Stockholm – Kirchen

Kirchen in Stockholm

Tyska kyrka (Deutsche Kirche, St. Gertrud), 1642

Bilder oben: die Deutsche Kirche (Tyska kyrkan) versteckt sich ganz in der sehr dichten Bebauung der Stockholmer Altstadt.

Bild oben: die Deutsche Kirche (Turm links im Bild) befindet sich inmitten der historischen Stockholmer Altstadt (Gamla stan). In Bildmitte die Kuppel der Carl Johans kyrka auf Skeppsholmen und daneben die Spitze des Mittelturms des Nordiska museet (Nordisches Museum); rechts im Hintergrund der Funkturm auf Djurgården.

Aufgrund der Zugehörigkeit zur Hanse siedelten sich auch viele Deutsche in Stockholm an. Die Hanse war (zunächst) ein freiwilliger Zusammenschluss von Ost- und Nordseehändlern, welcher wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts von Lübeck ausging und den gegenseitigen Schutz der Handelsniederlassungen im Ausland zum Ziel hatte. Der starke deutsche Einfluss auf die städtische Verwaltung Stockholms lässt sich etwa daran ablesen, dass von 1296 bis 1478 die Hälfte der Stadtratsposten von Deutschen besetzt waren. In der Stadt wurde auch viel Deutsch gesprochen (und geschrieben).

Die Deutsche Kirche in der Altstadt Gamla stan ist eine zweischiffige Hallenkirche und zeigt einen wilden Stilmix aufgrund von Umbauten / Ergänzungen / Neubauten im Lauf der Jahrhunderte. Die Nordfassade trägt (von einem Vorgängerbau) Rundbogen, die Südfassade dagegen gotische Spitzbogenfenster. Ursprünglich gestaltete Hans Jacob Kistler aus Straßburg das Gebäude in den Jahren 1638 bis 1642 im Stil der deutsch-niederländischen Renaissance; der Innenausbau erfolgte mit opulenter barocker Dekoration. Zuvor war ein ehemaliges Gildehaus der Kaufmannsgilde zur Kirche umgebaut und umfunktioniert worden, aber bald reichte der Raum für die wachsende Gemeinde nicht mehr aus. Für den Neubau wurde das Gildehaus weitgehend abgerissen. Der nach einem Brand im Jahr 1878 anschließend errichtete 96 Meter hohe Turm stammt von Julius Carl Raschdorff. Das hier untergebrachte Glockenspiel erfreut die Passierenden mit zwei deutschen Chorälen: „Nun danket alle Gott“ und „Lobe den Herren“. Die lutherische Kirche ist der Heiligen Gertrud geweiht. Die Spitze des Kirchturms markiert auch den höchsten Punkt der Stadt.

Zum Bild: Blick von Södermalm auf die Altstadt mit der Deutschen Kirche.

Bilder oben: aufgrund der engen Bebauung in der Stockholmer Altstadt (Gamla stan) ist es schwierig, das Kirchengebäude in Gänze zu überblicken.

Bilder oben: der Ende des 19. Jahrhunderts errichtete 96 Meter hohe Turm.

Bilder oben: reicher Schmuck ziert die Turmspitze, so etwa Regenspeier an den vier Dachecken.

Bilder oben: der seitliche Eingangsportal im Süden.

Bilder oben: das Tor zum Kirchenvorplatz; der Leitspruch „Fürchtet Gott, eheret den König“ ist hier in Deutsch verfasst.

Die Storkyrka (Großkirche), die Stockholmer Domkirche St. Nikolai

Die „Große Kirche“ (Storkyrka) wurde bereits kurz nach Gründung der Stadt im 13. Jahrhundert (1264) im Stil der Backsteingotik auf dem höchsten Punkt der Insel Stadsholmen errichtet, aber erst Ende des 15. Jahrhunderts war sie zur heutigen Größe als fünfschiffige Hallenkirche um- und ausgebaut. Das heutige barocke Äußere erhielt sie in den Jahren 1736 bis 1742 durch Johann Eberhard Carlberg, um sie der barocken Umgebung (Königliches Schloss) anzupassen. Der Kirchturm ist 66 Meter hoch. Die Kirche war stets Krönungskirche für die schwedischen Könige; auch königliche Hochzeiten fanden/finden hier statt, so etwa die von Carl XVI Gustaf und seiner deutschen Frau Silvia Sommerlath im Jahr 1976.

