Stockholm
Die schwedische Hauptstadt Stockholm – ein Stadtportrait
Auf dieser Seite wird die schwedische Hauptstadt Stockholm vorgestellt und ihre Stadt(bau)geschichte bis etwa 1900 umrissen; die neuere Stadtentwicklung (ab 1900) findet man auf der Seite Stockholm-neuere-Stadtentwicklung, einige ganz neue Bauprojekte findet man unter Stockholm-neueste-Architektur.
Bild oben: Blick vom Kaknästornet (Aussichts- und Funkturm) im Stadtteil Djurgården (Tiergarten) auf Stockholm (Aufnahme vom Mai 2002). Seit 2018 ist der Turm für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Im Vordergrund ist das Seefahrtsmuseum zu sehen, in Bildmitte das Gebäude des Nordischen Museums und im Hintergrund die Türme der verschiedenen Kirchen der Stadt, das mächtige Gebäude des Königlichen Schlosses sowie der Turm des Stadshus (Rathaus).
Nachfolgend die Links zu Seiten mit speziellen Themen:
Zu der Seite Stockholm – neuere Stadtentwicklung (ab etwa 1900)
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Zahlen und Fakten zur schwedischen Hauptstadt
Die Kernstadt Stockholm hat etwa 975 Tausend Einwohner/innen, in der Metropolregion leben etwa 2,4 Millionen Menschen. Damit überragt die schwedische Hauptstadt ihre skandinavischen Nachbarn Oslo und Kopenhagen bezüglich der Bevölkerungszahl. Insgesamt gibt es etwa 10 Millionen Menschen in ganz Schweden.
Die Hauptstadt Stockholm ist für Schweden das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Sowohl die Regierung als auch das Parlament haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Und auch die höchste Instanz der Judikative residiert in Stockholm: der Oberste Gerichtshof (Högsta domstolen) ist im Bondeschen Palais zuhause. Die Wirtschaft Schwedens hat sich im Laufe der Zeit von der industriellen Produktion mehr zu Dienstleistungsunternehmen und zu Hochtechnologiefirmen hin verschoben. So sind etwa Ericsson, Electrolux oder AstraZeneca in der Region ansässig.
Stockholm ist auch von zentraler Bedeutung hinsichtlich der Medien; hier haben der staatliche Rundfunk und das öffentlich-rechtliche Fernsehen Sveriges Television AB (SVT) ihren Sitz sowie viele überregionale Zeitungen. Neben vielen großen Banken gibt es in Stockholm auch eine Börse und eine Messe.
Zur Karte von Stockholm: © Google Maps.
Der internationale Flughafen Arlanda befindet sich ebenfalls in Stockholm, allerdings etwa 40 Kilometer nördlich der Stadt. Der Öffentliche Personennahverkehr wird von S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen und einem gut und neu ausgebauten U-Bahnnetz (tunnelbana, T-Bana) getragen. die Nahverkehrsgesellschaft ist die AB Storstockholms Lokaltrafik, kurz SL. Sie betreibt den gesamten Nahverkehr in der län (Region) Stockholm.
Mit der Königlichen Oper (Kungliga Operan), dem Königlichen Dramatischen Theater (Dramaten), dem Stadttheater oder dem Tanztheater sowie dem Konzerthaus (Konserthus), der Spielstätte des Königlich Philharmonischen Orchesters, ist die schwedische Hauptstadt auch kulturell gut aufgestellt. Stockholm bietet auch eine ganze Reihe bedeutender Kunst- und anderer Museen, so das Museum für Moderne Kunst, das Nationalmuseum, das Ethnografische Museum, das Nordische Museum, das Technische Museum, das Vasa-Museum, das ABBA-Museum u.v.a.
Bild oben: der Löwe ist das Symbol der Kommune Stockholm; er findet sich an vielen Stellen im Stadtbild, z.B. am Königlichen Schloss, am Parlamentsgebäude usw. Der Löwe ist ein Symbol für Mut, Macht und Stärke. Diese Löwenfiguren sind den Medici-Löwen an der Villa Medici in Rom nachempfunden. Nach einem Anschlag auf Fußgänger in der Drottninggatan 2017 mit einem Auto wurden dort und an weiteren Stellen in der Innenstadt Betonlöwen aufgestellt, die als Terror-Poller wirken. Entworfen hat sie der schwedische Künstler Anders Årfelt. Hier ein Löwenrudel in der Klaraberggatan gegenüber dem Kaufhaus Åhléns City.
Stockholm – Ansichten




Bilder oben: Blick von den Anhöhen von Södermalm (Aussichtspfad Monteliusvägen) auf Riddarfjärden, die östliche Bucht des Mälaren mit dem sich nördlich anschließenden Stadtteil Kungsholmen; letzte beide Bilder: das Stockholmer Rathaus (Stadshus) im Jahr 2002 und 2026 – heute ragen im Hintergrund die Wohntürme Norra Tornen (Nordtürme) des Architekturbüros OMA von Rem Koolhaas auf.


Bild oben: Blick von der Aussichtsplattform des Rathauses aus auf die Inseln Riddarholmen und (dahinter) Stadsholmen, auf denen beiden sich die Altstadt (Gamla Stan) befindet (Aufnahme vom Mai 2002). Der weiße Rundturm im Vordergrund ist der als Teil einer Befestigungsanlage im 16. Jahrhundert erbaute „Birger Jarl-Turm“, der – ursprünglich zwei Stockwerke hoch und mit Zinnen versehen – Ende des 16. Jahrhunderts aufgestockt und mit einem Dach versehen wurde.


Bild oben: Blick von der Aussichtsplattform des Rathauses auf die Zentralbrücke (Central bron) und die Vasabrücke (Vasa bron) sowie das winzige Inselchen Strömsborg und die Insel Helgeandsholmen, auf der sich das Parlamentsgebäude und das Mittelaltermuseum befinden. Im Hintergrund das Nordische Museum, das Vasa-Museum und rechts im Bild das monumentale Königliche Schloss. (Aufnahme: Mai 2002).





Bilder oben: da Stockholm auf Inseln erbaut wurde, ist in allen zentralen Stadtteilen nie das Ufer weit, an dem kleinere und größere Schiffe ankern. Hier die Königliche Dänische Yacht „Dannebrog“ und die Königliche Norwegische Yacht „Norge“, ein Hotel- und Restaurant-Schiff („Mälardrottningen“ = Mälar-Königin) sowie Kreuzfahrtschiffe am Kai in Södermalm (Viking Terminalen Stadsgården).




Bilder oben: Impressionen aus der Stadt: das Rathaus (Stadshus), Wohngebäude an der Straße Norr Mälarstrand, ein Zeitungsladen an der Odengatan und ein Schwan im Riddarfjärden nahe der Westbrücke (Västerbron).









Bilder oben: mondäne Bank-, Hotel- und Wohnpaläste sowie Schiffsanlegestellen an der Straße Södra Blasieholmshamnen und am Strandvägen.
Stockholm – eine kurze Stadt(bau)geschichte
Für die Formulierung des nachfolgenden Textes wurde vor allem das Buch „Kleine Geschichte Stockholms“ von Inge Bohn benutzt (Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2008); außerdem verwendet wurde unter anderem das Buch „Architekturführer Stockholm“ von Dr. Cordia Momberg (DOM publishers, Berlin, 2021).
Lage der Stadt – die Anfänge
In geologischen Zeiträumen gedacht stellt sich die Topografie des heutigen Besiedelungsgebiets der Stadt noch nicht lange so dar wie wir es heute wahrnehmen können: nach der letzten Eiszeit (die vor ca. 12 Tausend Jahren endete) wurde durch das Abschmelzen der Gletscher die Landmasse entlastet; sie hat sich dadurch über Jahrtausende um Hunderte Meter gehoben (skandinavische Landhebung). Noch heute steigen Schweden, Norwegen und Finnland jedes Jahr um einige Millimeter an.
Ursprünglich von Wasser bedeckte Bereiche oder Inselspitzen sind zwischenzeitlich aufgetaucht und die Innenstadt Stockholms verteilt sich heute auf insgesamt 14 Inseln, die durch mehrere Dutzend Brücken (genau: 53, oder 57?) miteinander verbunden sind. Durch die Landhebung wurde auch das Wasser des Mälarsees (schwedisch: Mälaren) von der Ostsee getrennt, die Stadt befindet sich jetzt im Seeausfluss aus dem Mälarsee, dem Riddarfjärden, in die Ostsee. Hier liegen östlich vor der Stadt etwa 24 Tausend größere und kleinere Inseln, die man zusammenfassend als den Schärengarten Stockholms (Skärgården) bezeichnet. Mälaren selbst erstreckt sich über Hundert Kilometer landeinwärts. Und mitten in Stockholm gibt es eine Schleuse (Slussen), welche das Süßwasser von Mälaren vom Salzwasser der Ostsee trennt. Sie wurde in den Jahren 1637 bis 1642 angelegt und bändigte auch den Söderström, sodass eine gute Durchfahrt von Mälaren zur Ostsee möglich wurde. Die Schleusenanlage wurde immer mal wieder umgebaut; aktuell (2026) läuft wieder eine größere Umgestaltung, die 2027 abgeschlossen sein soll. Der nördliche Teil des Riddarfjärden, der Norrström, umfließt die Insel Helgeandsholmen.
