Stockholm – Neueste Architektur
Neueste Bauten in Stockholm
Auf dieser Seite werden einige (spektakuläre) Bauten vorgestellt, die in den letzten Jahren errichtet wurden, so zum Beispiel die „Norra Tornen“ von OMA (Office for Metropolitan Architecture), 2018/2020 oder das Wohnprojekt 79&Park von BIG (Bjarke Ingels Group), 2018, sowie neue Gebäude im (neuen) Stadtteil Hagastaden, darunter „Forskaren“, die Aula Medica des Karolinska Instituts und auch Wohnhochhäuser in Holzbauweise.
Die Aula Medica des Karoliska Instituts, 2013
Bild oben: das Haus für die Aula Medica von Wingårdhs Architekten fällt durch seine geneigte und weit auskragende Fassade auf. 6000 dreieckige Glasscheiben in unterschiedlichen Farben vervollständigen den geometrischen Reiz des Gebäudes.
Die „Aula Medica“ beherbergt eine große Aula für die benachbarten medizinischen Institute der Karolinska-Universitätsklinik. Sie wurde 2013 von Gerd Wingårdh u.a. (Wingårdhs Architekten) 2013 errichtet. Er wollte in diesem geschäftigen neuen Stadtteil Hagastaden etwas Außergewöhnliches und Auffallendes schaffen; das ist ihm gelungen. Außer der Aula, in der auch schon Nobel-Vorträge abgehalten wurden, gibt es im Haus Konferenzräume, Büros, ein Café und ein Restaurant.
Das Gebäude fällt auf durch seine vorgehängte und schräg auskragende Fassade aus 6000 unterschiedlich farbigen dreieckigen Glaselementen.
Auf der Website der staatlichen Immobilienverwaltung für Universitäten (www.akademiskahus.se/) kann man zu dem Gebäude das Folgende lesen: „Aula Medica, fertiggestellt 2013 und Gebäude des Jahres 2014, ist ein dreieckiges Gebäude auf dem Campus Solna mit einer Fassade aus 6.000 Glasscheiben. Entlang der Solnavägen fällt sie mit einer Neigung von 33 Grad und einem Überhang von 23 Metern auf. Das Gebäude beherbergt ein Auditorium für 1.000 Personen, Büros, Konferenzräume, zwei Restaurants und ein Café und war Gastgeber von Nobelvorträgen und internationalen Konferenzen.
Bilder oben: das Gebäude liegt im neuen Stadtteil Hagastaden an der Ausfallstraße Solnavägen.
Bilder oben: der Haupteingang am Nobels väg und die auskragende Gebäudeecke an der Ausfallstraße; im Vordergrund die Fußgänger über Solnavägen.
Bilder oben: die „runde Ecke“ am Nobels väg.
Bilder oben: die Fassade ist bis zu 30 Grad geneigt und kragt bis zu 23 Meter aus; in ihr spiegeln sich die Bauten in der Nachbarschaft.
Bilder oben: bei abendlicher Beleuchtung kann man durch die Glaspaneele der Fassade ins Atrium des Gebäudes hineinschauen.
Bilder oben: In den Glasfassade der Nachbargebäude spielt sich die Aula Medica.
Das Wohnprojekt 79&Park von BIG (Bjarke Ingels Group), 2018
Bild oben: das Projekt 79&Park bildet ein wahres Wohngebirge.
79&Park ist eine große Wohnanlage, welches die Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen am Rand des Stockholmer Nationalparks Gärdet östlich des Stadtzentrums geplant und 2018 vollendet hat. Bei BIG waren daran Bjarke Ingels, Finn Nørkjær, Jakob Lange u.a. beteiligt. Der Wohnkomplex bildet vom Grundriss her ein an einer Seite abgeschrägtes Rechteck, wobei der Rand des Rechtsecks die Gebäude aufnimmt und das Innere einen gut begrünten Innenhof bildet.
