Stuttgart IBA27
Die Internationale Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027 (IBA’27)
Weiter unten auf der vorliegenden Seite werden einige der IBA’27-Projekte vorgestellt.
Einführung
Genau 100 Jahre, nachdem in Stuttgart im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ die Weißenhofsiedlung erbaut wurde, findet hier wieder eine Bauausstellung statt. Die Ausstellung von 1927 sollte eine moderne Antwort auf die Frage: Wie wohnen? geben. Die in weniger als einem Jahr errichteten Wohnbauten verschiedener ähnlich gesinnter Architekten hatten in der Folgezeit weitreichende Vorbildwirkung bezüglich des „Neuen Bauens“.
Die neue Bauausstellung trägt den Titel „Internationale Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027“.
In einem Memorandum zur Bauausstellung (verfügbar auf der Website der Bauausstellung www.iba27.de) kann man Grundlegendes zu der Konzeption der Ausstellung entnehmen. Dem Memorandum ist ein Zitat von Dr. Walter Rogg vorangestellt (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, WRS):
„Die Internationale Bauausstellung 2027 hat den großen Vorzug, dass man eine gute Geschichte erzählen kann: 100 Jahre Weißenhofsiedlung, das ist ein richtiges Geschenk. Die Ausstellung 1927 befeuerte mit ihren provokanten Häusern die Diskussion um Arbeiten, Wohnen und Leben im Industriezeitalter. Die IBA 2027 soll radikal neue Ideen für Stadtregionen im Zeitalter von Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierung entwickeln.“
Zum Bild: Infoplakat am Ausstellungsgebäude, dem ehemaligen Kaufhaus Galerie Kaufhof; darauf sind die zur IBA’27 gehörigen Projekte mit einem Fähnchen auf der Karte der Region markiert.
Bilder oben: an der Stuttgarter Kienestraße befand sich bis Anfang des Jahres 2026 der Infopunkt für die IBA’27. Mittlerweile wurde er in das Ausstellungsgebäude für die Bauausstellung, das ehemalige Kaufhaus Galeria Kaufhof (in der Eberhardstraße / Breite Straße / Hirschstraße), verlegt.
Bilder oben: im ehemaligen Kaufhaus Galeria Kaufhof ist zur Zwischennutzung der Infopunkt zur Internationalen Bauausstellung 2027 eingezogen; hier findet im Ausstellungsjahr (24.4. – 30.10.2027) auch die zentrale Ausstellung statt, in der die „Themen und Projekte der IBA zusammenkommen“ sollen.
Weiter heißt es in dem IBA-Memorandum:
„IBAs haben kein vorgeschriebenes Format, dennoch gibt es bestimmte Anforderungen, an denen sich eine IBA messen lassen muss. Eine IBA ist über zehn Jahre hinweg ein kontinuierlicher Lernprozess, bei dem die Konzepte immer wieder überdacht und modifiziert werden müssen. Mit Mut zum Experiment verändern IBAs Städte und Regionen nicht nur architektonisch. Neue Ideen und Projekte im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich setzen Impulse für einen in der jeweiligen Region als erforderlich angesehenen städtebaulichen bzw. landschaftlichen Wandel. Ziel ist es, alle Potenziale in der Bürgerschaft, in den Unternehmen, in der Wissenschaft und in den Verwaltungen auszuschöpfen, um ein innovatives und zukunftsweisendes Konzept umzusetzen. ‚Bei einer IBA muss man sich Ziele setzen, die so hoch sind, dass man sie nicht alle vollständig erreichen kann.‘ Das ist die Messlatte, die vom Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg Markus Müller im Rahmen des IBA-Platt formprozesses formuliert wurde.
(…) Eine IBA in der Region Stuttgart hat das Potenzial, ein internationales Schaufenster für Architektur, Ingenieurbaukunst und Baukultur aus Baden-Württemberg zu werden.
