Lissabon

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Lissabon – „die Schöne am Tejo“

Die portugiesische Hauptstadt Lissabon hat etwa 600 Tausend Einwohner/innen, in der Metropolregion Lissabon leben fast 3 Millionen Menschen. Bei 10 Millionen Gesamteinwohnerzahl des Landes lebt also fast ein Drittel im Bereich der Hauptstadt. Lissabon ist das politische, kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zentrum Portugals. Dies spiegelt sich auch in einer Aussage des Schrifstellers Eça de Queiroz aus dem 19. Jahrhundert wieder, die auch heute noch oft zitiert wird: „Portugal ist Lissabon, der Rest ist Landschaft“. 

Oft wird Lissabon auch als „die Stadt des Lichts und der sieben Hügel“ bezeichnet. Wie Rom ist auch Lissabon auf sehr stark geformter Topografie angesiedelt und mit einigem Wohlwollen kann man sieben besonders herausragende Erhebungen im Stadtgebiet ausmachen. Diese sind alle nach Heiligen bzw. nach Kirchen benannt, die hier errichtet wurden und bestimmten Heiligen geweiht sind, z. B. São Roque, São Jorge, São Vicente, …

Bild oben: Lissabon – Stadt des Lichts.

Bilder oben: Lissabon – die Stadt des Lichts; das Sonnenlicht und das reflektierte Licht vom Wasser spielt in der Stadt für ihre ganz spezielle Atmosphäre eine große Rolle. Licht erzeugt auch Schattenwürfe auf den Wänden und den Straßen. Die tiefstehende Sonne wirft ihr abendliches Licht in die Straßenschluchten der eng bebauten Altstadt. Die Fensterscheiben reflektieren das Licht auf gegenüberliegende Gebäude, erst Licht und Schatten modellieren Gebäude und Fassaden…

Stadt(bau)geschichte – die Anfänge

Die Stadt kann auf eine mehrtausendjährige Geschichte zurückblicken: die günstige Lage in einer Bucht und an der Mündung eines Flusses (des Tejo) in den Atlantik sorgte schon früh für befestigte Siedlungen auf dem heutigen Stadtgebiet. So haben sich etwa die Phönizier schon etwa 1200 v. C. hier niedergelassen. Die Phönizier waren ein Seehandelsvolk, welches ausgehend von der Levante (den heutigen Ländern Syrien, Libanon, Israel und Jordanien) sich im gesamten Mittelmeerraum ausbreitete. Die phönizische Siedlung hieß Alis Ubbo, was soviel wie „liebliche Bucht“ bedeutet – eine durchaus zutreffende Beschreibung.

Lissabon liegt geografisch günstig an der Mündung des Tejo in den Atlantik.

Römer und Mauren

Ab 205 v. C. stand die Siedlung dann unter römischer Herrschaft; unter Gaius Julius Caesar erhielt sie (mit der Bezeichnung Felicitas Julia) im Jahr 48 v. C. die Stadtrechte. Lissabon wurde auch Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania, die von der geografischen Ausdehnung etwa dem heutigen Portugal plus dem westlichen Bereich Spaniens entsprach.

Die Römer übten entscheidende Einflüsse auf die Sprache und die Kultur der Provinz aus und hinterließen viele Bauten und Verkehrswege (Viadukte, Brücken). In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde der römische Einfluss dann aber zurückgedrängt; die Westgoten übernahmen im 5. und 6. Jahrhundert die Herrschaft.

Der nächste gravierende Einschnitt in der kulturellen Entwicklung stellte die Eroberung Portugals durch die nordafrikanischen Mauren dar; Lissabon wurde 719 erobert. Die Mauren brachten eine blühende Hochkultur mit sich; Wissenschaft, Kunst, Handel, Medizin, Landwirtschaft und Seefahrt machten rasante Fortschritte. Und ihre religiöse Toleranz sorgte für ein friedliches Miteinander. Die Mauren brachten auch einige zuvor unbekannte Pflanzen mit und machten sich um die Errichtung von Bewässerungsanlagen verdient. Eine bis heute tradierte Hinterlassenschaft der Mauren sind die überall zu findenden Keramikfliesen, die Azulejos. Die maurische Bezeichnung „Al-Ashbourna“ für die Siedlung spiegelt sich in der heutigen portugiesischen Bezeichnung Lisboa (deutsch: Lissabon) für die Stadt wieder.