Die Konzeption für die Struktur des Bauwerks beruht auf vorfabrizierten Modulen mit der Grundfläche 3, 6 m x 3,6 m. Man kann sich damit ein Raster aus diesen Modulen an den Außenkanten des Rechtecks vorstellen. Nun kann man sich denken, dass die Modulgrundflächen nach oben unterschiedlich hoch extrudiert werden: an der höchsten Gebäudeecke stapeln sich die Module auf eine Gesamthöhe von 35 Metern, auf der diagonal gegenüberliegenden Ecke nur 7 Meter hoch. Dazwischen findet eine kontinuierliche Abstufung statt. Durch die unterschiedlichen und gestaffelten Bauhöhen erhalten alle Wohnungen (und auch der Innenhof) einerseits viel Licht, andererseits haben die Bewohner/innen von ihren Balkonen und Terrassen aus auch einen guten Ausblick auf den benachbarten Park und (etwas weiter draußen) den Hafen. Außerdem passt sich der Wohnkomplex mit seinen gestaffelten und von einer Ecke zur gegenüberliegenden Ecke ansteigenden Bauhöhe auch der Topologie des Parks an; zudem haben die Architekten darauf geachtet, dass die unterschiedlichen Bauhöhen auch mit den Baulinien der Nachbarschaftsbebauung korrespondieren.
Bild oben: so richtig klar wird die Gebäudetopologie nur beim Blick aus der Luft. Das Bild wurde erstellt mit Hilfe von Google Earth (Copyright: © Google Earth).
Bilder oben: Blick vom Nationalpark Gärdet auf das Wohnprojekt mit den in der Höhe gestaffelt aufgetürmten Modulen; dadurch entstehen viele (begrünte) Dachterrassen.
Bilder oben: Blick von der Sandhamsgatan von außen auf die Wohnanlage.
Bilder oben: der Innenhof der Wohnanlage mit Blick auf die Innenfassaden der Bebauung.
Die gesamte Fassade der Baukörper ist mit Zedernholz verkleidet, welches im frischen Zustand hellgelbe, rötliche und braune Schattierungen aufweis; mit zunehmender Verwitterung kommen Grau- und Silbertöne hinzu. Durch die unterschiedlichen Höhen der „Modulstapel“ entstehen stufenförmig ansteigende Dachterrassen auf den Dächern der obersten Module. Alle 169 Wohnungen (mit einer Wohnfläche zwischen 35 und 137 Quadratmetern) verfügen über private und gemeinschaftlich nutzbare Dachterrassen, welche üppig mit Stauden, Sträuchern und Bäumen bewachsen sind. Die Gemeinschaftsterrassen können von den Wohnungen aus über Wendeltreppen erreicht werden. In dem Geviert des Baukörpers gibt es drei Durchgänge, über die man vom Innenhof nach außen zur Straße gelangen kann.
Bild oben: die Zedernholzverkleidung der Wohnmodule; die Balkone bzw. Loggien schließen seitlich mit schräg gestellten Lamellen, so dass Luft zirkulieren kann.
Bilder oben: Blick vom Innenhof auf die aufgestapelten Wohnmodule; auf die Dachterrassen kommt man von den obersten Wohnungen über Wendeltreppen.
Bild oben: einer der drei Durchgänge vom Innenhof nach draußen.
Bilder oben: Außenfassade und Innenfassade des Wohnkomplexes.
Das Wonprojekt 79&Park erinnert teilweise an andere Bauwerke von BIG: etwa an „The Mountain“ (Bjerget) im neuen Stadtteil Ørestand von Kopenhagen (erstes Bild) oder an das Wohnprojekt VIA57 West in der 57. Straße in New York am Ufer des Hudson River (zweites Bild).
Norratornen (Nordtürme), Reinier de Graaf u.a. von OMA (Office for Metropolitan Architekture) 2018 / 2020
Für Stockholm ist es kein unübliches städtebauliches Motiv, den „Eingang“ einer Straße mit Doppel-Türmen zu markieren und so eine Tor-Situation zu schaffen. Das kann man etwa bei den Kungstornen (Königstürmen) an der Kungsgatan (Königstraße) sehen oder an der St. Eriksbron (Brücke des Hl. Erik) über den Kanal Barnhusviken, welche Kungsholmen und Norrmalm verbindet: hier flankieren an beiden Brückenenden Doppeltürme auf der einen und besonders mächtige palastartige Bauten (St. Erikspalast) auf der anderen Seite die Straße.
Bild oben: an der St. Eriksbron (St. Eriks-Brücke) markieren zwei turmartige Bauten beidseits der St. Eriksgatan den Zugang zu diesem Bereich der Stadt.
Damit vergleichbar flankieren die beiden Norra tornen die Ausfallsstraße Torsgatan an der Übergangsstelle vom Stadtteil Vasastaden mit (Wohn-)Gebäuden aus den 1930er Jahren und dem Neubaugebiet Hagastaden. In Nachbarschaft der Türme liegen das Gebäude „Forskaren“, das Karolinska Institut mit der Aula Medica oder die 13-stöckigen Holzhochhäuser „Cederhusen“ an der Haga-Esplanade.