(…) Wenn es gelingt, Lösungsansätze – auch provokante Lösungsansätze – für die Gestaltung der Region Stuttgart in den Bereichen bezahlbarer Wohnraum, Mobilität, Nachhaltigkeit, Verbindung von Wohnen, Arbeit und Freizeit zu erproben und umzusetzen, dann haben wir zugleich Antworten auf Probleme gefunden, die weltweit alle großstädtischen Ballungsräume herausfordern. Die Region Stuttgart wird zur Modellregion für industriell geprägte Stadtregionen. Lösungen und Produkte, die hier umgesetzt werden, können in andere Stadtregionen exportiert werden.“
Konzeption und Umsetzung der IBA’27
Die IBA’27 StadtRegion Stuttgart ist keine Veranstaltung im Sinne einer stationären, räumlich konzentrierten Vorführung fertiger Bauten, vielmehr ist sie als ein 10-jähriger Prozess (die ersten Planungen begannen 2014, der Prozess-Zeitraum ist auf 2017 bis 2027 angelegt) zu verstehen, der innovative Konzepte der Stadt- und Regionalentwicklung realisiert und auf zentrale Fragen der Zeit Antworten geben soll; dazu gehören:
- das nachhaltige Bauen,
- neue soziale Formen des Zusammenlebens,
- die bessere Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur
- sowie der Umgang mit den aktuellen großen Problemen der Gesellschaft, verursacht durch den Klimawandel und die Digitalisierung inkl. den Fortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Trotzdem gibt es natürlich auch etwas zu sehen: viele der als IBA-Projekte vorgeschlagenen und akzeptierten Bauprojekte werden bis 2027 vollendet und während des Ausstellungsjahres (24. April bis zum 30. Oktober 2027) auch zu besichtigen sein, darunter realisierte Einzelbauten oder ganze Stadtquartiere, teilweise mit der Umsetzung alternativer Wohnmodelle (z. B. Clusterwohnungen), ferner neue Quartiere, die durch die Umwandlung ehemaliger Industrieareale entstanden sind, experimentelle Bauten mit „neuen“ Materialien (z. B. Holz oder Lehm) sowie Projekte zur Lösung der Mobilitätsprobleme, Klimaanpassungsmaßnahmen oder Modelle zur landwirtschaftlichen Produktion im Stadtraum (urban production).
Auf der Website der IBA’27 gibt es ein Dokument, welches die Zielbildqualitäten beschreibt, die ein IBA’27-Projekt erfüllen sollte: Download hier.
Die etwa 100 aktuellen IBA-Projekte verteilen sich nicht nur auf das Stuttgarter Stadtgebiet, sondern auf die ganze Region (Böblingen, Sindelfingen, Backnang, Waiblingen, Schorndorf, Esslingen, Wendlingen usw.). Eine Übersicht über die IBA’27-Projekte und ihr Verortung auf der Karte gibt es im Dokument IBA-Stadtplan-Projektkarte, Download hier.
Es gibt aber auch eine zentrale Ausstellung von Modellen, Plänen etc. und zwar im ehemaligen Kaufhausgebäude der Galeria Kaufhof an der Stuttgarter Eberhardstraße, das für die Dauer der Bauausstellung auf diese Weise eine Zwischennutzung erfährt.
In direkter Nachbarschaft zur Weißenhofsiedlung entsteht als eines der IBA’27-Projekte auf dem Gelände der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste (Kunstakademie) das so genannte Weißenhof.Forum, das als Start- und Orientierungspunkt für Besucher/innen der Weißenhofsiedlung gedacht ist.
IBA’27-Projekte
Das Weissenhof.Forum – das neue Empfangsgebäude zur Weißenhofsiedlung (2026)
Bild oben: so sah der Platz vor den Gebäuden der Stuttgarter Kunstakademie vor dem Bau des Weissenhof.Forum aus: ein Pavillon mit mehrmals geändertem Fassadendesign befand sich an der Ecke, an der sich die Straßen Am Kochenhof und Am Weißenhof kreuzen; dahinter gab es einen Parkplatz für Autos und eine Rasenfläche.
Das von Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung erbaute Gebäude ist nach umfangreicher Sanierung/Wiederherstellung seit 2006 das Weißenhof-Museum; hier sind wieder in den Ursprungszustand versetzte Wohnräume zu besichtigen und in Ausstellungsräumen wird die Geschichte der Bauausstellung von 1927 und der dazu errichteten Siedlung dargestellt.