Die Kirche ist dem Hl. Nikolaus geweiht, doch meist wird sie nicht als St. Nikolai Kirche bezeichnet, sondern einfach als Großkirche (Storkyrka), bzw. nach ihrer Erhebung zum Bischofssitz (1942) als Stockholmer Domkirche. Der Hl. Nikolaus gilt auch als Schutzpatron der Seefahrer; Seeleute kamen also vor größeren Fahrten in die Kirche und erbaten sich vom Hl. Nikolaus eine gute Passage. Ein Schiffsmodell, das im hinteren Teil der Kirche in einem Seitenschiff von der Decke hängt, nimmt auf diese Umstände Bezug.

Der Innenraum ist immer noch von der Gotik bestimmt, insbesondere seitdem im Jahr 1908 an den verputzten Säulen im Inneren wieder die Backsteine freigelegt wurden. 

Umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche fanden von 2020 bis 2023 statt; dazu kann man auf einer Infotafel im Innenraum des Gebäudes unter der Überschrift „Zurück zu 1743“ lesen, dass die mittelalterliche Kirche vor 700 Jahren im französisch-gotischen Stil errichtet wurde; 1740 habe sie dann ein neues Äußeres bekommen, nämlich eine Fassade im Stil des italienischen Barock, um sie dadurch besser an das Nachbargebäude, das Königliche Schloss, anzupassen.

Im Jahr 2020 habe eine umfassende Renovierung des sich in schlechtem Zustand befindlichen Äußeren der Kirche begonnen: der Verputz, Kupferverkleidungen, Holz und Naturstein wurden repariert oder ersetzt. Ausgewiesene Spezialisten aus Skandinavien bzw. ganz Nordeuropa hätten über 3 Jahre lang hart daran gearbeitet, der alte Kathedrale wieder den früheren Glanz zurückzugeben. Im Mai 2023 waren die Arbeiten beendet. Durch ein Eintrittsgeld für Besucher/innen sollen zumindest Teile der finanziellen Aufwendungen kompensiert werden.

Vor der Südfassade des Kirchengebäudes befindet sich ein Denkmal für Olaus Petri. Er hatte in Wittenberg bei Martin Luther studiert und ab etwa 1524 als Stadtsekretär und Prediger in der Storkyrkan wesentlichen Einfluss auf die Reformation Schwedens.

Zum Bild: vor der Ostfassade der Kirche befindet sich ein Olaus Petri-Denkmal; dieser hatte maßgeblich die Reformation in Schweden vorangebracht.

Bilder oben: die Stockholmer Domkirche befindet sich direkt neben dem Schloss und dem früheren Börsengebäude (in dem heute das Nobel-Museum untergebracht ist). Der Turm ist 66 Meter hoch.

Bilder oben: die „Großkirche“ (Storkyrka) befindet sich inmitten der engen Bebauung der Stockholmer Altstadt auf deren höchstem Punkt. Letztes Bild: neben der Kirche steht der Oxenstierna-Palast.

Bilder oben: südlicher Eingangsbereich und Tor zum Innenhof.

Bilder oben: die Westfassade mit dem Haupteingang am Turm.

Bilder oben: direkt neben der Kirche verlaufen zwei viertelkreisförmige abgesetzte Flügel des Königlichen Schlosses.

Bilder oben: auch an der Nordseite des Gebäudes gibt es einen Eingang. 

Bilder oben: die östliche Fassade des Kirchengebäudes zum Schlosshügel (Slottsbacken) hin; hier steht auch das Denkmal für Olaus Petri und der 1800 hier aufgestellte Obelisk, der an den Schwedisch-Russischen Krieg von 1788-1790 erinnern soll.