Die beiden Norratornen sind unterschiedlich hoch: der nordöstliche Turm „Innovationen“ ist 125 Meter hoch und wurde 2018 fertiggestellt; sein „Zwilling“, der südwestliche Turm „Helix“ ist 110 Meter hoch und konnte 2020 bezogen werden. Insgesamt gibt es in den beiden Türmen 300 Wohnungen. Nach oben hin verjüngen sich die Turmquerschnitte abgetreppt.
Bilder oben: Blick entlang der Torsgatan in nördliche Richtung auf die beiden Wohntürme.
Bilder oben: die beiden Nordtürme; im Vordergrund die Fußgängerbrücke zwischen der Aula Medica des Karolinska Instituts (rechts im Bild) und den anderen Gebäuden der Karolinska Universitätsklinik.
Bilder oben: Blick entlang der Straße Solnavägen nach Südosten auf die beiden Nordtürme.
Bilder oben: die wabenartige Modul-Anordnung der beiden Norra tornen.
Bilder oben: Blick nach Norden in der Torsgatan auf die beiden Wohnhochhäuser und den Nordturm „Innovationen“.
Bilder oben: der unspektakulär gestaltete Sockelbereich des südwestlichen Turms „Helix“.
Bild oben: der südliche Turm spiegelt sich in der Fassade eines Gebäudes am Solnavägen.
Die Türme bestehen aus vorgefertigten Stahlbeton-Modulen, die auf der Baustelle zusammengesetzt wurden. Nach außen hin haben die gut gedämmten Fassadenelemente eine Rippenstruktur: dem Beton wurden bunte Kieselsteine zugesetzt und die Ränder dann glatt gesägt. Dadurch entsteht ein terrazzo-ähnliches Aussehen. Von der Farbigkeit her wurden mit warmen Rot- und Brauntönen die Farben der benachbarten Wohnbebauung aufgegriffen.
Bilder oben: Sockelgeschoss des nördlichen Turms; hier kann man die gerippte Struktur der Fassadenelemente gut erkennen; die dem Beton zugeschlagenen bunten Kieselsteine liefern nach Sägen und Schleifen ein terrazzo-ähnliches Aussehen.
Alle Wohnungen haben mindestens einen (geschützten) Balkon; die Balkonbrüstungen sind verglast, die Fenster bestehen aus einer durchgehenden Scheibe (Dreifachverglasung) und sind bodentief. Die Lüftung erfolgt natürlich: seitlich sind die Rippen der Fassaden teilweise geöffnet und dahinter verbirgt sich ein Fenster, das geöffnet werden kann. Alle Wohnungen verfügen über einen Wärmetauscher zur Wärmerückgewinnung, zudem sind die Gebäude an ein Fernkühlsystem angeschlossen. In den Türmen wird auch Grauwasser genutzt.
Durch die fabrikmäßige Vorfertigung der Module konnten die Gebäude pro Woche um etwa eine Etage wachsen und es konnte auch bei Temperaturen noch gearbeitet werden, bei denen die Einbringung von Ortbeton nicht möglich gewesen wäre. Die Module in übereinander liegenden Stockwerken sind versetzt gegeneinander angeordnet, so dass nach außen hin ein „Pixel-Muster“ entsteht.
Im Turm „Innovationen“ gibt es auch einige Räumlichkeiten zur gemeinschaftlichen Nutzung.
Im Jahr 2020 erhielten die Norratornen den 1. Preis im Wettbewerb „Best Highrises“, welcher vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt ausgelobt wird.
Zum Bild: hier erkennt man gut die versetzte Anordnung der Wohnungsmodule .
Bilder oben: durch die versetzte Anordnung der Module entsteht der Eindruck einer „Pixel-Fassade“.
Bilder oben: Turmkopf des Nord- und des Südturms; auf dem Dach befinden sich Krananlagen für die Fensterreinigung.
Forskaren (Forschung), neues Forschungsgebäude von 3XN, 2023
Bilder oben: das Forschungsgebäude von 3XM befindet sich an der Kreuzung Solnavägen/Haga-Esplanaden. Im Hintergrund rechts der südliche der beiden Norra Tornen (Nordtürme).