Zudem gibt es im Haus von Peter Behrens die „architekturgalerie am weißenhof“; diese Einrichtung wird von einem Verein betrieben und beruht v.a. auf ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder. Gegründet wurde die Architekturgalerie 1982 v.a. von Stuttgarter Architekten; Unterstützung erfährt sie auch vom Landesverband Baden-Württemberg des BDA (Bund Deutscher Architekten). Näheres zum Verein auf der Vereinswebsite architekturgalerie am weißenhof e.V..
Insgesamt gesehen ist es aber für (auswärtige) Besucher/innen der Weißenhofsiedlung schwierig, sich in dem Areal zurechtzufinden und das Weißenhofmuseum sowie die architekturgalerie weißenhof zu entdecken. Während der Internationalen Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027 ist zudem mit einem deutlich erhöhten Besucherandrang zu rechnen.
Daher hat sich die Stadt Stuttgart entschieden, bis zum Beginn der Ausstellung quasi ein Eingangsgebäude zur Siedlung zu errichten; hier soll es u.a. einen Ticketschalter geben, eine Garderobe, ein Café, einen Buchladen und auch Räume für Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen. Die Besucher/innen sollen mit dem Gebäude eine „räumliche und inhaltliche Orientierung“ geboten bekommen.
Den Architekturwettbewerb für das Forum hat die Bietergemeinschaft Barkow Leibingen Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin) zusammen mit der Zech Hochbau AG (Stuttgart) für sich entschieden.
Und so entsteht auf einem vormals von einem Kiosk besetzten und als Autoabstellfläche genutzten Areal zwischen dem Altbau, dem Neubau 1 und dem Neubau 2 der Akademie der Bildenden Künste (Kunstakademie) ein sich aus drei Baukörpern unterschiedlicher Höhe (2 bis 3 Stockwerke) zusammensetzendes Gebäude.
Als anerkanntes IBA’27-Projekt erfüllt der Neubau entsprechende Vorgaben:
- Ausrichtung auch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
- Verwendung nachhaltiger Baustoffe (das Haus wird in Holz- und Lehmbauweise errichtet – dafür werden ungebrannte Lehmziegel eingesetzt; nur die Bodenplatte und die Gründung sind aus Rycling-Beton
- Erfüllung ökologischer Standards durch eine extensive Dachbegrünung (mit Photovoltaikmodulen) und eine in die Glasfassade integrierte Photovoltaikanlage
- Heizung/Kühlung mit Wärmepumpen und einem Eisspeicher
- Rückbaubarkeit aufgrund der Art der Konstruktion und der Verwendung entsprecherder Baustoffe
- Flexible Nutzung der Räume
Bilder oben: der Pavillon, der sich vor dem Bau des neuen Eingangsgebäudes zur Weißenhofsiedlung auf dem Platz vor den Gebäuden der Kunstakademie befand; im Laufe der Jahre hat er mehrfach sein Aussehen verändert.


Bild oben: aus einer Darstellung am Bauzaun konnte man im Frühjahr 2025 die Lage des neuen Gebäudes auf dem Areal ersehen.
Bilder oben: der Bauzaun ist angebracht.
Bilder oben: vor Baubeginn musste das ganze Gelände durch Dutzende von Bohrungen sondiert werden; auf dieser Fläche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Bauschutt beschädigter oder zerstörter Gebäude abgekippt.
Bilder oben: ein Kran transportiert Baumaterialien an die richtige Stelle.
Bilder oben: die Bodenplatte wird betoniert und danach die Wände aus ungebrannter Lehmziegeln gemauert.
Auf der Website des Architekturbüros Barkow Leibinger kann man zu dem Entwurf des Weissenhof.Forum das Folgende lesen: (…)
„Die Architektur verbindet eine klare, rationale Struktur mit offenen, lichtdurchfluteten Räumen und natürlichen Materialien. Ein durchgehendes Raster erlaubt flexible Nutzungskonzepte und zukünftige Anpassungen: ein offenes Gebäude für wechselnde Inhalte und neue Ideen. Die öffentliche Nutzung konzentriert sich auf das großzügige, ebenerdige Erdgeschoss mit Foyer, Ausstellungsflächen, Café und Medienraum – barrierefrei erschlossen und über große Öffnungen mit dem Stadtraum verbunden.