Über die Innenausstattung der Kirche kann man in einer Broschüre, die im Gebäude ausliegt, das Folgende lesen: „Der Großteil der prunkvoll barocken Innenausstattung einschließlich der Königsstühle,  Kanzel und Empore kam Ende des 17. Jahrhunderts hinzu. Die Orgel wurde 1960 von Marcussen & Son gebaut und hat 53 Register; die Orgelfassade jedoch entstand bereits für eine frühere Orgel.“ 

Das am aufwändigsten gestaltete Kunstwerk in der Kirche ist die Figur des Hl. Georg, der den Drachen tötet. Die Skulpturengruppe wurde 1489 vom Lübecker Künstler Bernd Notke geschaffen; als Materialien hat er dabei Eichenholz sowie Rosshaar und ein Elchgeweih benutzt. Es wird gemutmaßt, dass die Darstellung auch allegorisch für Sten Sture stehen könnte, der die dänischen Truppen unter König Christian I im Jahr 1471 geschlagen hatte.

Bilder oben: die Storkyrka (Großkirche) ist eine fünfschiffige Hallenkirche im Stil der Backsteingotik.

Bilder oben: der Altar wurde aus Ebenholz und Silber gestaltet. Die Kanzel und die Königsstühle stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts.

Bilder oben: die Orgel wurde 1960 eingebaut; der Orgelprospekt stammt aber von einer Vorgängerin.

Bilder oben: das Gewölbe ist zum Teil ein Kreuzgratgewölbe, zum Teil ein Netzgewölbe; die Pfeiler sind als Bündelpfeiler gestaltet und die Gewölbefelder sind teilweise mit Deckenmalereien verziert.

Bilder oben: sehr kunstvoll geschaffen wurden die Deckenleuchter.

Bilder oben: Deckenleuchter und Kanzel.

Bilder oben: die Skulpturengruppe „St. Georg und der Drache“ und ein Schiffsmodell, welches daran erinnert, dass der Hl. Nikolaus, dem die Storkyrka geweiht ist, als Schutzpatron der Seefahrer gilt.

Die Gustav-Vasa-Kirche (Gustaf Vasa kyrka), 1906

Bilder oben: die Gustav Vasa kyrka wurde von Agi Lindegren im Stil des italienischen Neo-Barock geplant.

Die neo-barocke Gustav-Vasa-Kirche befindet sich im Stadtteil Norrmalm an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, dem Platz Odenplan. Der Grundriss des Gebäudes beruht auf dem griechischen Kreuz, bei dem alle Kreuzarme gleich lang sind. Auch von der äußeren Gestaltung her wird die dadurch bedingte Symmetrie des Bauwerks unterstützt: an allen vier Seiten gibt es einen, griechischen Tempelbauten nachempfundenen, Portikus mit Pilastern und Dreiecksgiebel, wobei der Haupteingang an der Ostseite des Gebäudes zum Odenplan hin mit dorischen Doppelsäulen besonders betont wird. Über der Vierung erhebt sich ein insgesamt 60 Meter hoher Turm mit kupferverkleideter Kuppel und Laterne. Auch die vier Eckhäuser der kreuzförmig angeordneten Schiffe tragen Laternen.

Geplant hat den Sakralbau der Architekt Agi Lindegren, eingeweiht werden konnte die Kirche im Jahr 1906. In der Zwischenzeit wurde das Gebäude mehrfach saniert/renoviert, zum letzten Mal 2017 durch das Büro AIX Arkitekter AB.

Bilder oben: die neo-barocke Gustav Vasa kyrka am Odenplan.

Bilder oben: Fassadendetails an der Front mit dem Haupteingang: dorische Doppelsäulen und ein Dreiecksgiebel bilden einen beeindruckenden Portikus.

Bilder oben: der Turm mit Kuppel und Laterne.

