Stuttgart Kirchen

Kirchen in Stuttgart

Die Stuttgarter Stiftskirche  – Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche Baden-Württembergs

Die Stiftskirche – Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche – ist die älteste Kirche Stuttgarts mit Bauwerksteilen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und in sehr unterschiedlichen Baustilen.

Die Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts an Stelle einer Vorgängerkapelle als dreischiffige romanische Basilika errichtet; das Untergeschoss der Kapelle aus dem 10./11. Jahrhundert ist seit dem Umbau von 2003 in der Unterkirche zu besichtigen. Heute stammt nur noch der Südturm aus dieser ersten Bauphase. Der Südturm ist heute im unteren Teil romanisch, im oberen gotisch; das Geschoss mit dem Geläut wurde 1488 ergänzt, der Turmhelm wurde 1578 aufgesetzt. Aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammt der Chor-Neubau; das Langhaus der Kirche wurde ab 1436 durch einen gotischen Neubau ersetzt (Architekten waren Hännslin Jörg und Aberlin Jörg).

Der mächtige Westturm wurde erst 1531 vollendet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche weitgehend zerstört, Chor und Kirchenschiff brannten aus; nur die beiden Türme und einige Außenmauern blieben stehen. Der Wiederaufbau erfolgte durch Hans Seytter zwischen 1954 und 1958 unter Aufgabe der ursprünglichen Dreischiffigkeit; nur der Chor wurde rekonstruiert, die zerstörten Wände des Langhauses wurden in moderner Form wieder aufgebaut – so wurden etwa die ursprünglichen Spitzbogenfenster durch hochrechteckige ersetzt. Die beim Wiederaufbau eingebaute Holz-Tonnendecke wurde bei Umbaumaßnahmen in den Jahre 1999 bis 2003 durch den Hamburger Architekten Bernhard Hirche durch eine Stahlkonstruktion ersetzt und durch Akustiksegel aus Glas zur Verbesserung der Nachhallzeit ergänzt.

Die Apostelfiguren, die sich ursprünglich an der Apostelpforte an der Südwand des Langhauses befanden, wurden bei der Nachkriegsrekonstruktion an der Vorderfront des Vorbaus der ehemaligen Vergenhanskapelle angebracht.

Bilder oben: die beiden sehr ungleichen und aus unterschiedlichen Epochen stammenden Türme der Stiftskirche prägen die Stadtsilhouette.

Bild oben: durch die vielen Umbauten, Anbauten, Stilanpassungen und Erweiterungen des Kirchengebäudes sind Chor und Langhaus nicht auf einer Achse; der Chor ist leicht seitlich gegen dem Kirchenschiff versetzt.

Bilder oben: die Stuttgarter Stiftskirche mit ihren zwei ganz unterschiedlichen Türmen prägt die Stadtsilhouette.

Bilder oben: der Südturm mit dem später angefügten Turm, der die Wendeltreppe aufnimmt; letztes Bild: der mächtige Westturm.

Bilder oben: die Stiftskirche im Stuttgarter Stadtzentrum; ganz in der Nähe befindet sich die historische Markthalle.

Bilder oben: eine Meisterleistung der Zimmermannskunst: das mächtige Satteldach auf dem Langhaus.

Bilder oben: Neben dem Südturm befindet sich ein Treppentrum mit Wendeltreppe.

Bilder oben: der 1531 vollendete Westturm mit Turmuhr und Indschriften zur Baugeschichte.

Bilder oben: die Apostelfiguren befanden sich vor der Zerstörung der meisten Gebäudeteile im Zweiten Weltkrieg an der Apostelpforte, dem südlichen Eingang zum Langhaus.

Bilder oben: beim Umbau der Kirche zwischen 1999 und 2003 durch den Hamburger Architekten Bernhard Hirche wurde die nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaute Holz-Tonnendecke durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, welche die ursprüngliche Dreischiffigkeit des Kirchenraums andeutet; die Glasflächen sind Schallsegel, welche die Akustik des Raumes verbessern.