Die Fassade kombiniert Glas- und Photovoltaik-Elemente zu einer hell schimmernden Hülle, die energetisch optimiert, modular gefertigt und recyclingfähig ist. Auch konstruktiv setzt das Gebäude auf Nachhaltigkeit: vorgefertigte Betonrahmen, Lehm-Mauerwerk, ein Holztragwerk und weitgehend rückbaubare Materialien folgen dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Regenwasser wird vollständig auf dem Grundstück genutzt, die Energieversorgung erfolgt regenerativ über PV-Strom und Wärmepumpe.“
Bilder oben: Bautafel am Baugelände und eine gelbe Stahlskulptur gegenüber dem Baugelände. Solche Skulpturen zeigen an, dass hier ein IBA’27-Projekt entsteht. Gelb ist die Stadtfarbe von Stuttgart.
ZERO. – innovativer Holzmodulbau in Stuttgart-Möhringen, 2025
Der helle und freundlich einladende Eingangsbereich des Bürogebäudes „ZERO.“
Auf einem ehemaligen Industriegrundstück (Hansa-Areal) im Stuttgarter Stadtteil Möhringen ist im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Region Stuttgart 2027 (IBA’27) ein innovatives und nachhaltiges Bauprojekt realisiert worden: das Stuttgarter Architekturbüro RIEHLE KOETH hat hier in kurzer Bauzeit (2023-25) ein Bürogebäude mit über 14 Tausend Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Das 5-stöckige Gebäude (4 Vollgeschosse, ein Staffelgeschoss) besteht hauptsächlich aus seriell vorgefertigten, einbaufertigen Holzmodulen (knapp 300 Stück), die auf der Baustelle vom Kran eingehoben und dann zusammengesetzt wurden. Das Erdgeschoss wurde in konventioneller Holzbautechnik errichtet. Nur das Untergeschoss (mit der Tiefgarage) und der Gebäudekern mit der zentralen Erschließung und der technischen Infrastruktur wurden aus Stahlbeton gefertigt, wobei fast die Hälfte des Betons mit Recyclingbeton hergestellt wurde. Mit den Holzmodulen wurden 3500 Kubikmeter Fichtenholz verbaut.
Im Erdgeschoss befinden sich das Foyer, eine Küche, ein Café, die Kantine, Konferenz- und Besprechungsräume sowie ein Sport-/Fitness-Bereich für die gemeinsame Nutzung durch die verschiedenen im Hause untergebrachten Mieter und für die Mitarbeitenden des benachbarten Bürogebäudes (es handelt sich dabei um das 2017 fertiggestellte Headquarter der Softwarefirma für Logistik AEB; auch dieses Gebäude wurde von RIEHLE KOETH geplant und gebaut).
Zum Bild: Solarkamine an der Nordostseite des Gebäudes; aus der hier auf natürliche Weise nach oben strömenden (warmen) Abluft wird Energie zurückgewonnen.
Der Gebäudegrundriss des „ZERO.“ entspricht einer liegenden „8“, sodass sich jeweils zwei, von den Architekten als „Loops“ bezeichnete ringförmige Räume mit stützenfreien durchgehenden Bürobereichen pro Etage um die beiden begrünten und offenen Innenhöfe winden. Zu den „Loops“ kann man von RIEHLE KOETH in einer Broschüre zum Gebäude das Folgende lesen: „Jeder Loop ermöglicht durch seine offene Raumstruktur eine hohe Flexibilität, fördert die interne Kommunikation und schafft Blickverbindungen über einen gemeinsamen Innenhof.“ Wünscht ein Mieter kleinere Büroflächen, könnte ein Loop auch in zwei dann L-förmige Bereiche geteilt werden.
Im Eingangsbereich an der Sigmaringer Straße öffnet sich das Gebäude den Mitarbeitenden und den Besuchern/innen mit einem ebenfalls begrünten Eingangshof.
Bild oben: das „ZERO.“ besteht aus 4 Vollgeschossen und einem (zurückspringenden) Staffelgeschoss.