Die Inschrift über dem Haupteingang lautet: „In gloriam omnipotentis dei hoc templum nomine Gustavi Vasa appellatum regnante tricesimum quartum annum Oscare II. inauguratum est A:D: MCMVI“

Zu deutsch: „Zur Ehre des allmächtigen Gottes wurde dieser nach Gustav Vasa benannte Tempel im vierunddreißigsten Regierungsjahr von Oskar II. im Jahr 1906 eingeweiht.“

Die Engelbrektskyrka (Engelbrechtskirche), 2014

Architekt Lars Israel Wahlmann errichtete auf dem ehemaligen Mühlenhügel an der Straße Karlavägen auf Östermalm das Kirchengebäude und das benachbarte Gemeindehaus in Backsteinbauweise. Der Stil wird als Mischung aus schwedischer Nationalromantik und nordischem Jugendstil beschrieben. Das parabelförmige Gewölbe des Langhauses ruht auf acht Pfeilern und zählt mit 32 Metern zu den höchsten im Lande. Wahlmann errang bei einem Architekturwettbewerb, der 1905 ausgeschrieben war, den ersten Preis und konnte seinen Entwurf in den Jahren 1910 bis 1914 verwirklichen. Auch viele Elemente der Innenausstattung stammen vom Architekten.

Kirche und Gemeindehaus können vom Karlavägen aus über eine mächtige und steile Treppenanlage mit mehreren Zwischenabsätzen erreicht werden; vom Kirchenvorplatz aus hat man auch einen schönen Ausblick auf die städtische Nachbarschaft.

Bilder oben: das Kirchengebäude steht in sehr exponierter Lage auf dem Mühlenhügel.

Bilder oben: Blick von der Straße (Karlavägen) auf das Kirchengebäude; Treppenanlage und Kirche mit dem benachbarten Gemeindehaus.

Bild oben: am Fluchtwegeplan kann man den Grundriss des Gebäudes erkennen: es handelt sich also im Prinzip um eine Kreuzkirche; zweites Bild: Eingangsbereich und Turm.

Bilder oben: Gebäudedetails: Ziegelmuster, Turmhelm und Kirchenuhr.

Bilder oben: Längsschiff der Kirche mit Blick zum Altarraum.

Bilder oben: Querschiff sowie Orgel und kunstvoll gestaltete Wandbeleuchtung.

Bilder oben: die parabelförmige Gewölbekonstruktion und das Dach im Längsschiff.

Maria Magdalena Kyrka (Maria-Magdalenen-Kirche)

Die Maria Magdalena Kyrka ist die älteste Kirche auf Södermalm; an ihrer Stelle befand sich zuvor inmitten eines Friedhofs eine Kapelle. König Gustav Vasa ließ die Kapelle abreißen. Der heute sichtbare Bau entstand zwischen 1588 und 1625. Aufgrund der langen Bauzeit waren mehrere Architekten mit den Arbeiten befasst, so auch Hofarchitekt Nicodemus Tessin der Ältere und später dessen Sohn. Sie bauten die Kirche im barocken Stil aus; 1776 wurde die Kirchturmspitze aufgesetzt.

Bei einem großflächigen Brand auf Södermalm 1759 wurde auch das Kirchengebäude beschädigt, aber bis 1763 wieder aufgebaut.

Bilder oben: die barocke Maria-Magdalenen-Kirche befindet sich auf Södermalm inmitten eines Friedhofs.

Bilder oben: das Kircheninnere: Mittelschiff, Chor und Empore mit Ordel.

Bilder oben: Kirchturm und Orgel des Maria Magdalena Kyrka.

Kungsholms Kyrka oder Ulrika Eleonora Kyrka (Kungsholmen Kirche)

Das Kirchengebäude wurde von Architekt Mathias Spieler als Kreuzkirche geplant, d.h. der Grundriss entspricht einem griechischen Kreuz mit gleich langem Lang- und Querhaus. Die Bauarbeiten zogen sich über einen längeren Zeitraum dahin; Grundsteinlegung war 1673, eingeweiht wurde der Sakralbau 1688. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen, der Turm über der Vierung wurde sogar erst 1810 aufgesetzt.