Die Domkirche St. Eberhard

Im überwiegend protestantischenspielten Katholiken keine goße Rolle: 1809 waren das weniger als 1% der Bevölkerung. 1806 verlieh König Friedrich I. mit einem Edikt den Katholiken das Recht, ihre Religion auch öffentlich auszuüben. Die erste katholische Kirche in Stuttgart entstand durch den Abbau der evangelischen Kirche auf der Solitude und deren Wiederaufbau an der Königstraße 1811 durch Heinrich Fischer und Nikolaus von Thouret. In der Folgezeit nahm die Zahl der Katholiken deutlich zu: auf 12% in 1871 und durch den Zuzug vieler Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg auf 32% (1970).

Beim Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1944 vollständig zerstört. Architekt Hugo Schlösser war für den Neuaufbau von 1953 bis 1955 zuständig. In den Jahren 1990/91 wurde das Gebäude grundlegend renoviert; dabei wurde die nach dem Krieg eingebaute Tonnendecke durch eine Kassettendecke ersetzt. Eine Modernisierung erfolgte 2008  beim Bau des angrenzenden „Hauses der Katholischen Kirche“. Heute zeigt sich die Kirche in der Haupteinkaufsstraße und Fußgängerzone als schlichter, ziemlich schmuckloser Bau mit einer Fassade aus rotem Sandstein und einem großen Rundfenster. Auch das „Haus der Katholischen Kirche“ (Architekt: Anton Ummenhofer) weist dieselbe Optik auf; durch ein darin untergebrachtes Café und einen Buchladen steht das Haus der Öffentlichkeit weit offen.

Bilder oben: die Domkirche St. Eberhard und das „Haus der Katholischen Kirche“ stehen Seite an Seite an der Haupteinkaufsmeile Königstraße.

Bilder oben: die Kirche in der heutigen Form wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Hugo Schlösser 1955 errichtet. Die sehr sparsam gestaltete rote Sandsteinfassade trägt in der Mitte ein großen Rundfenster. Im Eingangsbereich befindet sich eine Gedenkstätte für den ehemaligen württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde und welcher der benachbarten Querstraße ihren Namen gab.

Bild oben: das Haus der katholischen Kirche; rückwärtige Fassade zur Stauffenbergstraße hin. Geplant und gebaut wurde das Gebäude 2009 vom Stuttgarter Architekten Anton Ummenhofer. Da die Fassade ebenfalls aus rotem Sandstein besteht, bildet das Gebäude mit der angrenzenden Domkirche auch optisch eine Einheit.

Bilder oben: das Kircheninnere; die ursprünglich eingebaute Tonnendecke wurde bei Renovierungsarbeiten 1991 durch eine Kassettendecke ersetzt; ihre Form sowie die beiden seitlichen Emporen zitieren die Dreischiffigkeit der von Fischer und Thouret errichteten historischen Kirche von 1811.

St. Elisabeth (am Bismarck-Platz)

Die katholische Kirche St. Elisabeth steht auf einem etwas erhöhten Ort am Bismarck-Platz im Stuttgarter Westen und bildet mit dem 44 Meter hohen Turm eine Ortsmarke für den Stadtbereich.

Das Gebäude wurde von einem wohlhabenden Stuttgarter Kaufmann nach dem frühen Tod seiner erst 11jährigen Tochter Elisabeth gestiftet. Die Bauarbeiten dauerten von 1900 bis 1901 und wurden unter Leitung von Architekt Joseph Cades ausgeführt. Der im neoromanischen Stil gestaltete Backsteinbau ist eine dreischiffige Basilika auf kreuzförmigem Grundriss und misst 55 x 26 Meter. Der farbig abgesetzte Turm ragt 44 Meter in die Höhe.

Auch dieses Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt aber gleich nach dem Krieg wieder aufgebaut (1945-49), eine Umgestaltung erfolgte 1969. In den Jahren 1988/89 wurde das Gebäude im Inneren renoviert und farbig neu gestaltet.

Bilder oben: dei katholische Kirche St. Elisabeth ist eine im neoromanischen Stil erbaute dreischiffige Basilika.