In punkto Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und sparsamem Gebäudebetrieb stellt das „ZERO.“ (der Punkt gehört zum Namen!) ein Leuchtturmprojekt dar: die Dächer auf dem 4. Stockwerk und dem Staffelgeschoss sind begrünt; hier gibt es auch Regenrückhalte-Einrichtungen sowie eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung. Das Gebäude wird weitgehend natürlich und dezentral belüftet; geheizt und gekühlt wird zudem durch Wärmerückgewinnung aus der Abluft sowie durch Wärmepumpen mit einem großen Eisspeicher im Untergrund. Durch die großen Fenster und die Ausrichtung um die Innenhöfe erhalten alle Arbeitsräume viel natürliches Licht. Die oberen Geschosse kragen zunehmend über die darunterliegenden aus und bieten der Fassade so einen natürlichen Witterungsschutz.
Nicht zuletzt ist das Gebäude aufgrund seiner speziellen Konstruktion auch recycelbar bzw. wiederverwendbar: die Verbindungen zwischen den Modulen können relativ einfach wieder gelöst und die Module zu einem neuen Gebäude in anderer Abfolge zusammengesetzt werden. Das fertige Gebäude ist somit auch Materiallager für ein zukünftiges Nachfolgebauwerk. Hier wird das Schlagwort vom „zirkulären Bauen“ Realität.
Bilder oben: Blick auf die Frontfassade zur Sigmaringer Straße hin.
Bilder oben: transparentes Tragwerk: durch die großflächige Verglasung kann man die die V-förmigen Aussteifungsträger sehen.
Bilder oben: die Nordostfassade mit Abluftkaminen. Spiegelbildlich verlaufen an der Südwestfassade ebensolche Rohre.
Bilder oben: hier kann man gut den Aufbau des Gebäudes aus zusammengefügten Einzelmodulen erkennen.
Bilder oben: Abluftkamine an der Nordostfassade und mit einem Mesh-Gitter eingehauste Fluchttreppentürme.
Bilder oben: das ebenfalls von RIEHLE KOETH geplante und gebaute Nachbar-Bürogebäude, mit dem nun ein Sharing-Konzept der gemeinsamen Nutzung von Kommunikations-, Sport-/Fitness- und Essensangeboten im neu erbauten „ZERO.“ existiert.
Holzparkhaus am Schwanenweg in Wendlingen, 2024
Hier nimmt das Schlagwort vom „zirkulären Bauen“ Gestalt an: nach Plänen von Prof. Gerhard Bosch vom Architekturbüro herrman+bosch architekten (Stuttgart), sowie knippershelbig architekten (ebenfalls Stuttgart) ist als IBA’27-Projekt am Bahnhof im 30 km südöstlich von Stuttgart gelegenen Wendlingen das deutschlandweit größte (Stand: 2024) Parkhaus in Holzhybridbauweise entstanden: der 5-geschossige Bau hat einen im Prinzip rechteckigen Grundriss, aber mit stark oval gerundeten Ecken. Die Form eines gestreckten Ovals hat dem Gebäude auch schon den Spitznamen „Colosseum von Wendlingen“ eingebracht.
Die ovale Geometrie der Parkdecks ermöglicht eine besonders hohe Stelldichte der geparkten Fahrzeuge, weil tote Ecken entfallen: 350 Fahrzeuge haben hier Platz, dazu 100 Fahrräder; zudem gibt es 56 gesicherte Fahrradboxen sowie Ladestationen für E-Bikes und E-Autos. Der Strom für die Beleuchtung der Parkebenen und für die Ladestationen kommt auch von der großen Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach, welches zudem als Puffer bei Extremregenereignissen dient. Aufgrund der Bahnhofsnähe dient das Parkhaus auch dem Park+Ride-Verkehr.
Ganz ohne Beton kommt auch dieses innovative Gebäude nicht aus: die Fundamente, die Fahr-Rampen sowie die Treppenhäuser bilden einen Stahlbetonkern und sorgen so dafür, dass die Brandschutzanforderungen erfüllt sind. Die Gesamtbauzeit für das Gebäude betrug zwei Jahre (Sommer 2022 bis Sommer 2024), wobei auf den Holzbau aber nur etwa 6 Monate entfielen: alle 14 Tage war ein weiteres Stockwerk aufgebaut. Das Tragwerk und die Decken wurden dabei nur entweder gesteckt, genagelt oder verschraubt, was einen Rückbau problemlos möglich macht.