Azulejos an einer Hausfassade. In der blau-weißen Variante gibt es oft bildliche Darstellungen, die sich über mehrere der Kacheln erstrecken.

Reconquista und Entwicklung zur Kolonialmacht

Unter König Dom Alfonso Henriques wurde im Rahmen der so genannten Reconquista (Rückeroberung) Lissabon 1147 von den Mauren wieder zurückerobert. Erst seinem Nachfolger gelang es bis Mitte des 13. Jahrhunderts, die Reconquista für das gesamte Land zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Sitz der Könige war damals Coimbra. Alfonso III verlegte den Herrschaftssitz dann nach Lissabon; während seiner Amtszeit wurde auch eine Stadtmauer um die Siedlung errichtet. Ab 1255 war Lissabon schließlich die Hauptstadt Portugals. 1290 wurde die Universität gegründet.

Unter der organisatorischen Leitung von Heinrich dem Seefahrer (1394 – 1460) weitete sich der politische und militärische Einfluss des Landes aus, Portugal begann, zu einer der bedeutendsten Seefahrts- und Kolonialmächte zu werden; mit den Kolonien wurden Waren und später auch Sklaven gehandelt – mit allen unschönen Auswirkungen dieser Aktivitäten. 

Heinrich der Seefahrer war der vierte Sohn von König João I. Er ermöglichte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts logistisch und finanziell viele Entdeckungsreisen. Selbst zur See gefahren ist er wohl eher selten; das nördliche Afrika (Marokko) soll er aber besucht haben. Die von ihm geförderten Expeditionen führten vor allem entlang der afrikanischen Westküste; seine Seefahrer erkundeten Küsten und Flüsse, kartierten die Gebiete und errichteten Handelsposten. Angola und Mosambik wurden portugiesische Kolonien. Auch Madeira, die Kapverden und die Azoren wurden bei solchen Erkundungsfahrten entdeckt.

In die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts fällt auch die „Erfindung“ des Schiffstyps „Karavelle“; portugiesische Schiffbauer konstruierten diese hochseetüchtige Variante mit höheren Bordwänden, einem schnittigen Rumpf und einer Segelanlage mit mindestens zwei Masten, die auch das Navigieren gegen den Wind („hart am Wind“) erlaubte. Auch Christoph Kolumbus bediente sich bei seiner Fahrt in die Karibik dieses Schiffstyps.

Wichtige Bedingung für die Ausweitung des Handels mit den Kolonien (und deren Ausbeutung) waren für Portugal die Entdeckungen von Vasco da Gama 1498 (Ost-Route nach Indien durch Umfahrung des Kaps der Guten Hoffnung) und die Etablierung des Chinahandels (über den Freihafen Macau).

Eher zufällig stieß Pedro Álvares Cabral bei einer Fahrt auf Brasilien (er war von Strömungen im Atlantik vom beabsichtigten Kurs abgetrieben worden). Danach wurde auch mit Südamerika reger Seehandel betrieben. Alle Entdecker-Expeditionen gingen vom Lissabonner Vorort Belém aus. Hier steht (seit 1960) auch das Entdeckerdenkmal „Padrão dos Descobrimentos“ am Tejo-Ufer.

Das Entdecker-Denkmal in Belém.

Das „Goldene Zeitalter“ und die Manuelinik

Jedenfalls wurde Lissabon aufgrund der überseeischen Aktivitäten zu einer der reichsten Städte in ganz Europa; das 15. und 16. Jahrhundert werden aufgrund der beschriebenen Entwicklungen auch als das „Goldene Zeitalter“ der Stadt bezeichnet. Zu dieser Zeit (Beginn des 16. Jahrhunderts) war die Einwohnerzahl auf ca. 350 Tausend gestiegen. Der starke Bevölkerungszuwachs führte auch zur Neugründung des Stadtviertels, das heute als Bairro Alto bezeichnet wird.

Eine herausragende Persönlichkeit des „Goldenen Zeitalters“ war König Manuel I (Dom Manuel I, auch als „Der Glückliche“ bezeichnet), der die Geschicke des Landes von 1495 bis 1521 lenkte. In seiner Amtszeit fanden die Entdeckungen Vasco da Gamas statt, gefolgt vom Ausbau Portugals zum Kolonialreich. Unter Manuel I entwickelte sich (vor allem für öffentliche und sakrale Gebäude) ein ganz besonderer, prunkvoller Architekturstil, der Mitte des 19. Jahrhundert von einem Historiker erstmals nach ihm benannt wurde (Manuelinik).