Bild oben: Blick auf die Schleusenanlage von der Aussichtsplattform des Rathauses aus; Zustand im Mai 2002, vor den massiven Umbauarbeiten ab 2016. Im Vordergrund links Riddarholmen mit der Riddarholmskyrkan und dem Wrangelschen Palais (mit Rundtürmen), in Bildmitte die Straßenführung im Schleusenbereich und im Hintergrund der Stadtteil Södermalm mit der St. Katarina-Kirche.
Bilder oben: Umbauarbeiten an der Schleusenanlage; Blick von Södermalm Richtung Altstadt (Gamla Stan) und in Gegenrichtung (Zustand im April 2026)
Bilder oben: an der Uferseite auf Södermalm entstehen die so genannten „Mälar-Terrassen“.
Bilder oben: hier befindet sich auch der Katarina hissen (Katarina-Aufzug), der die Straßenebene am Schleusenplatz mit dem 38 Metern höher gelegenen Mosebacke-Platz auf Södermalm verbindet.
Aufgrund der sehr speziellen geografischen Lage besteht rund ein Drittel des Stadtgebiets von Stockholm aus Wasser, ein weiteres Drittel ist bewaldet und nur ein Drittel ist tatsächlich Siedlungsfläche.
Mit der beschriebenen Ortswahl haben sich die Gründer der Stadt eine strategisch durchaus relevante Stelle ausgesucht, kann man von hier aus doch den Zugang zum Mälarsee gut kontrollieren.
Der Name der Stadt bedeutet soviel wie „Pfahlinsel“ und bezieht sich wohl auf eine entsprechende Erwähnung in der Ynglinga-Saga des isländischen Dichters Snorre Sturlasson um das Jahr 1200. Der „Architekturführer Stockholm“ von Cordia Momberg (DOM publishers, Berlin, 2021) deutet den Stadtnamen anders, nämlich als „Lager auf der kleinen Insel“ (das schwedische stock bedeutet Lager und holm bedeutet „kleine Insel“). Auch die Interpretation als „Ansammlung kleiner Inseln“ wäre demnach möglich, denn das schwedische Wort stokker bedeutet Sammlung.
Gründung Stockholms durch Birger Jarl – Aufstieg durch die Hanse
Eine erste urkundliche Erwähnung in einem offiziellen Dokument, dem Schutzbrief eines Klosters, erfährt die Stadt im Jahr 1252, welches folglich als Gründungsjahr von Stockholm gefeiert wird. Eine erste Bebauung fand aufgrund von Ausgrabungen auf der Insel Helgeandsholmen statt; hier befindet sich heute das schwedische Parlament, der Reichstag. Die Stockholmer Altstadt (Gamla Stan) verteilt sich außerdem auf die Inseln Stadsholmen und Riddarholmen.
Als eigentlicher Begründer der Stadt wird in allen Quellen übereinstimmend Birger Magnusson von Bjälbo genannt; sein Adelstitel war Graf, in Schweden entspricht das dem Jarl; also war Birger Jarl der erste Regent der Stadt. Am Stadshuset gibt es ein Grabmal für Birger Jarl; dort ist er aber nicht beerdigt (sondern im Kloster Varnhem in der Provinz Västergötland). Bei der Stadtgründung wurde Birger Magnusson (nicht ganz uneigennützig) von der deutschen Hanse unterstützt, insbesondere von der Stadt Lübeck. Die Vertreter der Hanse hielten diesen Ort für besonders geeignet, als Handels- und Warenumschlagsplatz zu dienen. Birger Jarl ließ um 1250 eine Festung errichten, die später zur Burg Tre Kroner (Drei Kronen) ausgebaut wurde: die drei Kronen beziehen sich dabei auf die drei Königreiche Norrland, Svealand und Götaland. Noch heute trägt das Wappen des Königreichs Schweden drei Kronen (Schweden ist eine parlamentarische Monarchie).
Bilder oben: an der Ostfassade des Turms des Stockholmer Rathauses (Stadshus) befindet sich ein Kenotaph (Grabmal) für den Stadtgründer Birger Jarl; begraben ist er allerdings im Kloster Varnhem in der Provinz Västergötland.
Deutsche Einflüsse auf die Stadtentwicklung durch die Hanse
Besiedelt wurde zunächst vor allem die Insel Stadsholmen mit der heutigen Altstadt (Gamla Stan), später auch Riddarholmen und Helgeandsholmen. Die Stadt entwickelte sich um die Burg Tre Kroner rasch, insbesondere durch den Handel, der allerdings weitgehend von der deutschen Hanse kontrolliert wurde. Schon 1289 wurde Stockholm in einem Dokument als bevölkerungsreichste Stadt Schwedens bezeichnet. Der Zugehörigkeit zur Hanse geschuldet siedelten sich auch viele Deutsche in der Stadt an, welche von 1296 bis 1478 auch die Hälfte der Stadtratsposten besetzten. In der Stadt wurde viel Deutsch gesprochen. Ein ehemaliges Gildehaus auf Stadsholmen wurde im 16. Jahrhundert zu einer Kirche ausgebaut, der Deutschen Kirche (Tyska kyrkan), die der Hl. Gertrud geweiht war. Bald reichte der Raum aber nicht mehr aus und so wurde in den Jahren 1639 bis 1643 vom Baumeister Hans Jakob Kistler ein Neubau geschaffen. Bei einem Brand Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kirchturm zerstört und anschließend in veränderter Form wieder aufgebaut. Detailliertere Informationen zur Deutschen Kirche auf der Seite Stockholm-Kirchen.
Bilder oben: in den engen Gassen der Atstadt (Gamla Stan) auf Stadsholmen. Ebenfalls in dichter Bebauung befindet sich die Deutsche Kirche (Tyska kyrkan) St. Gertrud.
Die Stadt wuchs und Ende des 16. Jahrhunderts während der Herrschaft von Gustav Vasa lebten hier schon knapp 10 Tausend Menschen, Ende des 17. Jahrhunderts waren es 50 Tausend und ein Jahrhundert später 75 Tausend.
Die mittelalterliche Stadt Gamla Stan bestand zunächst hauptsächlich aus Holzhäusern und organisch gewachsenen schmalen Gassen, die zu den Schiffsanlegestellen am Ufer führten. Nach einem großen Brand 1625 wurde vor allem im Westen der Insel Stadsholmen ein regelmäßiges und großzügigeres Straßennetz angelegt, die Parzellen wurden neu vermessen und rechtwinklig gestaltet; die abgebrannten Holzhäuser wurden nun durch solche aus Stein ersetzt. Neu angelegt wurden die gerade verlaufenden und breiten Straßen Stora und Lilla Nygata; auch die Prachtstraße Skeppsbron am Kai entlang entstand neu. Zentraler Platz der Altstadt wurde der Stortorget (Großer Platz); an ihm entstand auch ein Rathaus und eine Kirche. Das Ursprungsgebäude stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, das aktuelle entstand ab dem Jahr 1306 und wurde später zur Nikolaikirche (der Storkyrkan, der Großen Kirche / Domkirche) ausgebaut. Detailliertere Informationen zum Stockholmer Dom auf der Seite Stockholm-Kirchen. Auch auf Norrmalm und Södermalm wurden alte Häuser abgerissen und neue Hauptstraßen angelegt.
Bilder oben: die Storkyrkan, der Stockholmer Dom, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss. Das Äußere erscheint in barockem Stil, während der Innenraum von der Gotik bestimmt ist.
Die Zugehörigkeit zur Hanse vom 13. bis zum 17. Jahrhundert machte Stockholm zu einem wichtigen Handelsplatz für den Export und Import von Waren. Eingeführt wurde zum Beispiel Salz (zum Konservieren von Fisch und Fleisch), ausgeführt wurden die so erzeugten Trockenfische, aber auch Holz, Pelze oder Eisenerz aus den mit deutscher Hilfe erschlossenen Bergbaugebieten nördlich von Mälaren.
Stortorget (Großer Platz)
So groß ist der „Große Platz“ in Stockholm gar nicht, aber er gehört wohl zu den ältesten Plätzen der Stadt, denn er ist bei deren Gründung entstanden, also um das Jahr 1200. Die Randbebauung hat sich in den Jahrhunderten seitdem stark verändert. Heute noch vorhanden sind die zum Teil im Stil der deutsch-niederländischen Renaissance im 16. und 17. Jahrhundert errichteten Bürgerhäuser (etwa das Schantzka huset von 1650 oder das Seyfritzka huset von 1520). Auch das ursprüngliche Gebäude der Stockholmer Börse, zwischen 1773 und 1778 von Carl Johan Cronstedt erbaut, säumt den Rand des Platzes.