Zum Bild: es wurden, wie auf einer Info-Tafel im Eingangstreppenhaus zu lesen ist, etwa 2500 Kubikmeter Holz verbaut, dazu 84 500 Schrauben, 255 000 Nägel und 846 so genannte Sherpa-Verbinder (Steck-Verbinder) aus Aluminium.
Bilder oben: neben jedem IBA’27-Bauprojekt findet man solche gelben, kleinen oder auch etwas größeren Stahlskulpturen. Auf einer Infotafel erfährt man, warum der jeweilige Bau als Projekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart akzeptiert wurde.
Von der Projektphilosophie her ist ein Umbau von Parkdecks zu Büro- oder Wohnräumen angedacht, wenn weniger Parkraum gebraucht würde. Die für ein Parkhaus übergroße Bauhöhe von 3,40 Metern und die zentrale Anordnung der Fahrrampen macht dies möglich; die Rampen könnten in diesem Fall rückgebaut werden, wodurch in Gebäudemitte ein Innenhof entstünde, der Wohn- oder Büroräumen dann auch von dieser Seite aus Tageslicht gäbe.
Die bis zu 16 Meter langen und sternförmig angeordneten Träger bestehen aus unbehandeltem Brettschichtholz, die Decken aus ebenfalls unbehandeltem Brettsperrholz. Bei Schichtholz haben die verschiedenen Lagen die gleiche Faserrichtung, bei Sperrholz werden die Schichten jeweils über Kreuz aufgebracht. Die Träger sind im Inneren aus Fichtenholz und außen mit Lärchenholz verschalt, weil Lärche witterungs- und alterungsbeständiger ist. Die große Spannweite der Träger macht weitere Stützen im Bereich der Stellplätze überflüssig, was das Manövrieren und Einparken erleichtert. Die Fahrrampen bestehen aus vorgefertigten Betonteilen; sie wurden mit sortenreinem Gussasphalt belegt; dieser könnte ebenso sortenrein wieder entfernt werden. Überhaupt wurden am Gebäude weitgehend sortenreine Werkstoffe eingesetzt und keine Verbundmaterialien, die ein Recycling erschweren oder verunmöglichen.
Während die Ostfassade bis auf ein Stahlnetz zur Absturzsicherung und als Kletterhilfe für die Fassadenbegrünung völlig offen ist (was die Parkdecks auf natürliche Weise belüftet), schützt auf der Westseite eine Fassade aus doppelten transluzenten Profilglas-Elementen das Gebäude vor Witterungseinflüssen und die Umgebung vor eventuellem Lärm aus dem Haus.
In Nachbarschaft zurm Holzparkhaus befindet sich ein weiteres IBA’27-Projekt: die ehemalige so genannte Neckarspinnerei der Textilfabrik Otto&Söhne (hier wurden v.a. Garne hergestellt) wird zu einem neuen Wohnquartier umgenutzt und umgebaut.
Bilder oben: an der offenen Ostseite, wo sich auch der Eingang / die Einfahrt befinden, sind die Tragstruktur und die Parkdecks von außen sichtbar.
Bilder oben: das Tragwerk des Gebäudes und die Anbringung der Fahrrampen.
Bild oben: die Fahrrampen sind zentral im Gebäude angeordnet; bei Umbau zu einem Büro- oder Wohngebäude könnten die Rampen herausgenommen werden; dadurch entstünde ein Innenhof, der die 5 Etagen von hier aus mit Tageslicht versorgen könnte.
Bilder oben: das aus Stahlbeton gefertigte Treppenhaus von außen und von innen.
Bilder oben: durch die weitgehend offene Fassade und die große Stockhöhe mutet das Parkhaus völlig anders an als konventionell errichtete Bauten dieser Art.
Bilder oben: die Fahrrampen zwischen den Parkdecks bestehen aus vorgefertigten Stahlbetonelementen mit einem Belag aus Gussasphalt.
Bilder oben: die sternförmig angeordneten 16 Meter langen Träger. Verbindungen zwischen Bauteilen wurden durch Nageln, Verschrauben oder durch Zusammenstecken mithilfe so genannter Sherpa-Träger realisiert. Das erlaubt eine einfache Demontage.
Bild oben: Details der Tragwerkskonstruktion.