Im neuen nördlichen Stadtteil Hagastaden, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Karolinska-Instituten und dem Karolinska-Universitätskrankenhaus sowie dem Wohnhochhausprojekt „Norra Tornen“ wurde 2023 vom Architekturbüro 3XN ein Forschungsgebäude vollendet, welches von unterschiedlichen Firmen und Instituten für Forschungsaufgaben gemietet werden kann. Im Gebäudezentrum erstreckt sich ein bis unter die Glasdecke offenes Atrium; eine zentrale Wendeltreppe erschließt die außen umlaufenden Geschosse.
Das Foyer im Erdgeschoss mit seinen Restaurants ist der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich; hier gibt es auch Ausstellungsbereiche zur Forschungsthematik der Life Sciences.
Bilder oben: durch seine runde Form sticht das „Forskaren“-Gebäude aus der Umgebung heraus.
Bilder oben: westlich des Gebäudes schließt sich die Haga-Esplanade an mit neuen Wohn- und Geschäftsgebäuden.
Die Einrichtung selbst (forskaren.se) beschreibt das Gebäude und seinen Zweck auf ihrer Website wie folgt:
„Werden Sie Teil des weltweit führenden Life-Science-Zentrums Stockholms. Im Herzen des Traumviertels von Hagastaden ist Forskaren nun ein neues Zentrum für Wissensaustausch und Zusammenarbeit mit weltweit führenden Akteuren aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Forskaren ist ein Innovationspartner, der es Life-Science-Akteuren ermöglicht, ihr Geschäft und ihre Ideen auszubauen. Das Grundstück bietet 24.000 m² flexible Büros, Gemeinschaftsbereiche, Ausstellungen und modernste funktionale Gastronomie.“
Bilder oben: die Gebäudefassade. Mieter aus einschlägigen Arbeitsbereichen sind bereits eingezogen.
Auf der Website des Architekturbüros 3XN kann man zu dem Gebäude das Folgende lesen:
„Die Lebenswissenschaften und die Erforschung lebender Organismen und Lebensprozesse spielen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung gesundheitlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen. Mit dem neuen Hagastaden-Viertel im nördlichen Teil Stockholms ist es das Ziel, eines der weltweit führenden Ökosysteme innerhalb der Naturwissenschaften zu schaffen. Forskaren ist das Herz der Region und vereint Industrie, Forschung, Wissenschaft und Öffentlichkeit unter einem Dach. Hier öffnet sich das Gebäude und lädt die Menschen ein, sich zu bewegen und miteinander zu arbeiten.
Das 24.000 m² große Gebäude verfügt über flexible Arbeitsumgebungen mit großen Büros, Co-Working-Spaces und Laboren. Darüber hinaus gibt es sowohl innen als auch außen Erholungsbereiche. Die runde Form wird durch zurückgesetzte Balkone unterbrochen, die zusammen mit einer großen Deckterrasse für Mieter zugänglich sind. Das Erdgeschoss ist für die Öffentlichkeit zugänglich und umfasst zwei Restaurants sowie einen Ausstellungsbereich.
Im schnell wachsenden Hagastaden sticht Forskaren hervor. Die runde Form ist einzigartig und ein Wahrzeichen in einem ansonsten dicht bebauten Gebiet. Die kreisförmige Form des Gebäudes erhebt sich von Etage zu Etage und bildet Balkone um einen großen inneren Atriumraum. In diesem Sinne ist Forskaren um konzentrische Ringe organisiert, um Leben und Zusammenarbeit zu fördern. Die Büros befinden sich am Rand des Gebäudes, während die Balkone mit Räumen und Nischen ausgestattet sind, die die soziale Interaktion aller Nutzer des Gebäudes fördern.
Die rustikale und langlebige Materialität des Hauses wird im Laufe der Zeit eine Patina ansetzen; die Holzverkleidungen können 50 Jahre lang unbehandelt bleiben. Mit diesen Designentscheidungen folgt Forskaren den Materialempfehlungen der schwedischen Byggvarubedömningen für nachhaltiges Bauen. Darüber hinaus strebt Forskaren die LEED Platin-, WELL v.1 Gold- und Miljöbyggnad-Gold-Zertifizierungen an. Die Hälfte der Dachfläche des Gebäudes ist mit Solarpaneelen bedeckt, die das Gebäude mit Strom versorgen, während die gestufte Fassade den Kühlbedarf minimiert und minimiert.
Bilder oben: durch Einbuchtungen der Außenfassade entstehen Balkone bzw. Loggien.
Bilder oben: Übergang zur Haga-Esplanade; hier wachsen auch schon Riesen-Blumen.