Bild oben: Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert säumen den „Großen Platz“; ganz links im Bild das „Haus Schantz“ (Schantzka huset). Hier wohnte der königliche Sekretär von König Karl X. Gustav, Johan Eberhard Schantz.
Bilder oben: Randbebauung des „Großen Platzes“ (Stortorget).
Die „Kalmarer Union“ und schwedische Unabhängigkeit unter Gustav Vasa (König ab 1523)
Zwischen 1380 und 1523 standen die drei skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Dänemark im Rahmen der „Kalmarer Union“ unter der gemeinsamen Herrschaft der dänischen Königin Margarete I. und später ihrem Neffen Erich und in der zeitlichen Folge weiteren dänischen Königen. Im Jahr 1523 konnte der schwedische Adlige Gustav Eriksson den dänischen König Christian II. aus Schweden vertreiben; er wurde als Gustav Vasa auf dem schwedischen Reichstag am 6. Juni zum König gewählt. Der Tag der Wahl ist heute der schwedische Nationalfeiertag.
Mit der Wahl Gustav Vasas zum König wurde Stockholm zur Residenzstadt; der königliche Hof mit seinen vielen Bediensteten brauchte mehr Platz als auf Stadsholmen zur Verfügung stand. So kamen neue Gebäude auf Helgeandsholmen hinzu.
Gustav Vasa wollte auch die wirtschaftliche Vormachtstellung der katholischen Kirche zurückdrängen und unabhängig vom Papst werden. So leitete er erste Schritte zur Reformation ein. Die evangelisch-lutherische Kirche wurde nach einer Entscheidung des Reichstags 1527 quasi Staatskirche. Etwa ein Fünftel des Grundbesitzes war in der Hand der katholischen Kirche; die Enteignung dieser Besitztümer und die Umleitung bisheriger kirchlicher Einkünfte an das Königshaus brachte Gustav Vasa in eine wirtschaftlich recht komfortable Situation.
Zusammen mit dem dänischen König Christian III. drängte Gustav Vasa auch den Einfluss der deutschen Hanse zurück und sorgte für die Unabhängigkeit der schwedischen Häfen.
Gustav Vasa konnte auch eine Verfassungsänderung durchsetzen, nach welcher der König nicht mehr gewählt wurde, sondern sich das Königsrecht vererbte (Erbmonarchie). Gustav Vasa blieb bis zu seinem Tod 1560 König von Schweden.
Zu den Bildern: eine Statue von König Gustav I. Vasa (1496 – 1560) befindet sich im Nationalmuseum; wie eine Infotafel verrät, wurde die Figur aus Eiche von Carl Milles geschaffen und von seiner Frau Olga bemalt. Die Inschrift „WARER SVENSKE“ („Sei Schwedisch“) stammt aus einem Gedicht von Daniel Fallström. Gustav Vasa wurde am 6. Juni 1523 zum König von Schweden gewählt. Der 6. Juni ist seitdem schwedischer Nationalfeiertag.
Schweden im 30-jährigen Krieg
Im 30-jährigen Krieg (1618-48), in den Schweden 1630 unter Gustav Adolf II. eintrat (er war König von 1611 bis 1632), ging es für das Land einerseits um die Verteidigung des Protestantismus in Nordeuropa gegen die katholische Liga, zum anderen verfolgte der König aber auch wirtschaftliche und strategische bzw. machtpolitische Ziele: die schwedische Vorherrschaft über den Ostseeraum sollte abgesichert werden.
Die zunächst als Konfessionskrieg begonnenen militärischen Auseinandersetzungen entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem Krieg um die Vormachtstellung in Europa mit Millionen von Opfern und verwüsteten Landstrichen. Obwohl Schweden auch Niederlagen hinnehmen musste (so starb König Gustav Adolf II bei der Schlacht von Lützen 1632 und das schwedische Heer unterlag den kaiserlichen Truppen bei der Schlacht von Nördlingen 1634), konnten doch beim Friedensschluss 1648 (mit dem Westfälischen Frieden) viele der gesteckten Ziele Schwedens auch festgeschrieben werden.
Unter der Herrschaft des „Kriegskönigs“ Gustav Adolf II. wurde als ein Prestigeprojekt auch die Galeone „Vasa“ gebaut. Aufgrund von Konstruktionsmängeln (wegen eines zweiten Kanonendecks lag der Schwerpunkt des Schiffes zu weit oben) sank das pompös mit Figuren geschmückte Schiff bereits bei seiner Jungfernfahrt am 10. August 1628. 330 Jahre später wurde das Schiff gehoben, restauriert und konserviert und bildet seitdem das Hauptausstellungsstück im stark frequentierten Stockholmer Vasa-Museum.
Am Gustav Adolf Torg gibt es ein Reiterstandbild des Königs.


Zu den Bildern: Reiterstandbild von König Gustav Adolf II. am Gustav Adolf Torg (Gustav-Adolf-Platz); auf einer Infotafel am Standbild kann man lesen, dass es sich bei dem Monument um das erste Reiterstandbild Schwedens handelt. Ursprünglich wurde es 1757, 25 Jahre nach dem Tod des Königs, vom Schwedischen Reichstag beim Bildhauer Pierre Hubert L’Archevêque in Auftrag gegeben. Den ersten Entwurf lehnte der Reichstag dann allerdings ab und ließ eine neue Statue errichten. Erst 1779 erfolgte schließlich der Bronzeguss. Allerdings war die Ausführung nicht fehlerlos und so musste das Standbild nachgearbeitet werden. Endgültig aufgestellt wurde das Reiterstandbild dann 1796. Die Figuren zu Füßen des Reiters an der Plinthe wurden von Johan Tobias Sergel geschaffen, einem Schüler von L’Archevêque.
Bilder oben: das Reiterstandbild von König Gustav Adolf II. am Gustav Adolf Torg.
Regierungsgebäude am Gustav Adolf Torg
Am nach Gustav Adolf II. benannten Platz befindet sich auch der Sitz des schwedischen Außenministeriums (Utrikes Departementet). Es nutzt seit 1906 einen von Erik Palmstedt entworfenen und in den Jahren 1783 bis 1794 im Stil des französischen Klassizismus erbauten Privatpalast, der später von Prinzessin Sophia Albertina, Schwester von König Gustav III gekauft und genutzt wurde. Sie wohnte bis zu ihrem Tod 1829 hier und überließ das Gebäude dann der königlichen Familie. Es ist als Arvfurstens Palats (Palast des Erbfürsten) bekannt. 1902 ging das Anwesen in den Besitz des schwedischen Staates über, der die Räumlichkeiten zu Büros für Regierungsbehörden umbaute; seit 1906 ist hier (u.a.) das Außenministerium ansässig.
Unter Architekt Ivar Tengbom wurde das Gebäude in den Jahren 1948 bis 1952 restauriert / renoviert.
Das Gebäude Gustav Adolf torg 23 wurde 1914 von Architekt Erik Josephson für die Skandinavische Bank erbaut. Heute ist es Sitz des schwedischen Verteidigungsministeriums (Försvarsdepartementet).
Bild oben: der „Palast des Erbprinzen“ am Gustav Adolf torg, in dem das schwedische Außenministerium seinen Sitz hat; im Vordergrund fließt der Norrström. Das Gebäude links neben dem Außenministerium ist das Sagersche Palais; dies ist seit 1995 der Dienstsitz des Ministerpräsidenten. Ursprünglich ließen die Brüder Sager Ende des 19. Jahrhunderts ihr Haus im Stil des französischen Rokoko ausbauen. Es war bis 1986 in Familienbesitz und wurde dann vom Staat erworben.
Bilder oben: Baudetails des Erbprinzen-Palastes (Arvfurstens Palats); korinthische Säulen an der Fassade und das schwedische Wappen mit den drei Kronen. Die Inschrift lautet: „Sophia Albertina hat es gebaut“. Die Wahrheit ist aber vielmehr, dass es wohl Bauarbeiter waren…
Bilder oben: im ehemaligen Gebäude der „Skandinavischen Bank“ hat heute das schwedische Verteidigungsministerium (Försvarsdepartementet) seinen Sitz.
Weitere Regierungsbauten an der Strömgatan: Rosenbad und Sagersches Haus.


Bilder oben: die Regierungsgebäude an der Strömgatan.
Der Gebäudekomplex Rosenbad an der Strömgatan/Drottninggatan ist Sitz der schwedischen Regierung; er befindet sich somit gegenüber dem Parlamentsgebäude (Riksdagshuset) am nördlichen Ufer des Norrström. Der aus mehreren Baukörpern bestehende Block wurde von den Architekten Gustaf Wickmann, Aaron Johansson und Ferdinand Boberg errichtet und 1904 fertiggestellt. Früher befand sich hier ein Badehaus; nach ihm ist nun das Areal benannt. In den Jahren 2019-23 wurde der Gebäudekomplex unter Leitung der Nationalen Schwedischen Eigentumsbehörde (SFV) umfassend renoviert.