Bilder oben: der 44 Meter hohe Turm der Kirche setzt im Stuttgarter Westen eine optische Marke.

Kirche St. Konrad

Die katholische Kirche St. Konrad befindet sich in der Stafflenbergstraße und gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Neubauprojekt, bestehend aus einem Altenheim, einem Wohnheim und eben dieser Kirche, die um Gemeinderäume und ein Pfarrhaus ergänzt wurde. An einem 1951 ausgeschriebenen Ideenwettbewerb nahmen mehrere Architekten teil; favorisiert wurde vom Kirchenbauverein schließlich der Entwurf von Elisabeth Gonser, die mit ihrem Ehemann Karl Gonser eine Architektengemeinschaft bildete. Endgültige Pläne für das Projekt lagen nach verschiedenen Modifikationen 1953 vor; als Bauherr trat nach Eigentumsübertragungen die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf.

Zum Bild: der Kirchturm von St. Konrad setzt ein markantes Zeichen im Stadtbild.

Das sich einem Altbau von 1928 anschließende Altenheim, ein vierstöckiges Gebäude mit Balkonen zum Stuttgarter Talkessel hin, wurde 1956 fertiggestellt. Der Kirchenbau wurde schließlich 1961 von der katholischen Gesamtkirchengemeinde beschlossen, nachdem Hugo Schlösser im Stadtzentrum die Domkirche St. Eberhard wieder aufgebaut hatte. Der Bauplan sah zunächst einen abgeschrägten Kirchenraum vor; realisiert wurde schließlich das markante Hängedach. Architekt Gonser schrieb zur Einweihung der Kirche über das Bauwerk: „Es war ein allgemeines städtebauliches Bedürfnis, die Bergnase an der Wende der Stafflenbergstraße zum Dobel (…) durch eine prägnante Baumasse zu betonen.“ (Zitat aus der Schrift „St. Konrad“ zum 50-jährigen Jubiläum der Einweihung; Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Konrad, Pfarrer Anton Seeberger, Stuttgart, 2017).

Die Prägnanz ist dem Architektenpaar gelungen: der 38 Meter hohe dreieckige Kirchturm aus Sichtbeton mit einem großen Betonkreuz auf der Spitze ist von weit her im Stadtbild sichtbar und die Dachform des Kirchenraumes hebt sich stark von der Umgebungsbebauung ab.

Schiff und Chor der Kirche sind leicht gegeneinander versetzt und bilden vom Grundriss her Trapeze; das Hängedach besteht daher eigentlich aus zwei gegenäufig hängenden Dachbereichen.

Das mit viel Sichtbeton und Holz gestaltete Kircheninnere erhält Licht durch Dachfenster sowie durch bunte glasmalerisch gestaltete Fenster von Hilde Reiser. 

Bilder oben: die Kirche St. Konrad mit ihrem auffallenden Hängedach und dem dreieckigen Turm; seitliche Belichtung im Kirchenraum geben die hochformatigen Glasfenster.

Bilder oben: der Innenraum.

Die Stuttgarter Markuskirche (1906-08)

befindet sich an der Filderstraße, direkt neben dem Fangelsbach-Friedhof. Der für Sakralbauten bekannte Architekt Heinrich Dolmetsch errichtete die Kirche im Jugendstil. Merkmale des Jugendstil an dem 1908 vollendeten Stahlbetonbauwerk sind aber sehr sparsam ausgeprägt und zeigen sich vor allem in dekorativen Elementen und der (Innen-)Ausstattung: an Lampen, Geländern, Möbeln, Türfüllungen aus Glas usw.

Das Gebäude wurde als einer der ersten Kirchenbauten ganz aus Stahlbeton ausgeführt, was unter anderem die großen Spannweiten im Langhaus der dreischiffigen Hallenkirche ermöglichte; auch der 49 Meter hohe Turm besteht aus diesem Material. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche auch in Mitleidenschaft gezogen und in den Jahren 1976-78 umfangreich renoviert.

Zum Bild: Glasmalerei in der Markuskirche.

