Oslo – neuere Architektur

Nachkriegsarchitektur, neuere und neueste Architektur  

Auf dieser Seite wird die städtebauliche Entwicklung Oslos nach dem Zweiten Weltkrieg anhand einiger Bauten und Projekte dargestellt. Auch auf neuere und neueste Architektur wird hier exemplarisch eingegangen. Dabei handelt es sich des Öfteren nicht eigentlich um einen Neubau, sondern um einen Umbau, Ausbau bzw. eine Konversion eines Bestandsgebäudes für eine neue Nutzung.

Bereits in den 1960er und 1970er Jahren wurden in Oslo erste innerstädtische Bereiche saniert, modernisiert und verdichtet. In den 1980ern wurde der Bezirk Aker Brygge, wo sich große Werftanlagen befanden, teilweise unter Umnutzung von Bestandsgebäuden in ein städtisches Quartier mit Büros, Wohnungen, Handel und Gastronomie verwandelt. Eine ähnliche Entwicklung erfuhr der sich südlich anschließende Bereich Tjuvholmen.

Das größte (aktuelle) Stadtentwicklungsprojekt ist „Fjordbyen“ (Fjord-Stadt), das weiter unten auf dieser Seite dargestellt wird. Die Um- und Neugestaltung von Tjuvholmen war bereits eine Maßnahme im Rahmen des Fjord-Stadt-Programms.

Ein typischer Nachkriegsbau: die amerikanische Botschaft (1959)

Bild oben: das Gebäude der ehemaligen amerikanischen Botschaft in Oslo; an der langen Seite  entlang der Ibsens gate befindet sich der Haupteingang; durch den Eingang an der Hansteens gate kam man in die Bibliothek.

Die amerikanische Botschaft in Oslo siedelte sich in direkter Nachbarschaft von Königlichem Schloss und Schlosspark an der Henrik Ibsens gate unweit des Ibsen-Museums an. Das Gebäude wurde vom finnisch-amerikanischen Architekten Eero Saarinen (Sohn von Eliel Saarinen) im Jahr 1950 fertiggestellt. Angepasst an die Geometrie des Grundstücks, auf dem das Botschaftsgebäude steht, hat es einen Grundriss in Form eines annähernd gleichseitigen Dreiecks. In Gebäudemitte gibt es ein großes glasüberdachtes Atrium, die tragende Fassade besteht aus Beton mit eingelagertem Labradorit.

Das Botschaftsgebäude verkörperte zur damaligen Zeit typisch amerikanische Architektur des „International Style“. Mit seiner großen Buch- und Musik-Bibliothek und der Aufführung amerikanischer Filme war die Botschaft auch ein offenes Kulturhaus für die Öffentlichkeit. Man konnte hier im zweiten Stockwerk Bücher und Schallplatten ausleihen oder einen der über 60 Leseplätze nutzen.

Mit zunehmenden Sicherheitsmaßnahmen schirmte sich das Haus aber ab den 1990er Jahren immer mehr ab und war der Bevölkerung nicht mehr so frei zugänglich. Schließlich zog das Botschaftspersonal 2017 in ein neues Gebäude außerhalb der Kernstadt (in Huseby) um.

Ein privater Investor (der Immobilienentwickler Fredensborg) hat das Gebäude gekauft, saniert und unter Beachtung von Denkmalschutzauflagen (von Lundhagem Architekten, Atelier Oslo & Concept design) behutsam umbauen lassen. Heute wird das Haus von diesem Immobilienunternehmen genutzt und es beherbergt auch den norwegischen Hauptsitz von Amnesty International. Die (von Einheimischen so bezeichnete) „Festung Amerika“ ist nun wieder zu einem zugänglicheren Bauwerk mutiert.

Bilder oben: das ehemalige Botschaftsgebäude besitzt einen dreieckigen Grundriss. 

Bilder oben: Fassade zur Ibsens gate hin (mit Haupteingang); letztes Bild: Gebäudefront zum Løkkeveien.