In Nachbarschaft zum Rosenbad an der Strömgatan befindet sich das Sagersche Haus, das direkt an den Erbfürstenpalast (Arvfurstens Palats) angrenzt. Hier hat der Schwedische Ministerpräsident seine Residenz. Auf der Seite der Nationales Eigentumsbehörde Schwedens: www.sfv.se/ kann man zu diesem Gebäude das Folgende lesen:
„Das Haus Sagerska (Sagersches Haus), die Residenz des Ministerpräsidenten in Strömmen / Baujahr: 1899–1901, Architekt: J.R.P. Litoux
Das Sagerska-Haus in Stockholm dient heute als offizieller Wohnsitz und offizieller Veranstaltungsort des schwedischen Ministerpräsidenten. Das Gebäude wurde in den 1990er Jahren von SFV renoviert, mit dem Ziel, seinen kulturhistorischen Wert zu bewahren und gleichzeitig die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Seit dem Frühjahr 1995 wird das Haus Sagerska als offizielle Residenz und Empfangsraum des schwedischen Ministerpräsidenten genutzt.
Das Haus wurde von Leo Sager der katholischen Kirche vermacht, mit dem Recht, dass seine Frau Vera es bis zu seinem Tod als Wohnsitz nutzen durfte. Vera Sager starb 1986. Der Staat erwarb das Grundstück 1988, um eine dauerhafte Sicherheitsresidenz und eine offizielle Wohnung für den schwedischen Ministerpräsidenten einzurichten. 1993 wurde das Nationale Eigentumsamt Schwedens mit der Durchführung einer Restaurierung und Modernisierung des Gebäudes beauftragt. Ziel war es, den kulturhistorischen Wert des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig die besonders hohen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Das Gebäude ist seit 1994 ein nationales denkmalgeschütztes Gebäude.“
Bilder oben: das Regierungsgebäude Rosenbad an der Strömgatan; über die Brücke (Riksbron) kommt man direkt zum Parlamentsgebäude; erstes Bild: im Hintergrund das Stockholmer Rathaus.
Bilder oben: Baudetails.
Schwedens „Großmachtzeit“, Stockholm wird Hauptstadt (1634)
Als Gustav Adolf II. 1632 bei der Schlacht von Lützen starb, übernahm sein Reichskanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und führte dessen Politik fort. Schweden war in dieser als „Stormaktstiden“ (Großmachtzeit) bezeichneten Epoche zur stärksten Macht in Nordeuropa aufgestiegen und die Bevölkerung Stockholms wuchs zwischen 1635 und 1685 von 15 Tausend auf 60 Tausend an.
Während der im 17. Jahrhundert geführten Kriege wurde ein großer Militärapparat aufgebaut und eine mächtige Ostseeflotte. Reichskanzler Oxenstierna optimierte dazu auch die öffentliche Verwaltung und führte zur Finanzierung der staatlichen Ausgaben ein System von Steuern sowie Zöllen im Außenhandel ein. Am Außenhandel teilnehmen durften nur Städte, die das Stapelrecht erhalten hatten. Dazu gehörte natürlich auch Stockholm. Die Ausstattung des Militärs gab vielen Werkstätten Arbeit und führte auch zur Neugründung von Manufakturen, von Werften oder Gießereien.
1634 wurde die Residenzstadt Stockholm offiziell die Hauptstadt Schwedens. In der Stadt wurde viel gebaut, so auch Verwaltungs-, Regierungs- und Repräsentationsbauten wie der Axel Oxenstierna-Palast (siehe weiter unten) den der Reichskanzler in Auftrag gegeben hatte, das Wrangelsche Palais (in dem heute das Apellationsgericht seinen Sitz hat; siehe weiter unten), das Riddarhuset (siehe weiter unten) für Veranstaltungen des schwedischen Adels, das Reichsbankgebäude (das heute zu den Parlamentsbauten gehört) und natürlich das Königliche Schloss (siehe weiter unten) dessen Bau sich (mit Pausen) von 1697 bis 1754 dahinzog und welches über 600 Räume umfasst. Er ersetzte einen Vorgängerbau, welcher 1697 bei einem Brand zerstört wurde. Die Baumeister dieser Zeit kamen z. T. auch aus dem Ausland, so waren etwa die Franzosen Simon und sein Sohn Jean de la Vallée bei den Bauplanungen tätig, ebenso der Deutsche Nicodemus Tessin. An Planung und Bau des Schlosses war zwischen 1690 und 1708 Nicodemus Tessin der Jüngere beteiligt, in der zweiten Phase von 1721 bis 1754 Carl Hårleman und Carl Johan Cronstedt.
Im Königlichen Schloss sind heute drei Museen untergebracht: das Antikenmuseum, die Schatzkammer und das Museum „Tre Kronor“ zur Schloss-Geschichte. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde so aus der vormals mittelalterlichen Stadt eine barocke Stadt, die sich auf viele Inseln ausgedehnt hatte.
Der Axel Oxenstierna-Palast
Bild oben: der Axel Oxenstierna-Palast befindet sich direkt neben der Storykrkan, der Stockholmer Domkirche.
Bilder oben: für den unter Gustav Adolf II. arbeitenden Reichskanzler Axel Oxenstierna, der nach dem Tod des Königs dessen Amtsgeschäfte übernahm, wurde nach den Plänen von Architekt Jean de la Vallée ab 1653 ein herrschaftliches Anwesen errichtet, Axel Oxenstiernas Palast. Das Gebäude wurde aber gar nicht mehr zu Lebzeiten des Reichskanzlers fertig und auch sein Sohn zog nie in das Haus ein. Vielmehr übernahm eine Bankgesellschaft das im Stil des römischen Manierismus gestaltete Palais 1668. Später nutzten unterschiedliche staatliche Institutionen das Haus.
Bilder oben: insgesamt umfasst das Gebäude fünf Stockwerke, wovon aber jedes zweite ein niedrigeres Zwischengeschoss (Mezzanin) ist.
Das Wrangelsche Palais
In diesem Gebäude auf der Insel Riddarholmen hat das Svea hovrätt, das größte von sechs solcher Gerichte in Schweden seinen Sitz. Es handelt sich um ein Appellationsgericht (Berufungsgericht) und wurde erstmals 1614 eingerichtet. Im jetzigen Gebäude, dem Wrangel’schen Palais, ist das Gericht seit 1756 untergebracht. Nachdem 1697 das Königliche Schloss abgebrannt war, wurde das Wrangelsche Palais für ein halbes Jahrhundert zum Wohnsitz der königlichen Familie.
Der Rundturm im Süden ist der älteste Gebäudeteil; er gehörte – zusammen mit dem „Birger Jarl-Turm“ (Birger Jarl torn) von 1530 – zu der unter Gustav Vasa Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Befestigungsanlage. In den Jahren 1652 bis 1670 wurde sie von Nicodemus Tessin dem Älteren für Feldmarschall Carl Gustav Wrangel zum Palast ausgebaut. Nach Bränden Ende des 17. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurden stets bauliche Veränderungen vorgenommen. Letzte Renovierungsarbeiten wurden 1985 durchgeführt.
Bild oben: der Birger Jarl-Turm ist nach dem Gründer Stockholms benannt; erbaut wurde er aber über 300 Jahre nach dessen Tod unter König Gustav Vasa als Teil einer Befestigungsanlage. Der Turm war ursprünglich mit dem Südturm des Wrangelschen Palais durch ein Gebäude verbunden.
Bilder oben: erstes Bild: Blick vom Wasser aus auf Riddarholmen mit dem Wrangelschen Palais (Gebäude mit den beiden Rundtürmen), den Birger Jarl-Turm (links) und den Turm der Riddarholmenkirche (Aufnahme vom Mai 2002). Zweites Bild: Blick von Södermalm aus: das Wrangelsche Palais befindet sich rechts im Bild, im Hintergrund in Bildmitte die Sta. Klara Kirche, rechts die Hochhäuser der Hötorg-City.
Bilder oben: das Wrangelsche Palais auf Riddarholmen ist heute Sitz des Appellationsgerichtes (Svea hofrätt).
Bilder oben: direkt neben dem Wrangelschen Palais steht Rosenhanes Palast (Rosenhaneska Palatset); das Gebäude wurde in den Jahren 1652 bis 1656 von Architekt Nicodemus Tessin dem Älteren für den Generalgouverneur Schering Rosenhane erbaut. Später, Ende des 18. Jahrhunderts, war es dann zeitweise das Haupthaus des Freimaurerordnes. In dieser Zeit kamen auch zwei Gebäudeflügel hinzu. Heute wird das Haus ebenfalls vom Appellationsgericht genutzt.
Das Riddarhuset (Ritterhaus) 1641 – 1674
Im Jahr 1626 unterzeichnete König Gustav II Adolf die so genannte „Ritterhausordnung“, die von seinem Reichskanzler Axel Oxenstierna ausgearbeitet worden war und welche die Stellung des Adels im politischen System regelte; damit verbunden war auch die Absicht, für den Adel und seine Treffen ein geeignetes Versammlungsgebäude zu errichten. Der Bau des Ritterhauses (Riddarhuset) zog sich dann über etliche Jahre (1641 bis 1672) hin und sein Baustil änderte sich je nach dem gerade zuständigen Architekten.