Bilder oben: Brettschichtholz wurde bei den Trägern verwendet, Brettsperrholz bei den Auflagen und bei den Decken der Parkdecks.
Bild oben: handwerklich kunstvolle Stoßverbindung von Brettschichtholzlagen; hierbei handelt es sich um eine so genannte Keilverzinkung.
Bilder oben: die Westseite des Gebäudes hat eine Fassade aus Profilglas-Elementen.
Holzmodulbau als Interims-Schwimmbad, 2026
Bild oben: auf dem Kelterplatz in Zuffenhausen befindet sich die „AquaBox“, ein Schwimmbad in Holzmodulbauweise; das Projekt ist eine Element der Internationalen Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027.
Auf dem Kelterplatz in Stuttgart-Zuffenhausen entsteht als IBA’27-Projekt ein mobiles, temporäres System, die so genannte „Aquabox“. In Zuffenhausen muss das 50 Jahre alte kommunale Schwimmbad abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Um in der Zwischenzeit (bis 2029) zumindest einen Teil des Schwimmangebotes, insbesondere den Schwimmunterricht, aufrecht erhalten zu können, wird in direkter Nachbarschaft zum Bestandsbau auf dem Kelterplatz ein zweistöckiger, 50 mal 30 Meter großer Interimsbau aus 46 Holzrahmenmodulen errichtet. Geplant wird das Ganze von a+r Architekten (Stuttgart); die Schwimmhallenkonstruktion stammt von der POOL out of the BOX GmbH in Heidenheim. Das 25-Meter-Becken selbst ist allerdings nicht aus Holz, sondern wird vor Ort aus 8 vorgefertigten Edelstahlelementen zusammengeschweißt. Die schweizerische Holzbaufirma Blumer Lehmann (aus Gossau) setzt die Holzbauarbeiten um.
Das Gebäude kann aufgrund seiner Konstruktion leicht wieder demontiert werden; tatsächlich wird die „Aquabox“ nach ihrem Einsatz in Zuffenhausen vorübergend in Stuttgart-Sonnenberg wieder aufgebaut, wo ebenfalls das vorhandene Schwimmbad erneuert werden muss. Den endgültigen Standort findet sie nach erneuter Demontage dann in Untertürkheim.
Die Halle und das Wasser des Holzschwimmbades werden durch Wärmepumpen beheizt sowie durch intensive Wärmerückgewinnung aus der Lüftungsabluft. Photovoltaikpaneele auf dem Flachdach liefern einen Teil der benötigten elektrischen Energie.
Bilder oben: das Holzmodul-Schwimmbad „AquaBox“ während des Baus im Frühjahr 2026.
Bilder oben: hier kann man die einzelnen Module erkennen, aus denen das Gebäude zusammengesetzt wurde.
Bild oben: das Holzmodul-Schwimmbad auf dem Kelterplatz in Zuffenhausen; im Hintergrund links kann man die Bauten „Romeo und Julia“ von Hans Scharoun in Stuttgart-Rot sehen.
Die Brenzkirche
Die Brenzkirche (benannt nach dem Reformator Johannes Brenz) wurde 1932/33 von Alfred Daiber im Stil des „Neuen Bauens“ geplant und gebaut. Von der stilistischen Gestaltung her harmonierte sie optimal mit der Weißenhofsiedlung in der näheren Nachbarschaft. Viele ungewöhnliche Details prägten ihr Aussehen: so gab es im Bereich des Haupteingangs eine abgerundete Gebäudeecke und die großen Fenster zum Kochenhof hin waren (dem Verlauf der Treppe im Inneren folgend) schräg geschnitten. Die Längsseite des Kirchenschiffs erhielt Licht durch ein Fensterband und das Gebäude war mit einem Flachdach gedeckt. Der frei stehende Turm ruhte auf der einen Seite auf zwei Pfeilern.
Nachdem die Stadt Stuttgart 1939 zum Ausrichter der Reichsgartenschau auf dem Killesberg werden sollte, ließen die Nationalsozialisten das ihnen unliebsam moderne Bauwerk durch Rudolf Lempp im konservativen Sinne umbauen, wobei alle Elemente des „Modernen Bauens“ beseitigt wurden: die runde Ecke wurde wieder eckig, die Fenster gerade, der Turm überformt und das Gebäude insgesamt von einem Satteldach gedeckt. Nach Kriegszerstörungen stellte Lempp diesen Vorkriegszustand 1947 wieder her.
