche in ganz Finnland.
Die dreischiffige neogotische Basilika wurde vom schwedischen Architekten Adolf Emil Melander geplant und zwischen 1888 und 1891 aus Backsteinen erbaut. Der Bau war aufgrund des starken Bevölkerungswachstums der Stadt Helsinki nötig geworden; die Domkirche (damals noch Nikolaikirche) konnte nicht mehr alle Gläubigen fassen.
Die Kirche zeigt einen kreuzförmigen Grundriss und ist von Südwesten (Chor) nach Nordosten (Hauptportal) ausgerichtet; hier ragen zwei 74 Meter hohe Türme auf. Die am Haupteingang aufgestellte Bronzefigur des Namenspatrons der Kirche, Johannes des Täufers, hat Bildhauer Kari Juva 2003 geschaffen.
Bemerkenswert bezüglich der Innenausstattung der Kirche ist wohl die Orgel; und da der Raum auch eine sehr gute Akustik haben soll, finden hier immer wieder Konzerte statt.
Im Bild: auf einer Bautafel zur Sanierung der Fassade des Gebäudes ist der Seitenriss der Fassade mit dem Hauptportal und den Zwillingstürmen dargestellt.
Bilder oben: Johanneskirche in Helsinki; Nordost-Fassade mit den Zwillingstürmen und dem Hauptportal.
Bilder oben: aus Backsteinen wurde die Johanneskirche zwischen 1888 und 1891 erbaut.
Bilder oben: Wasserspeier an einem der Türme der Kirche.
Bilder oben: Hauptportal mit Archivolten und einem Bronze-Standbild des Namenspatrons der Kirche.
Bilder oben: Kandelaber vor der Kirche; die Rosette an der Nordost-Fassade und Bautafel während Sanierungsarbeiten an der Fassade.
Die orthodoxe Uspenski-Kathedrale
Domkirche und Uspenski-Kathedrale tragen maßgeblich zur Stadtsilhouette bei, wie man sie bei Ankunft mit dem Schiff im Südhafen wahrnimmt. Die Uspenski-Kathedrale liegt etwas erhöht auf einem Hügel im Stadtteil Katajanokka, der auf einer Insel liegt, die über zwei Brücken mit dem Festland verbunden ist. 13 Türme mit vergoldeten Zwiebeldächern sollen die 12 Apostel und Jesus symbolisieren.
Nach dem Ende des Finnischen Krieges 1809, als große Teile Finnlands von der schwedischen in die russische Herrschaft übergingen und die Stadt Helsinki 1812 dann zur Hauptstadt des finnischen Großfürstentums gemacht wurde, planten die russischen Besatzer für die jetzt hier arbeitenden Staatsbediensteten und auch als Symbol ihrer Macht den Bau einer orthodoxen Kirche. Architekt Alexej M. Gornostajev erbaute sie im russisch-byzantinischen Stil; Planung und Bau erstreckten sich über 60 Jahre; 1868 wurde die Kirche schließlich eingeweiht. Das aus rotem Backstein errichtete Bauwerk ist die größte orthodoxe Kirche in ganz Westeuropa.
Bild oben: auf den Turmhelmen der Uspenski-Kathedrale, die mit grün patiniertem Kupfer bedeckt sind, sitzen vergoldete Zwiebeldächer.
Bilder oben: die Orthodoxe Uspenski-Kathedrale thront auf einem Hügel im Stadtteil Katajanokka und prägt die Stadtsilhouette.
Bilder oben: Baudetails des aus Backsteinen errichteten Gebäudes.
Bilder oben: Chorseite und Hauptportalseite des Gebäudes.
Bilder oben: die Handwerker haben ihre Kunst wohl gut beherrscht.
Bilder oben: die Uspenski-Kathedrale wurde in 60-jähriger Bauzeit errichtet.
Die Kamppi-Kapelle
Die Kamppi-Kapelle steht seit 2012 inmitten des belebten Stadtzentrums von Helsinki am Narinkka-Platz in Nachbarschaft zum Glaspalast (Lasi Palatsi) und dem neuen Kunstmuseum Amos Rex sowie dem Einlaufszentrum Kampin keskus sowie zu einem großen Hotel.
Die Kapelle wird von den Kirchengemeinden und dem Sozial-/Gesundheitsamt der Stadt Helsinki gemeinsam betrieben und dient weniger als Veranstaltungsort für Gottesdienste. Diese Kapelle ist mehr ein Ort der Stille, der meditativen und spirituellen Einkehr.
Im Bild: die Außenfassade aus Fichtenbohlen.
Entworfen und gebaut wurde das außergewöhnliche Gebäude, das wie eine überdimensionale, ovale Schale als Solitär auf dem Platz ruht, von K2S Architects (Helsinki). Das Bauwerk besteht aus verschiedenen Holzarten; eine spezielle Beschichtung der Bohlen aus Fichte, welche die Außenhaut bilden, verhindert eine starke Verwitterung. Das Foyer und weitere Nebenräume sind in eine Geländestufe eingebaut, die sich zwischen dem Narinkka-Platz unten und der oben vorbeiführenden Simonstraße ergibt. Dieser Gebäudeteil schließt mit einer Natursteinfassade und einer großen Glasfront zum Platz und zur sonst frei stehenden Kapelle hin ab; über dieses Gebäude wird die Kapelle auch betreten.
Bilder oben: die Kamppi-Kapelle bei Tag und am Abend.
Bilder oben: die Kamppi-Kapelle wir abends durch ins Pflaster eingelassene Strahler beleuchtet.
Bilder oben: über das Foyer im Nebengebäude, welches in die Geländestufe eingebaut ist, wird die Kapelle betreten.