Der ursprüngliche Entwurf eines Palastes im Stil der französischen Renaissance stammt vom Franzosen Simon de la Vallée; der deutsche Steinmetz und Bildhauer Heinrich Wilhelm setzte dessen Arbeiten fort und gestaltete vor allem den Fassadenschmuck und die Fensterkonsolen. Vom niederländischen Architekten Joos Vingboons stammen u.a. die Sandsteinpilaster mit den aufwändig verzierten Kapitellen, welche die Fassade gliedern sowie die Blumenornamentik an der obersten Fensterreihe. Den stärksten Einfluss auf das heutige Aussehen des Gebäudes nahm schließlich Jean de la Vallée, der Sohn von Simon de la Vallée, der die Gestalt des Daches, der Portale und des Treppenhauses festlegte.
Bild oben: einer der beiden Pavillons, die Adolf W. Edelsvärd in 1870 dem Riddarhuset wasserseits hinzufügte; hier befindet sich auch eine Statue von Axel Oxenstiermna; im Hintergrund die Insel Strömsborg (links); Aufnahme vom Mai 2002.
Endgültig abgeschlossen waren die Bauarbeiten 1773, als straßenseitig die Bronzestatue von König Gustav I Vasa aufgestellt wurde. Eine größere bauliche Veränderung gab es 1870, als Architekt Adolf W. Edelsvärd wasserseits zwei Pavillons als frei stehende Bauten anfügte; im dadurch entstehenden Hof wurde eine Statue von Reichskanzler Axel Oxenstierna aufgestellt.
Auch heute noch versammeln sich alle drei Jahre die Angehörigen des schwedischen Adels im großen Rittersaal im ersten Obergeschoss des Gebäudes. Politischen Einfluss wie zu Zeiten von Gustav II. Adolf haben die Adeligen heute in der parlamentarischen Monarchie aber nicht mehr.
Bilder oben: das Riddarhuset, Versammlungshaus des schwedischen Adels.
Bilder oben: Hauptportal des Gebäudes; die Backstein-Fassade ist durch Sandsteinpilaster mit korinthischen Kapitellen gegliedert; im Dreiecksgiebel steht „Palatium Ordinis Equestris“, zu Deutsch „Palast des Ritterordens“. Vor dem Gebäude steht eine Bronzestatue von König Gustav I. Vasa.
Die Inschrift am Abschlussfries des Gebäudes lautet: CONSILIO ATQVE SAPIENTIA CLARIS MAIORVM EXEMPLIS ANIMIS ET FELICIBVS ARMIS; auf Deutsch: Mit Gedanken und Weisheit, dem leuchtenden Beispiel unserer Vorfahren folgend.
Das Königlichen Schloss (Kungliga slottet, 1697-1754)
Bild oben: auf der Skeppsholmsbron, der Brücke, welche die Insel Skeppsholmen nahe des Nationalmuseums mit Norrmalm verbindet, gibt es etwa in der Mitte am Brückengeländer eine vergoldete Königskrone. Von hier aus kann man ein Foto mit dem Königlichen Schloss im Hintergrund aufnehmen (und dann bei Instagram posten oder auf die Titelseite eines Stockholm-Reiseführers setzen).
Zum Bild: Infotafel am Schloss mit Lageplan der Anlage.
Der Bau des Schlosses zog sich (mit Pausen) über 57 Jahre von 1697 bis 1754 dahin; es umfasst über 600 Räume. Das Schlossgebäude ersetzt einen Vorgängerbau, welcher 1697 bei einem Brand zerstört wurde.
Die Baumeister dieser Zeit kamen z. T. auch aus dem Ausland, so waren etwa die Franzosen Simon und sein Sohn Jean de la Vallée bei den Bauplanungen tätig, ebenso der Deutsche Nicodemus Tessin der Jüngere und sein Sohn Carl Gustaf Tessin, der die Arbeiten nach dem Tod seines Vaters zusammen mit Carl Hårleman fortführte. Dieser wurde nach seinem Ableben von Carl Frederik Adelcrantz ersetzt. In der zweiten Phase von 1721 bis 1754 waren Carl Hårleman und Carl Johan Cronstedt tätig.
Im Königlichen Schloss sind heute drei Museen untergebracht: das Antikenmuseum, die Schatzkammer und das Museum „Tre Kronor“ zur Schloss-Geschichte. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde so aus der vormals mittelalterlichen Stadt eine barocke Stadt, die sich auf viele Inseln ausgedehnt hatte.
Das Schlossgebäude wird von der Königlichen Leibgarde (Livgardet) bewacht. Für Touristen ist der jeweils zur Mittagszeit stattfindende Wachwechsel eine Attraktion.
Zum Bild: Löwenfigur am „Löwenhügel“ (Lejonbacken) auf der Nordseite des Schlossgebäudes (Aufnahme vom Mai 2002). Der Löwe ist ein Symbol für Mut, Stärke und (königliche) Macht. Solche, den Medici-Löwen nachempfundene Figuren finden sind nicht nur am Schloss, sondern auch am Parlament und anderen Stellen in Stockholm. Der Löwe ist auch ein Symbol für die Kommune Stockholm; er findet sich auch im Großen Staatswappen Schwedens.
Bilder oben: Blick von der Carl Johans kyrka auf der Insel Skeppsholmen auf Stadsholmen mit der Stockholmer Altstadt (Gamla stan) mit den Türmen der Tyska kyrka (Deutsche Kirche) und der Storkyrka (Domkirche) sowie dem mächtigen Gebäude des Königlichen Schlosses.
Bilder oben: Blick von der Skeppsholmsbron und von der Oper aus (letztes Bild) auf das Königliche Schloss.
Bilder oben: Ost- und Nordfassade des Königlichen Schlosses.
Bilder oben: die Ostfassade des Barockschlosses zeigt aufwändigen Fassadenschmuck: Rustizierungen am Sockelgeschoss, Fensterverdachungen, Pilaster mit ionischen Kapitellen, einen Abschlussfries und eine als Balustrade gestalteten Attika.
Bilder oben: der Schlosshügel mit dem Schloss links im Bild; im Hintergrund das Nationalmuseum; zweites Bild: der westliche Schlosshof (Yttre borggården = äußerer Burghof) mit einem der beiden viertelkreisförmigen Seitenflügel (Högvaktsflygeln = Ehrengardeflügel).
Bilder oben: auch die Westfassade des Schlosses ist aufwändig geschmückt mit Rustizierungen am Erdgeschoss, einem Fries als Abschluss jedes Stockwerks, Pilastern mit korinthischen Kapitellen und Karyatiden am mittleren Geschoss.
Bilder oben: auf dem Schlosshügel (Slottsbacken) im Süden des Gebäudes befindet sich ein Reiterstandbild von König Karl XIV.
Bilder oben: die Palastwache am Schloss.
Bilder oben: Blick vom obersten Stockwerk im Treppenhaus des Nationalmuseums auf das Königliche Schloss.
Das Königliche Schloss ist der offizielle Arbeitsplatz des Königs; hier empfängt er Staatsgäste, hält Zeremonien ab und nimmt andere offizielle Angelegenheiten wahr. Das Schloss ist aber nicht der Wohnsitz der königlichen Familie; sie wohnt tatsächlich im Schloss Drottningholm, etwa 10 km westlich von Stockholm. Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel leben im Haga-Schloss nördlich der Stadt.
Auf der Website des Schlosses kann man dazu das Folgende lesen:
(…) „Wesentliche Teile der Repräsentation der Monarchie finden hier statt, während gleichzeitig große Teile des Schlosses ganzjährig geöffnet sind. Das Schloss ist Arbeitsplatz für das Königspaar und für die Ämter, die mit dem Königlichen Hof verbunden sind. Das Königliche Schloss ist eine Mischung aus königlicher Residenz, einem Arbeitsplatz und einem historisch-kulturellen Denkmal, das den Besuchern das ganze Jahr über offensteht.
(…) Das Schloss verfügt über mehr als 600 Zimmer auf elf Etagen, mit Paradezimmern Richtung Stadt und kleineren Wohnräumen Richtung Innenhof. Hier gibt es viele Sehenswürdigkeiten: die Schatzkammer mit den Reichs-Insignien, das Museum Tre Kronor, das über die mittelalterliche Geschichte des Schlosses erzählt und nicht zuletzt die Empfangszimmer mit den pompösen Paradezimmern.“ (…)
Zum Bild: Wachposten der Livgarde am Königlichen Schloss; Aufnahme von Mai 2002. Heute trägt die Garde eine andere Uniform.