Viele Jahre lang schon bemüht(e) sich ein Verein um eine Neugestaltung des Gebäudes. Einen international ausgeschriebenen Wettbewerb zum Umbau der Kirche gewann das Büro Wandel Lorch Götze (Frankfurt). Der Entwurf sieht eine teilweise Wiederherstellung der ursprünglichen Form vor und eine Ergänzung durch neue Elemente. Seit 2024 ist dieser Rückbau/Umbau der Kirche ein IBA’27-Projekt, in dessen Rahmen er nun realisiert wird.
Zum Bild: Infotafel am Gebäude mit den zentralen geschichtlichen Daten.
Bilder oben: die Brenzkirche am Kochenhof vor den Bauarbeiten zum Rückbau/Umbau; letzte Bilder: der Vorraum im Obergeschoss und der Kircheninnenraum.
Bild oben: die Brenzkirche im Frühjahr 2025 vor Beginn der Bauarbeiten.
Bilder oben: der Turm der Brenzkirche vor Beginn des Umbaus und Bautafel.
Bilder oben: am Baugerüst zeigt eine Visualisierung des Umbauprojektes, wie die Brenzkirche einmal aussehen soll.
Bild oben: die Kreuzigungsgruppe an der Fassade wurde zum Schutz während der Bauarbeiten eingehaust.
Bilder oben: seit Sommer 2025 steht am Gebäude ein Baugerüst; die Rückbauarbeiten am Dach und an der Fassade begannen im Frühjahr 2026.
Bilder oben: das Satteldach wird rückgebaut.
Bilder oben: das Satteldach ist weitgehend entfernt (Frühjahr 2026).
Auf der Website www.iba27.de kann man zu dem Projekt das Folgende lesen (Komplettzitat):
„Unweit der Werkbundsiedlung auf dem Weißenhof lässt die mehrfach überformte Brenzkirche äußerlich kaum mehr etwas von ihrer ursprünglichen, modernen Geisteshaltung erahnen. Ein behutsamer Umbau macht die Zeit-Schichten nun sichtbar und schreibt den denkmalgeschützten Sakralbau in die Zukunft fort.
Wer einen Ausflug in den Stuttgarter Killesbergpark macht, sich im Hof der Kunstakademie trifft oder die benachbarte Weissenhofsiedlung besucht, wird zukünftig von einem strahlend weißen, geometrischen Kirchengebäude empfangen werden. 1933 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet, war die Brenzkirche formal wie funktional fortschrittlich als offenes Haus für die Gemeinde erdacht. Anlässlich der Reichsgartenschau auf dem Killesberg wurde das von den Nationalsozialisten als anstößig empfundene Gebäude wenige Jahre nach seiner Eröffnung mit Giebeldächern, Sprossenfenstern und einer massigen Verkleidung des einst feingliedrigen Glockenturms traditionalistisch umgestaltet. Zahlreiche Umbaumaßnahmen nach dem Krieg verfestigten das unharmonische Erscheinungsbild zusätzlich.
Nun plant die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart in Zusammenarbeit mit engagierten Bürger:innen, Expert:innen und IBA’27 eine Weiterentwicklung des derzeit gesichtslosen Kirchengebäudes. Der Siegerentwurf des ausgelobten internationalen Realisierungswettbewerbs schafft unter dem Titel »Palimpsest« eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Bestand: So werden identitätsstiftende Elemente des Ursprungsgebäudes wie die Rundung zum Straßenraum, Fensterbänder und Flachdächer wieder in Erscheinung treten. Verbleibende Spuren der Überbauung werden in Form von Materialwechseln, als Abdrücke oder schattenhafte Silhouette thematisiert. Ein großzügiger Gemeindeplatz unter Bäumen einerseits und ein geschützter Gemeindehof andererseits erweitern den ebenerdigen Veranstaltungssaal barrierefrei in den Außenraum. Sie knüpfen an die bauzeitliche Idee eines einladenden, multifunktionalen Kirchenhauses an und entwickeln diese beispielgebend zu einem Begegnungsort für alle weiter.“