Stuttgart Hochschulen

Hochschulbau nach dem Zweiten Weltkrieg – die Kollegiengebäude K1 und K2 auf dem Campus Stadtmitte (1954-63)

Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere in den 1960er und 70er Jahren, nahmen die Studierendenzahlen in der ganzen Bundesrepublik dramatisch zu, was auch einen entsprechenden Ausbau der Bildungsbauten erforderte; in Baden-Württemberg versiebenfachte sich die Zahl der Studierenden etwa im Zeitraum von 1950 bis 1990. Maßgeblich an der Planung des Ausbaus der Hochschulenrichtungen in Baden-Württemberg beteiligt war Horst Linde, der Leiter der Staatlichen Hochbauverwaltung; eine seiner entscheidenden organisatorischen Maßnahmen war die Etablierung von Universitätsbauämtern an den Hochschulstandorten. In Stuttgart wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst die zerstörte Technische Hochschule wieder aufgebaut und dann ausgebaut. Es war aber bald klar, dass der Innenstadtcampus am Stadtgarten die nötigen Erweiterungen nicht aufnehmen konnte.

Bereits 1955 wurde daher die zukunftsweisende Entscheidung getroffen, in der Stadtmitte nur die Fakultäten für Architektur und die Geisteswissenschaften sowie die Uni-Verwaltung zu belassen, die Natur- und Ingenieurwissenschaften, sowie die Mathematik (und später die Informatik) sollten auf einem neuen Campus in Stuttgart-Vaihingen (Pfaffenwald) angesiedelt werden. Damit konnte auch der Stadtgarten als innerstädtischer Park weitgehend erhalten bleiben.

Im Lauf der Zeit ließen sich auf dem Vaihinger Campus auch weitere Hochschuleinrichtungen (etwa das Höchstleistungsrechenzentrum) und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (z. B. Fraunhofer-Institut, DLR) nieder.

Das Kollegiengebäude K1 bei abendlicher Beleuchtung.

Die Kollegiengebäude K1 und K2

Rolf Gutbier (Erbauer des Geschäftshauses Speiser oder des Daimler-Hochhauses im Neckarpark und damals Professor an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Stuttgart) initiierte  den Bau der Kollegiengebäude K1 und etwas später des K2; das erste Hochhaus wurde zwischen 1954 und 1960 errichtet, geplant von den drei Hochschulprofessoren Rolf Gutbier, Günter Siegel und Curt Wilhelm und gebaut von Erwin Heinle und Robert Wischer, die zu dieser Zeit beide Mitarbeiter im Büro der Professoren waren. 

Zunächst war nur ein Gebäude vorgesehen, aber der wachsende Raumbedarf erforderte den Bau eines zweiten Gebäudes (K2), des „Zwillings“ zum ersten (1960-63). Der Bau der Tiefenhörsäle schloss sich in den Jahren 1965 bis 1968 an.

Zum Bild: Fassadendetail am Kollegiengebäude K1.

Die beiden, die Stadtsilhouette im Zentrum Stuttgarts bestimmenden Kollegiengebäude sind je 55 Meter hoch, 60 Meter lang und 25 Meter breit. Die Stahlbetonskelettbauten haben Treppenhäuser an den Enden der Schmalseiten und einen Aufzugskern in der Mitte mit mehreren Aufzügen. Im Inneren gibt es viel Sichtbeton, die Böden bestehen aus einem Terrazzo-Belag oder sind gefliest.

Die Stockwerksaufteilung in den beiden Split-Level-Gebäuden ist raffiniert gelöst: auf jeweils zwei (höhere) Stockwerke mit Arbeitsräumen im Norden kommen drei (niedrigere) Etagen mit Institutsbüros im Süden. Die höhenversetzten Flure werden durch Quertreppen erschlossen.

Zum Bild: die Treppen, die von einem höheren Stockwerk mit Aufzug-Halt zu dem darüber- und darunterliegenden Stockwerk auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite führen.

Bild oben: durch die Split-Level-Bauweise hat die Nordseite der Zwillingsbauten (im Bild rechts) 10 und die Südseite (im Bild links) 15 Stockwerke.

Bild oben: das Kollegiengebäude K1.

Bild oben: die beiden Kollegiengebäude, das Hörsaalprovisorium und die Universitätsbibliothek befinden sich im (ehemaligen) Stadtgarten, der dadurch gegenüber der Situation vor dem Zweiten Weltkrieg etwas an Fläche verloren hat. Die an einem Weg entlang aufgestellten Figuren stammen von der Fassade des Polytechnikums, dem Vorgänger der Technischen Hochschule, dessen Gebäude im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde.

Bilder oben: die Zwillingshochhäuser der Kollegiengebäude der Universität am Stadtgarten.

Bilder oben: weitgehend ähnlich aufgebaut sind die beiden Kollegiengebäude; die Treppenhäuser an den Schmalseiten befinden sich hinter einem teilverglasten Einschnitt in der Fassade.

Bilder oben: die Fassade des Kollegiengebäudes K2; Blick vom Katharinenhospital.