Das Kirchengebäude befindet sich auf Kungsholmen zwischen der Bergsgatan und der Hantverkargatan auf einem Hanggrundstück am Rande eines kleinen umgebenden Parks bzw. Friedhofs.

Der Name Ulrika Eleonora stammt von der Gattin von König Karl XI., der den Bau der Kirche finanziell unterstützt hatte.

Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude sowohl außen als auch innen mehrfach restauriert und auch verändert. Dem heute sichtbaren Bau ging eine Vorgängerkirche aus Holz voraus, die in den Jahren 1672 bis 1679 errichtet worden war.

Sehenswert im Kircheninneren sind der Altar nach einem Entwurf von Carl Christoffer Gjörwell bzw. das Altarbild („Auferstehung“) von Fredric Westin, die Kanzel (ebenfalls von Gjörwell) und das Baptisterium, der Taufbrunnen im nördlichen Querschiff der Kirche.

Zum Bild: die Inschrift an der Eingangstür lautet „Der Herr lasse sein Antlitz über uns leuchten.“

Bild oben: der kupferverkleidete Turm mit Turmuhren und Laterne.

Bilder oben: die Kungsholms Kyrka: die Fassade ist mit Lisenen verziert, über der Vierung befindet sich ein Turm mit Laterne.

Bild oben: Blick von Södermalm auf Kungsholmen mit der Kungsholms Kyrka links im Bild.

Bilder oben: Blick ins Kircheninnere: Langhaus, Chor und Altar mit Altarbild.

Bilder oben: Kanzel und Altar wurden von Carl Christoffer Gjörwell gestaltet.

Bilder oben: Deckenleuchter und Glasfenster.

Bilder oben: die Orgel auf der Empore.

Riddarholmskyrkan (Riddarholmen-Kirche)

Bild oben: Blick auf Riddarholmen vom Turm des Rathauses aus (Aufnahme vom Mai 2002): links im Bild der Turm der Tyska kyrkan (der Deutschen Kirche), rechts der Turm der Riddarholmskyrkan mit seiner filigran durchbrochenen gusseisernen Spitze.

Die Riddarholmenkirche wird heute nicht mehr sakral genutzt, sondern dient als Museum und Geschichtsort.

König Magnus Ladulås (Magnus Birgersson, ein Sohn von Birger Jarl) stiftete gegen Ende des 13. Jahrhunderts auf der Stockholmer Insel Riddarholmen das Franziskanerkloster Gråbrödraklostret und die dazugehörige Kirche, die Riddarholmskyrkan. Das ursprünglich zwischen 1280 und 1300 als dreischiffige gotische Hallenkirche (gleiche Höhe von Mittelschiff und Seitenschiffen) in Ziegelbauweise errichtete Kirchengebäude wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder entsprechend dem gerade aktuellen Stil umgebaut und auch erweitert, so dass der heute sichtbare Bau auch barocke und neogotische Elemente aufweist.

Auf der Insel befinden sich zudem viele palastähnliche Bauten, die im 17. und im 18. Jahrhundert für das Königshaus oder den Adel errichtet wurden (und die heute meist anderweitig genutzt werden).

Das Franziskanerkloster wurde während der Reformation im 16. Jahrhundert aufgelöst und seine Gebäude schließlich im 17. Jahrhundert abgerissen.

Die Riddarholmskyrkan „überlebte“ jedoch in ihrer weiteren Funktion als Begräbniskirche: viele schwedische Könige und Königinnen vom 17. Bis zum 20. Jahrhundert wurden hier begraben (genauer: bis 1950 wurden 17 Regenten/innen hier beerdigt). Für einige von ihnen wurden dem Kirchengebäude eigene Gedächtniskapellen angefügt (siehe nebenstehendes Bild), darunter die Karolinische Kapelle und die Bernadotte-Kapelle, die einer bestimmten königlichen Dynastie gewidmet sind. So besehen ist die Riddarholmskyrkan eigentlich das schwedische Königliche Mausoleum.