Der Tessin-Palast (Tessinska palatset) am Schlosshügel
Am Schlosshügel (Slottsbacken) unmittelbar neben dem mächtigen Gebäude des Königlichen Schlosses befindet sich der Tessin-Palast (Tessinska palatset). Das barocke Stadthaus wurde zwischen 1694 und 1700 von Nikodemus Tessin dem Jüngeren (von dem auch die Pläne für den Bau des Schlosses stammen) geplant und gebaut. Es war als Residenz für sich und seine Familie gedacht. Nicht einsehbar vom Vorplatz aus ist die barocke Gartenanlage im Innenhof hinter dem Gebäude.
Seit 1968 residiert hier der Gouverneur der Region Stockholm (der Stockholmer läns), in den vornehmen Räumlichkeiten ist also die Stockholmer Bezirksverwaltung (Länsstyrelsen) untergebracht.
Bilder oben: Nikodemus Tessin der Jüngere baute direkt neben dem Königlichen Schloss eine Privatresidenz; so hatte er es nicht weit zur Baustelle des Schlosses, das ebenfalls von ihm geplant wurde.
Bilder oben: Baudekor im Eingangsbereich.
Entwicklung Stockholms unter König Gustav III.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts (1713/14) sorgte eine katastrophale Pestepidemie für eine starke Dezimierung der Bevölkerung Stockholms: 22 Tausend von 55 Tausend Menschen kamen ums Leben.
1771 wurde Gustav III. König von Schweden. Er förderte v.a. die Kunst, die Wissenschaft und die Kultur. Wirtschaftlich ging es dem Land, auch aufgrund mehrerer Missernten, aber nicht so gut. Die Reformen, welche der König anstieß, standen in der Tradition der Aufklärung: in dieser Zeit wurde das neue Opernhaus gebaut (schon 10 Jahre später, 1892, wurde es aber wieder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt). Auch die Anlage des Hagapark im Stil eines Englischen Landschaftsparks geschah unter der Regentschaft von Gustav III.
Ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung der Naturwissenschaften war die Gründung der Schwedischen Wissenschaftsakademie (Kungliga Svenska Vetenskapakademien) mit dem ersten Vorsitzenden Carl von Linné, dem Begründer des biologischen Nomenklatursystems für die Bezeichnung der Arten (siehe dazu nebenstehendes Bild: im Parkgelände Humlegården bei der Könglichen Bibliothek steht dieses Standbild von Linné). Die Akademie war mit dem Ziel gegründet worden, einerseits die Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zu fördern und andererseits deren praktische Anwendung zu unterstützen.
Auch die Literaturakademie wurde jetzt initiiert, ebenso wie die Königliche Musikalische Akademie und die Akademie zur Pflege der norwegischen Sprache und Literatur (von ihr werden heute die jährlichen Literatur-Nobelpreise vergeben).
Kungsträdgården (Königsgarten)
Dieser kleine und zentrumsnahe Park wurde im 14. Jahrhundert für den Hof angelegt und erst unter König Gustav III. Ende des 18. Jahrhunderts auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Anlage umfasst auch ein großes Wasserbecken. Hier kann man im Winter Eislaufen und im Frühjahr lässt einen die intensive Kirschblüte vergessen, dass man gar nicht in Japan ist.
Bilder oben: der Kungsträdgården (Königsgarten) wurde unter König Gustav III. auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Besonders attraktiv ist die Anlage während der Zeit der Kirschblüte im Frühling. Im Hintergrund die Kirche St. Jacob neben der Königlichen Oper.
Bilder oben: Kirschblüte im Kungsträdgården; im Hintergrund das Kaufhaus NK.
Bilder oben: am Kungsträdgården vorbei führt die Kungsträdgårdsgatan mit einer breiten Allee.
Bilder oben: Standbild von König Karl XII. im Königsgarten.
Spätes 18. Jahrhundert
In den Jahren 1773 bis 1778 wurde am Stortorget von Carl Johan Cronstedt im Stil des französischen Klassizismus das Gebäude für die Stockholmer Börse errichtet; seit 2001 befindet sich in Räumen im Obergeschoss das Nobelmuseum (Nobel Prize Museum). Auch die Nobel-Bibliothek ist im Haus untergebracht; zudem ist hier der Sitz der Schwedischen Akademie, der höchsten Sprachautorität im Land; ihre Mitglieder sind für die Auswahl der Preisträger des Nobelpreises für Literatur zuständig.
Im Pressebereich erschien in Stockholm ab 1769 die erste Tageszeitung; das „Aftonbladet“ wurde erst ab 1830 herausgegeben. Später folgten die Blätter Dagens Nyheter, das Svenska Dagbladet, das Svenska Morgonbladet und Expressen.
Die soziale Lage in den zunehmend verdichteten Stadtvierteln Stockholms war aber sehr schlecht, insbesondere, was die Trinkwasserversorgung, die sanitären Einrichtungen und die Abwasserentsorgung anbelangte.
Gustav III. wurde 1792 im Zuge einer Verschwörung von Teilen des Adels ermordet.
Die ehemalige Stockholmer Börse
Bilder oben: im ehemaligen Gebäude der Stockholmer Börse, das zwischen 1773 und 1778 errichtet wurde, befinden sich heute im Obergeschoss das Nobel-Museum und die Nobel-Bibliothek; zudem ist hier der Sitz der Schwedischen Akademie, der höchsten Sprachautorität im Land; ihre Mitglieder sind für die Auswahl der Preisträger des Nobelpreises für Literatur zuständig.
Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
1818 wurde Karl XIV. Johan König von Schweden. 1834 suchte eine katastrophale Cholera-Epidemie die schwedische Hauptstadt heim, der 3000 Bürger zum Opfer fielen. Ursache für diese und sich wiederholende Epidemien ab der Mitte des 19. Jahrhunderts waren sicher auch die oben erwähnten schlechten hygienischen und sanitären Verhältnisse in der Stadt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten längere Phasen des Friedens und eine verbesserte landwirtschaftliche Versorgung (unterstützt durch den neu eingeführten Anbau von Kartoffeln) zu einem starken Bevölkerungswachstum, insbesondere in den Stadtteilen Norrmalm und Östermalm. Etliche bisherige Umlandgemeinden wurden nun in die Stadt integriert, so Brännkyrka oder Bromma.
Landstingshuset, 1834, 1971
Das Landstingshuset im Stockholmer Stadtteil Kungsholmen ist ein Verwaltungs- und Regierungsgebäude des Bezirks (der Region) Stockholm (Län).
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Verwaltungsbau der Region Stockholm; die Regionsverwaltung ist dabei v.a. für die Öffentliche Gesundheitsversorgung zuständig, zudem für den Öffentlichen Nahverkehr. Auch die Regionalentwicklung gehört zu ihren Aufgaben. Während die Stadt Stockholm sich ursprünglich separat verwaltete, wurde sie in den 1960er Jahren in die Verwaltung der ganzen Region integriert. Jetzt haben Regionalrat (die Regionalregierung) und die Regionalverwaltung ihren Sitz in diesem Gebäude.
Das Gebäude wurde in den Jahren 1816 bis 1834 von Carl Christoffer Gjörwell ursprünglich als Garnisonskrankenhaus (Garnisonssjukhuset) im neoklassizistischen Stil errichtet; es befindet sich in einem ausgedehnten Parkgelände, in dem noch weitere Begleitgebäude des ehemaligen Krankenhauses (später Garret Hospital) stehen und die jetzt auch von der Regionalverwaltung u.a. als Büros genutzt werden.
Nachdem entschieden war, das ehemalige Hospital für die Regionalverwaltung zu nutzen, fanden in den Jahren 1970/71 umfangreiche Umbau-, Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten statt, um das Haus für die neuen Aufgaben fit zu machen. So wurde unter der Terrasse im Süden ein Plenarsaal eingebaut.
Zum Bild: auf einer Infotafel am Eingang des Geländes gibt es einen Lageplan, auf dem die verschiedenen Gebäude dargestellt sind.
Bilder oben: in einem ehemaligen Krankenhaus ist seit 1971 die Regionalverwaltung der Region Stockholm hier ansässig.
Bilder oben: beim Umbau des ehemaligen Hospitals zum Landstinghuset wurde unterhalb der Terrasse ein Plenarsaal eingebaut.
Industrialisierung und Ausbau der Infrastruktur und des Nahverkehrs
Verstärkt ab 1850 setzte sich auch in Schweden die Industrialisierung durch, verbunden mit der Gründung vieler neuer Firmen. Begleitend dazu wurde auch die Infrastruktur verbessert und modernisiert: 1854 eröffnete das erste schwedische Gaswerk (Beleuchtung von Straßen und Gebäuden), 1861 wurde das städtische Wasserleitungsnetz in Betrieb genommen. Der neu Hauptbahnhof Stockholms (Stockholm Central oder kurz: Stockholm C) wurde 1871 in Betrieb genommen; er wurde später auch zur Zentrale für das wachsende U-Bahn-Netz.