Wohnhochhäuser im Stadtteil Enerhaugen (1960-65)

Das auf einem Hügel gelegene Gebiet nördlich vom Stadtteil Grønland wurde erstmals anfangs des 19. Jahrhunderts (v.a. mit kleineren Holz- und Fachwerkhäusern) bebaut und befand sich zu dieser Zeit noch außerhalb de Stadtgrenzen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Siedlung dann eingemeindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die alten Gebäude dann teilweise abgerissen, einige davon wurden in das Freilichtmuseum für Kulturgeschichte in Bygdøy verbracht. An ihrer Stelle entstanden dann in den Jahren 1960 bis 1965 durch eine Wohngsbaugesellschaft vier 13- bis 15-stöckige sehr ähnlich gestaltete Wohnblocks. Architekt der Wohngebäude war Sofus Haugen.

Mit dem Bau größerer Wohnsiedlungen, oftmals eher am Rande der Stadt, kam man in den 1960er und 1970er Jahren auch der erhöhten Nachfrage nach Wohnraum entgegen: während direkt nach dem Zweiten Weltkrieg etwa die Hälfte der norwegischen Bevölkerung in Städten lebte, waren es (durch Zuzug aus ländlichen Gegenden) in den 197oer Jahren bereits zwei Drittel.

Bilder oben: Blick von der Aussichtsplattform am Ekeberg-Restaurant auf die Stadt; die vier großen Wohnblocks im Stadtteil Enerhaugen sind schon von weitem gut erkennbar.

Bilder oben: die Straße Åkebergveien führt am steilen Hang entlang zu den Wohnblocks.

Bilder oben: Architekt Sofus Haugen hat die vier Wohnhochhäuser alle ähnlich gestaltet. Zwischen den beiden Blöcken an der Hangkante gibt es einen großen Grünbereich mit Spielplatz und Sitzgelegenheiten. Von hier aus kann man zur Grønland Kircke hinüberschauen.

In den letzten Jahren sorgten verschiedene Stadtentwicklungsmaßnahmen für eine Verbesserung des Wohnumfeldes durch die Anlage von Spielplätzen und parkähnlichen Bereichen mit hoher Aufenthaltsqualität.

Entlang des Erschließungsweges ist an der Außenwand von technischen Anlagen eine Outdoor-Boulderwand (Enerhaugen buldrevegg) entstanden, die laut Auskunft von Anwohnern gut angenommen wird.

Bilder oben: Im Umfeld der Wohnblocks wurden Spielplätze, Aufenthaltsmöglichkeiten und Fußgängerwege neu angelegt; Städteplaner sprechen dabei von „Mikro-Interventionen“, also von kleinen Eingriffen, die aber doch große Verbesserungen für die Anwohner/innen bringen können.

Infotafel (übersetzt mit DeepL.com): „Gartnerløkka ist ein Stadtteilpark mit schönen Bäumen und einem neuen Aktivitätsbereich für Kinder. Der Park bietet viele neue Sitzgelegenheiten und Wege für Fußgänger. Gartnerløkka ist ein natürliches Amphitheater, das sich gut für kleine Veranstaltungen in der Nachbarschaft eignet und deshalb mit einer Stromversorgung ausgestattet ist.

Der Park wurde im Jahr 2024 im Rahmen der Områdeløft Tøyen og Grønland (Quartiersentwicklung Tøyen und Grønland) aufgewertet.

Danke, dass Sie uns helfen, den Park zu pflegen!“

Bürogebäude Storebrand (1963)

Für das Versicherungsunternehmen Storebrand bauten die Architekten Rune Lund, Alf Valentin und Frithjof Stoud Platou 1963 in Nachbarschaft zum Osloer Konzerthaus (Oslo Konserthus) an der Haakon VIIs gate 10 ein großes Bürogebäude. Ungewöhnlich ist der bikonkave Grundriss des Hauses mit einer Einschnürung in Gebäudemitte. Die Fassade besteht aus vorgefertigten Betonelementen.

Heute wird das Bürogebäude auch von Anwaltskanzleien genutzt.

Bild oben: Blick von den Vika-Terrassen auf das Gebäude.