Außerdem war die Kirche auch ein Ort, an dem andere wichtige staatliche Zeremonien stattfanden, etwa Krönungsmessen. Die Kirche ist daher auch ein Symbol schwedischer nationaler Identität und eine wichtige Geschichtszeugin.

Eine Besonderheit der Kirche ist die filigran durchbrochene gusseiserne Turmspitze. Sie besteht aus über 2000 Einzelteilen. Den Bau dieser ganz besonderen Kirchturmspitze beauftragt hat König Gustav III. im Jahr 1807. Der Bildhauer Erik Gustaf Göthe bekam den Auftrag für einen Entwurf, der aber mehrfach überarbeitet wurde, weil das Volk vom Material der Konstruktion nicht überzeugt war. Dass die gusseiserne Spitze trotzdem hergestellt und aufgebaut wurde, lag vermutlich auch daran, dass auch die Kathedrale im französischen Rouen einen solchen Turm aufweist. Vollendet war das Werk erst 1882.

Die Riddarholmskyrkan ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt.

Bild oben: Blick vom Stockholmer Rathaus aus (bzw. vom Stadshusparken) auf die Insel Riddarholmen mit dem Ritter-Haus (ganz links) dem Norstedt-Verlagshaus (links), dem runden Birger-Jarl-Turm (Bildmitte), dem Wrangelschen Palais und der dahinter aufragenden Turmspitze der Riddarholmskyrkan (Aufnahme vom Mai 2002).

Bilder oben: zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen (Frühjahr 2026) finden Sanierungsarbeiten an der Kirche, insbesondere am Turm, statt. Erstes Bild: Blick von Södermalm auf Riddarholmen; zweites Bild: Blick vom Rathaus aus.

Bilder oben: Blick von der Riddarholmsbron bzw. vom Birger Jarls torg auf das Kirchengebäude.

Bild oben: auf dem Birger Jarls torg (Birger Jarls Platz) befindet sich auch eine Statue des Stadtgründers. Im Hintergrund die Nordfassade des Langhauses mit den angefügten Kapellen.

Bilder oben: besonders aufwändig gestaltet und verziert ist die Karolinische Kapelle.

Die Kirche St. Jacob (Sankt Jacobskyrka)

Das heutige Kirchengebäude wurde im Auftrag von König Johann III. in den Jahren 1580 bis 1612 von Architekt Willem Boy zusammen mit dem Baumeister Henrik van Huwen errichtet. Die Kirche befindet sich in Nachbarschaft zum Operngebäude und zum Park Kungsträdsgården im Stadtteil Norrmalm.

An Stelle des heutigen Kirchengebäudes befanden sich Vorgängerbauten, als erstes eine Kapelle im 14. Jahrhundert. Die dreischiffige Kirche ist ein falun-rot verputzter Backsteinbau mit stilistischen Anleihen in der Spätgotik, dem Barock und der Renaissance. Das Gebäude besitzt einen zentralen, viereckigen Turm mit einer barocken Turmhaube und Laterne sowie zwei kleine, achteckige Türme am Westeingang. Im Lauf der Jahrhunderte wurden sowohl im Inneren, als auch am Äußeren des Bauwerkes etliche Änderungen vorgenommen, insbesondere nach einem Brand im Jahr 1723.

Seit 2012 hat das Gebäude keine Funktion mehr als Gotteshaus, sondern wird v.a. für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

Bilder oben: die Kirche St. Jacob fällt aufgrund der Fassadenfarbe (falun-rot) auf.

Bilder oben: Hauptturm und Türmchen an der Westfassade.

Bilder oben: Eingangsportal an der Westfassade mit aufwändig gearbeiteten Holztüren.

Der Spruch am Tympanon über der Eingangstüre lautet: „Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, dann wird euch all das Irdische dazugegeben.“

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