Ab 1877 fuhren die ersten Straßenbahnen, zunächst mit von Pferden gezogenen Wagen; elektrifiziert wurde ab 1901. Die zunächst privaten Bahnunternehmen wurden 1920 als AB Stockholms Spårvägar zusammengeführt und verstaatlicht. (Heute firmiert die Stockholmer Nahverkehrsgesellschaft unter der Bezeichnung AB Storstockholms Lokaltrafik, kurz SL).
Später wurde auch ein umfassendes Busliniennetz aufgebaut. Eine erste U-Bahn verkehrte ab 1950, die Straßenbahnen wurden ab 1967 wieder weitgehend stillgelegt. In diesem Jahr stieg Schweden auch vom Links- auf den Rechtsverkehr um.
Detaillierte Informationen zur Verkehrs-Infrastruktur, zum Hauptbahnhof sowie zum Bahn- und Busnetz gibt es auf der Seite Stockholm – Verkehr.
Bild oben: Eingangshalle des Stockholmer Hauptbahnhofs.
Ausbau des kulturellen Angebots
Zwischen 1846 und 1866 wurde gegenüber dem Königlichen Schloss das Nationalmuseum errichtet. Näheres dazu auf der Seite Stockholm – Museen.
Ein erstes Kino eröffnete in Stockholm 1897 im Rahmen der Weltausstellung. Der Vergnügungspark Gröna Lund (auf Deutsch: Grüner Hain) öffnete auf Djurgården 1883 seine Tore und das Freilichtmuseum Skansen wurde 1891 eingeweiht. Der Gründer der Einrichtung wollte damit vor allem die schwedische Volkskultur bei fortschreitender Industrialisierung erhalten.
Bilder oben: Blick vom Vasa-Museum auf den Vergnügungspark Gröna Lund; er eröffnete 1883 und zieht auch heute noch jedes Jahr mehr als eine Million Besucher/innen an.
Stockholm bekommt eine Markthalle (1888) – Saluhall am Östermalmstorg (auch: Östermalmshallen)
Die erst in neuester Zeit renovierte Markthalle wurde in nur 6-monatiger Bauzeit Ende des Jahres 1888 eröffnet; hier gibt es ein sehr reichhaltiges kulinarisches Angebot an den Lebensmittelständen und den gastronomischen Einrichtungen.
Zitat aus dem „Architekturführer Oslo“ von Cordia Momberg, DOM pusblishers, Berlin, 2021: „Bereits bei der Eröffnung im Jahr 1888 verfügte die Markthalle, eine komplexe und filigrane Gusseisenkonstruktion, über elektrische Beleuchtung. Durch seine Säulen, die verglasten Dachpartien und den Eckturm am Eingang hat der im südwestlichen Bereich des Platzes Östermalmstorg gelegene Ziegelbau der Saluhallen ein burgartiges Erscheinungsbild; der hohe, luftige Innenraum erinnert dagegen an eine Orangerie. Die damals jungen Architekten Clason und Salin hatten sich auf Studienreisen durch Norddeutschland, Frankreich und Italien zu diesem Entwurf inspirieren lassen.“ (Renovierung 2013-2016 durch Tengbom arkitektkontor).
Auf der Website ostermalmshallen.se kann man zur Entstehungsgeschichte der Einrichtung das Folgende lesen: „Alles begann im Frühjahr 1888. Die neu gegründete Firma Östermalms Saluhallar AB beauftragte die Architekten Isak Gustaf Clason und Kasper Salin mit dem Entwurf einer Food Hall im Herzen Stockholms. Mit 32 Jahren befanden sich beide noch in einem Frühstadium ihrer Karrieren, nachdem sie gerade von Stipendienreisen nach Norddeutschland, Italien und Frankreich zurückgekehrt waren. Sie waren fasziniert von der französischen Backsteinarchitektur und den monumentalen gusseisernen Bauwerken jener Zeit – insbesondere vom Eiffelturm, der 1886 eingeweiht wurde. Schauen Sie beim nächsten Besuch an die Decke, und Sie werden die Inspiration sehen.“
Zum Bild: die in Gusseisentechnik kunstvoll gestaltete Tragkonstruktion der Halle.
Bilder oben: an der Nordostecke der Saluhall am Östermalmstorg ragt ein Turm auf.
Bilder oben: Blick in die Markthalle mit ihren Verkaufs- und Imbiss-Ständen.
Bilder oben: Gusseiserne Stützen und Träger halten das Hallendach.
Das Norstedt-Verlagshaus (Norstedts huset), 1889
Der Norstedt-Verlag (Norstedts Förlag) geht auf Per Adolf Norstedt zurück, der Anfang des 19. Jahrhunderts eine Druckerei gründete. Unter seinen Söhnen Adolf und Carl erhielt dann das Verlagsgeschäft gegenüber dem Druck vorrangige Bedeutung. Heute ist Norstedt einer der größten schwedischen Verlage.
Das burgartige Norstedt-Gebäude auf der Insel Riddarholmen mit seinem markanten Eckturm wurde in den Jahren 1882 bis 1889 erbaut; jetzt konnten hier Verlag, Druckerei und die Buchproduktion untergebracht werden. In den Jahren 1991 bis 1994 wurde das Haus einer umfangreichen Renovierung unterzogen.
Bilder oben: das wie eine Burg erscheinende Norstedt-Verlagshaus befindet sich auf der Insel Riddarholmen; im Vordergrund die Centralbron (Zentralbrücke) und daneben das Gebäude des Alter Reicharchivs.
Bilder oben: das Verlagsgebäude Norstedt; die Fassade des ersten Geschosses ist als Bossenwerk ausgearbeitet.
Das Alte Nationalarchiv/Reichsarchiv (Gamla Riksarkivet), 1890
Neben dem Gebäude des Norstedt-Verlagshauses befindet sich auf Riddarholmen das architektonisch ähnlich gestaltete Haus des Alten Schwedischen Nationalarchivs. Die Institution hatte bis 1968 auch tatsächlich ihren Sitz in dem romanischen Backsteinbau und dem Nebengebäude, dem ehemaligen Stenbockschen Palais aus dem 17. Jahrhundert. Das Gebäude wurde von Architekt Axel F. Nyström entworfen und zwischen 1877 und 1890 errichtet. Die besonders hohen Rundbogenfenster im obersten Stockwerk gehören zum dort befindlichen Lesesaal, um dort den Lesenden genügend Licht zu spenden. Das Nationalarchiv zog 1995 in ein Gebäude nahe der Västerbron um; im Ursprungsgebäude werden heute noch genealogische Aufzeichnungen aufbewahrt.
Bilder oben: am ehemaligen Schwedischen Reichsarchiv führt die Zentralbrücke (Centralbron) vorbei.
Bilder oben: das angrenzende Gebäude ist das ehemaligen Stenbocksche Palais von 1640.
Bau des Gebäudes für das Schwedische Parlament (Riksdagshuset), 1906
Das Reichstagsgebäude wurde in den Jahren 1897 bis 1906 auf der kleinen Insel Helgeandsholmen nach Plänen der Architekten Aron Johannson und Ahlgren Olsson im neobarocken Stil (mit nordischen Stilelementen) errichtet. Die Front mit dem Haupteingang wird durch einen Mittel- und zwei Seitenrisalite gegliedert. Zusammen mit dem Reichstag wurde auch das Gebäude der Schwedischen Reichsbank errichtet, welches direkt angrenzt.
Nach einer Verfassungsreform, durch welche das Zweikammersystem des Reichstags durch Ein Parlament mit nur einer Kammer abgelöst wurde (1971), war ein größerer Plenarsaal nötig. Die entsprechenden Anpassungen der Gebäudestruktur wurden in den Jahren 1980 bis 1983 vom Architekturbüro Ahlgren, Olsson, Silow (AO) vorgenommen. Dabei wurden Teile des Reichsbankgebäudes als neue Empfangshalle in das Parlamentsgebäude einbezogen, zumal die Reichsbank an anderer Stelle (am Brunkebergstorg) ein neues Gebäude beziehen konnte. Der westliche Teil des Gebäudekomplexes (das frühere Reichsbankgebäude) wurde dabei auch aufgestockt; hier befindet sich seitdem auch der Plenarsaal.
Vor dem Bau des Reichstagsgebäudes befanden sich auf der Insel königliche Ställe für die Pferde, ein Kutschenhaus und auch eine Reitschule.
Bild oben: Blick vom Rathausturm auf die Brücken Centralbron (dahinter die Insel Strömsborg mit dem Gebäude, in dem das Ukrainische Institut und das International Institute for Democracy and Electoral Assistance ihren Sitz haben) und Vasabron; dahinter der diese Insel Helgeandsholmen fast völlig ausfüllende Gebäudekomplex des Schwedischen Parlaments. Im Hintergrund das Nationalmuseum, rechts das Königliche Schloss; ganz im Hintergrund das Nordische Museum und rechts daneben das Vasa-Museum; links im Hintergrund der Funkturm. Die Aufnahme wurde im Mai 2002 gemacht.