Die Felsenkirche (Temppeliaukion kirkko)
Die Architekten Timo und Tuomo Suomalainen sprengten 1968 inmitten der Innenstadt von Helsinki ein großes Loch in den anstehenden Granit und verschlossen es mit einer Kuppel aus Beton, Glas und Kupfer. Die Felsenkirche ist ein ganz außergewöhnliches Gebäude, das von außen gar nicht als Kirche wahrgenommen werden kann; zu dem Bauwerk schreibt Lars Dörenmeier im Reiseführer „City Trip Helsinki“ (Know How Verlag, Bielefeld 2016): „Von außen wirkt die Kirche eher wie ein profaner Zweckbau. Der Eingangsbereich aus grauem Beton versprüht den Charme eines alten Atombunkers (…). Hat man dann aber die Betonschwelle überschritten, eröffnet sich dem Besucher eine erstaunliche architektonische Perle: Der Kirchenraum wird von rauhen, unbehandelten Felswänden umgeben, darüber sorgt eine kupferne, kreisrunde Dachkonstruktion, die einem Wok-Deckel ähnelt, für den horizontalen Abschluss. Getragen wird das Dach von 180 länglichen Fenstern, die durch filigrane Betonstreben gebildet werden. (…)“
Bild oben: die kupferne Kalotte und die zwischen Betonstreben angeordneten schmalen Fenster bilden das Dach der Felsenkirche.
Bilder oben: der Eingangsbereich der Felsenkirche ist eher unscheinbar und erinnert eher an die Zufahrt einer Tiefgarage. In einem Begleitgebäude aus Beton sind Nebenräume untergebracht.
Bilder oben: Der Eingang zur Felsenkirche; im Inneren der Kirche dominieren das anstehende rötliche Granitgestein, Kupfer, Glas und Holz.
Bilder oben: die Außenwand der Felsenkirche besteht aus geschichteten Granitblöcken; darüber ragt die flache Dachkuppel auf. Durch den Fensterkranz wird das Innere gut mit Licht versorgt.
Die evangelisch-lutherische Mikael Agricola Kirche
Der Architekt Lars Sonck gestaltete die Kirche mit der markanten Turmspitze, die nach zweijähriger Bauzeit 1935 eingeweiht wurde. Benannt ist sie nach dem für Finnland bedeutenden Reformator Mikael Agricola; wie Luther in Deutschland prägte Agricola durch die Übersetzung der Bibel in die finnische Landessprache diese mit; er gilt als einer der Väter der Schriftsprache des Landes.
Die Kirche gilt als Jugendstil-Spätwerk des Architekten; auffällig ist die nadelartig aufragende Kirchturmspitze, die aus strategischen Gründen (so geschehen im Zweiten Weltkrieg) auch eingefahren werden kann.
Bilder oben: die aus Backsteinen erbaute Mikael Agricola Kirche; der Turm ist mit Spitze fast 100 Meter hoch; die metallene Spitze nimmt davon 30 Meter ein.
Bilder oben: die Mikael Agricola Kirche im Stadtteil Punavuori.
Die Alte Kirche (Vanhakirkko)
Diese Kirche wurde nach zweijähriger Bauzeit 1826 fertiggestellt. Geplant und gebaut wurde sie von Carl Ludwig Engel, der auch die klassizistischen Gebäude um den Senatsplatz schuf. Die Kirche wurde aus Holz errichtet und sollte eigentlich nur als provisorisches Bauwerk dienen, bis die Domkirche am Senatplatz fertig wäre. Sie steht aber noch heute.
Das hell lackierte Holz gibt dem neoklassizistischen Bau aus einiger Entfernung die Anmutung eines steinernen Gebäudes. Von außen wirken die Dimensionen des Bauwerks eher bescheiden; die Kirche fasst aber 1200 Personen.
Der Grundriss des Gebäudes ist kreuzförmig; der Vierungsturm ist quadratisch mit Dreiecksgiebeln nach allen vier Seiten.
Die Kirche liegt in einer kleinen Parkanlage, dem so genannten „Pestpark“; an gleicher Stelle lag zuvor ein Friedhof, auf dem während einer Pestepidemie zu Beginn des 18. Jahrhunderts viele Menschen beerdigt wurden.
Bild oben: die „Alte Kirche“ wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aus Holz errichtet und gehört zu den ältesten Kirchen Helsinkis.
Bilder oben: Pilaster, dorische Säulen, Dreiecksgiebel, Abschlussfries: die von Carl Ludwig Engel aus Holz erbaute Vanhakirkko weist alle Zutaten eines neoklassizistischen Bauwerkes auf.
Die Synagoge
von Helsinki wurde zwischen 1905 und 1906 von Architekt Johan Jakob Ahrenberg, der zu dieser Zeit bei der Generaldirektion für öffentliche Bauten arbeitete, erbaut. Die Außenwände bestehen aus Ziegelsteinen, die glatt verputzt sind.
Im Gegensatz zu vielen europäischen Synagogen wurden die wenigen Synagogen in Finnland vor oder während des Zweiten Weltkrieges nicht zerstört.
Das Gebäude weist drei Stockwerke auf; die Fassade zur Malminkatu hin zeigt einen Mittelrisalit mit drei sich über zwei Etagen erstreckenden Rundbogenfenstern.
Bilder oben: in unmittelbarer Nachbarschaft zur Synagoge befindet sich der Sitz des Architekturbüros JKMM. Das Erdgeschoss der Synagoge hebt sich farblich und von der Gestaltung her von den zwei Obergeschossen ab. Über dem Gebäude erhebt sich eine Kuppel.