Inspiriert wurden die Architekten der Zeit durch die Berichte der Seefahrer, so dass auch indische und afrikanische Einflüsse in der Ornamentik erkennbar sind. Grundsätzlich könnte man den Stil als eine Mischung aus Renaissance und Spät-Gotik beschreiben, angereichert durch dekorative Elemente mit exotischen Motiven aus der Seefahrt (z. B. Kraken, Seesternen, Korallen, Muscheln oder Schiffstauen). Ein Paradebeispiel für manuelinische Baukunst ist das Hieronymiten-Kloster (Mosteiro dos Jerónimos; mit Kirche) in Belém, an dem ab 1502 über fast 70 Jahre hinweg gebaut wurde und das von Ornamentik geradezu überladen ist (Näheres zum Kloster und zur Kirche erfährt man auf der Seite Lissabon – Kirchen). Auch der Torre de Belém an der Tejo-Mündung in den Atlantik wurde unter Manuel I erbaut (Fertigstellung 1521). Der Turm diente sowohl als Leuchtturm als auch als Festungsbauwerk und ist heute eines der Wahrzeichen Lissabons.

Bild oben: der Torre de Belém steht seit 1521 an der Tejo-Mündung und diente als Leuchtturm und als Befestigungsanlage. (Bild: © Gundula Hahn-Keuler, 2024)

Bilder oben: der im Stil der Manuelinik von 1515-21 erbaute Torre de Belém, zunächst ein Leuchtturm und Teil der Befestigungsanlagen, heute ein Wahrzeichen der Stadt (Bilder: © Gundula Hahn-Keuler, 2024).

DAS Paradebeispiel für munuelinische Baukunst ist das Hieronymiten-Kloster in Belém im Westen von Lissabon.

Bild oben: unter König Manuel I wurde am Tejo-Ufer auf dem „Palastgelände“ (Terreiro do Paço) auch der königliche Palast errichtet, der Paço da Ribeira. Das Gebäude wurde 1511 fertiggestellt und danach über 200 Jahre lang als Residenz der jeweiligen portugiesischen Könige genutzt. Beim Großen Erdbeben wurde er zerstört und nachher nicht wieder aufgebaut.

Auf einem großen Azulejo-Gemälde am Miradouro de Santa Luzia kann man die historische Palastanlage bewundern.

Die älteste Buchhandlung der Welt: die Livraria Bertrand (1732)

Anlässlich der abgeschlossenen Renovierung der Buchhandlung im Lissabonner Stadtviertel Chiado im Winter 2016 erschien im Online-Angebot des Saarländischen Rundfunks ein Bericht von Barbara Renno, der nachfolgend zitiert wird:

„Die „Livraria Bertrand“ eröffnete 1732 in Lissabon und ist mit ihren 284 Jahren die älteste Buchhandlung der Welt. Viele Krisen hatte sie zu überstehen: von dem verheerenden Erdbeben 1755, dem Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert, den Revolutionen des 20. Jahrhunderts, bis hin zu Portugals Schuldenkrise der letzten Jahre. Vorübergehend war sie auch im Besitz des Bertelsmann-Konzerns.

Im „Chiado“, einem der lebendigsten und mondänsten Viertel Lissabons, findet man „Bertrand“ – die älteste Buchhandlung der Welt. Nach einer zweijährigen Renovierungsphase erstrahlt der historische Laden mit seinen alten hölzernen Regalen, mit den kleinen geheimen Wandkabinetten, wie man sie sonst nur aus Detektivromanen kennt und mit seinen um die 70.000 Werken von Wissenschaft, Belletristik bis Kunst in neuem Glanz.“

Ursprünglich war der Buchladen in der Rua Direita do Loreto angesiedelt; auch dieses Gebäude wurde beim Großen Erdbeben 1755 stark in Mitleidenschaft gezogen; seit 1773 residiert das Buchgeschäft im jetzigen Gebäude an der Rua Gerrett etwas schräg gegenüber vom legendären Café A Brasileira. Im Buchladen gibt es auch ein nettes kleines, Fernando Pessoa gewidmetes, Café. Bertrand ist mittlerweile eine große Buchhandelskette mit einem angegliederten Verlagshaus.

Die Buchhandlung Bertrand hat es auch in Guineess Buch der Rekorde geschafft.