Bild oben: am Parlamentsgebäude gibt es eine Infotafel, mit deren Hilfe man einen Überblick über die Gebäude erhält: Oben der aus zwei Baukörpern bestehende Gebäudekomplex des Parlaments (Riksdagens hus); der westliche Teil war ursprünglich das Gebäude der Schwedischen Reichsbank und wurde in den Jahren 1980 bis 1983 umgebaut; hier befindet sich jetzt der Plenarsaal und im Erdgeschoss die Empfangshalle des Parlaments. Die weiteren Gebäude am Mynttorget sind für die Abgeordneten, die Reichtagsbibliothek und weitere staatliche Funktionen reserviert.
Bilder oben: der westliche Teil des Reichstagskomplexes war ursprünglich Sitz der Schwedischen Reichsbank; das halbrunde Gebäude bildet auch die westlichste Bebauung der kleinen Insel Helgeandsholmen. Das Gebäude wurde bei den Umbauten in den 1980er Jahren aufgestockt.
Bild oben: die einzigen Gebäude auf der Insel Helgeandsholmen sind die für den schwedischen Reichstag; die Insel wird vom Norrström umflossen; die Brücke Norrbro verbindet die Reichstagsinsel mit Stadsholmen einerseits und Norrmalm (rechts im Bild) andererseits.
Bild oben: Ostseite des Parlamentsgebäudes; im Hintergrund der Turm des Doms (Storkyrka).
Bilder oben: die östliche Fassade mit dem Haupteingang; der Mittelrisalit ist mit Pilastern geschmückt, die Attika trägt die Aufschrift: „Wurde in den Jahren 1895 bis 1904 für den Schwedischen Reichstag errichtet“. Auch die Seitenrisalite zeigen Pilaster mit korinthischen Kapitellen, die Fassade dazwischen korinthische Säulen.
Vor der Gebäudefront bis zum Rand der Insel Helgeandsholmen erstreckt sich eine Terrasse bzw. ein kleiner Park (Strömparterren) mit Rasenflächen, Bäumen, Büschen und Fußgängerwegen. Hier befindet sich auch auf einem Sockel eine Knabenfigur, die Statue ‚Solsångaren‘ von Carl Milles.
Bilder oben: Blick von Lejonbacken (dem Löwenhügel) bzw. der im Norden des Königlichen Schlosses hochführenden Rampe auf das Parlamentsgebäude ; im Vordergrund eine Löwenskulptur.
Bilder oben: Eingangstor zum Innenhof des Parlamentskomplexes.
Bilder oben: Innenhof zwischen dem ursprünglichen Parlamentsgebäude und dem Gebäude der Schwedischen Reichsbank, welcher seit den Umbauten in den 1980er Jahren ebenfalls zum Reichstagsgebäude gehört und den großen Plenarsaal für die 350 Abgeordneten enthält. An dessen Fassade gibt die Inschrift „Gebaut für die Schwedische Reichsbank in den Jahren 1895 bis 1906“ noch Auskunft über die ursprüngliche Bestimmung.
Bilder oben: Baudetails: die Fassade des Gebäudes ist stark rustiziert; die Fenster im Erdgeschoss tragen als Sonnenschutz niederländische Markisen (Korbmarkisen). Am Gebäude und vor dem Gebäude gibt es Löwenfiguren. Der Löwe ist sowohl ein Symbol für die Stadt Stockholm als auch für den schwedischen Staat.
Das Kansli huset (ehemalige Königliche Kanzlei), 1790, 1936
Das Gebäude am Mynttorget (Münzplatz) war ursprünglich Sitz der staatlichen Münzprägung /-druckerei und der Königlichen Kanzlei. Der Bau entstand in den Jahren um 1790. Das Gebäude zeigt zum Mynttorget (Münzplatz) eine klassizistische Giebelfront mit dorischen Säulen am Haupteingang. Architekten des ursprünglichen Gebäudes waren Olaf Samuel Tempelman und Carl Friedrich Adelcrantz. In den Jahren 1922 bis 1936 wurde das Haus von Gustac Clason umgebaut, der vorgestellte Portikus aber belassen, wodurch die Anordnung heute etwas unmotiviert erscheint.
Das Kanslihuset war bis 1981 auch Amtssitz des schwedischen Ministerpräsidenten, dann zog die Regierung in die Rosenbad-Gebäude um. Heute ist im Haus die Parlamentsverwaltung untergebracht; im kreisrunden Innenhof befindet sich die Skulptur „Mutter und Kind“ von Bror Markland aus dem Jahr 1956.
Bilder oben: im ehemaligen Domizil der Königlichen Kanzlei am Mynttorget (Münzplatz) sind jetzt Büros der Parlamentsverwaltung untergebracht.
Die kleinste Insel im Stadtgebiet und ihr einziges Gebäude, Strömsborg, 1897
Bild oben: auf Strömsborg, der kleinsten Insel im Stockholmer Stadtgebiet, steht nur ein einziges Haus. Im Bildhintergrund rechts das Stockholmer Rathaus (Stadshus).
Strömsborg ist eine kleine, zur Altstadt Gamla Stan gehörige Schäre (Felseninsel) zwischen den beiden Brücken Centralbron und Vasabron (Zentralbrücke und Vasa-Brücke) im Norrström. Von letzterer kommt man über die rechtwinklig davon abzweigende Strömsborgsbron zur Insel und dem einzig darauf befindlichen Haus.
Die Insel war im 18. Jahrhundert im ursprünglichen Besitz des Kaufmanns Berge Olofson Ström. Weil Ström auf der Schäre ein burgartig aussehendes Gebäude errichten ließ, kam sie zu ihrem Namen Strömsborg. Heute befindet sich an dessen Stelle ein in den Jahren 1895 bis 1897 vom Baumeister J. Andersson errichtetes repräsentatives Gebäude. Die Fassadengestaltung stammt vom Architekten Claes Grundström. Ragnar Östberg, der Erbauer des Stockholmer Rathauses, nahm Ende der 1920er Jahre am Gebäude Umbaumaßnahmen vor.
Das Gebäude hat eine aufwändig gestaltete Fassade; das Erdgeschoss ist rustiziert, im ersten Obergeschoss flankieren Pilaster mit dorischen Kapitellen die Rundbogenfenster, im zweiten Obergeschoss gehören die Kapitelle der korinthischen Säulenodnung an. An der Südseite des Gebäudes sorgen Korbmarkisen für den nötigen Sonnenschutz.
Heute haben hier das Ukrainische Institut und das International Institute for Democracy and Electoral Assistance (IDEA) ihren Sitz.
Bild oben: das palastähnliche Gebäude auf der Insel Strömsborg.
Bilder oben: das Eingangsportal, Baudetails.
Entwicklung Stockholms durch den Generalstadtplan von Albert Lindhagen
Große Bedeutung für die Gestaltung der Stadt hatte der zwischen 1862 und 1866 unter dem Stadtverordneten Albert Lindhagen ausgearbeitete Generalstadtplan. Der Plan sah unter anderem den Bau besser ausgestatteter größerer Mietskasernen auf den Malmen vor, die so an den Straßen liegen sollten, dass sie auch genügend Luft und Sonne abbekommen sollten; anderseits sollten Grünflächen am Rande des damaligen Stadtgebiets zu Parks ausgebaut werden und Allee-gesäumte Boulevards nach Pariser Vorbild entstehen. Nicht alle diese Ideen wurden auch tatsächlich verwirklicht und bezüglich der Dimensionen auch bescheidener umgesetzt. Endgültig beschlossen wurde der Generalstadtplan erst 1880 und ab 1885 entstanden dann auch tatsächlich erste Parks, so etwa Tantolunden auf Södermalm, Vanadislunden auf Östermalm und Kronobergsparken auf Kungsholmen.
Hafenstadt Stockholm
Bis in die 1960er Jahre hatte Stockholm nach Göteborg die zweitgrößten Hafenanlagen des Landes, über welche Güter im Überseeverkehr und für die Nahversorgung umgeschlagen wurden: sie dienten zum großen Teil auch der Versorgung der Stadt und ihrer Industrieunternehmen sowie dem Export der hier produzierten Waren.
Mit zunehmender Bedeutung des Dienstleistungssektor fiel Stockholms Bedeutung als Hafenstadt aber zurück und inbesondere Massengüter wie etwa Öl wurden vor allem über die Häfen an Schwedens Westküste umgeschlagen. Heute dienen die Häfen Stockholms überwiegend dem Fährverkehr mit Finnland, dem Passagier-, Tourismus- und Kreuzfahrtverkehr.
Bild oben: Stockholm Frihamnen (Freihafen); so sah der Stockholmer Hafen im Mai 2002 aus (Blick von der Aussichtsplattform des Fernsehturms / Funkturms). Heute befindet sich hier v.a. ein Kreuzfahrtterminal, an dem Kreuzfahrtschiffe anlegen, die Stockholm besuchen. Überwiegend legen diese Schiffe aber in Stadsgården an, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt Gamla Stan.
Neuere Stadtentwicklung ab ca. 1900
Siehe dazu die Seite Stockholm – Neuere Stadtentwicklung!