Bilder oben: der Turm der Markuskirche ragt im Stuttgarter Süden aus der umgebenden Wohnbebauung heraus; direkt neben der Kirche liegt der Fangelsbach-Friedhof, an dem sich auch die Heusteigschule befindet.

Bilder oben: der oktogonale Turm endet mit einem zylinderförmigen Tambour und einer Laterne. Ornamentik am Gebäude: die Wasserspeier am Turm und die Löwenfigur als Symbol für den Evangelisten Markus, dem die Kirche geweiht ist.

Bilder oben: Innenraum und Fenster.

Die Brenzkirche

Die Brenzkirche (benannt nach dem Reformator Johannes Brenz) wurde 1932/33 von Alfred Daiber im Stil des „Neuen Bauens“ geplant und gebaut. Von der stilistische Gestaltung her harmonierte sie optimal zur Weißenhofsiedlung in der näheren Nachbarschaft. Viele ungewöhnliche Details prägten ihr Aussehen: so gab es im Bereich des Haupteingangs eine abgerundete Gebäudeecke und die großen Fenster zum Kochenhof hin waren (dem Verlauf der Treppe im Inneren folgend) schräg geschnitten. Die Längsseite des Kirchenschiffs erhielt Licht durch ein Fensterband und das Gebäude war mit einem Flachdach gedeckt. Der frei stehende Turm ruhte auf der einen Seite auf zwei Pfeilern.

Nachdem die Stadt Stuttgart 1939 zum Ausrichter der Reichsgartenschau auf dem Killesberg werden sollte, ließen die Nationalsozialisten das ihnen unliebsam moderne Bauwerk durch Rudolf Lempp im konservativen Sinne umbauen, wobei alle Elemente des „Modernen Bauens“ beseitigt wurden: die runde Ecke wurde wieder eckig, die Fenster gerade und das Gebäude insgesamt von einem Satteldach gedeckt. Nach Kriegszerstörungen stellte Lempp diesen Vorkriegszustand 1947 wieder her.

Aktuell bemüht sich ein Verein um eine Neugestaltung des Gebäudes; der Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs sieht eine teilweise Wiederherstellung der ursprünglichen Form vor und eine Ergänzung durch neue Elemente.

Zum Bild: Infotafel am Gebäude mit den zentralen geschichtlichen Daten.

Bilder oben: die Brenzkirche am Kochenhof (gegenüber der Kunstakademie); Vorraum im Obergeschoss und Kircheninnenraum.

St. Fidelis

Die katholische Kirche St. Fidelis steht im Stuttgarter Westen leicht erhöht über dem Straßenniveau. Zur Straße hin gibt es eine Außenmauer mit einem Türmchen und einem Arkadengang; damit ist der Vorhof der Kirche von der Straße (akustisch) gut abgeschirmt. Die dreischiffige Hallenkirche zeigt Stilmerkmale des Historismus und der Neuen Sachlichkeit; sie wurde zwischen 1924 und 1925 von Clemens Hummel erbaut. Das Kirchenschiff wird von einem offenen gewölbten Dach mit Eisenbetonbindern überspannt. Das Gebäude ist zur Straße hin giebelständig; an der Hauptfassade ist auch das Hauptportal (siehe Bild) mit zwei Nebeneingängen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark zerstört, bis 1948 von Hugo Schlösser aber wieder aufgebaut. Von Rudolf und Maria Schwarz wurde die Kirche 1964 entsprechend der geänderten Liturgie nach dem 2. Vatikanischen Konzil umgestaltet.

Ein tiefgreifender Umbau zum spirituellen Zentrum und zum Kirchenmusikzentrum erfolgte 2018/19 durch das Stuttgarter Büro schleicher.ragaller freie architekten bda; dabei wurde im Chor ein Holzeinbau integriert, der sich zum Kirchenraum hin öffnen lässt. Der Kirchenraum selbst wurde heller gestaltet durch Aufhellung der Kassettendecke und Einbau eines Travertin-Bodenbelags. Für diese Umgestaltung wurden die Architekten mehrfach ausgezeichnet.

Die außergewöhnlich gestaltete Orgel ist ein Neubau von 2005 (Orgelmanufactur Vleugels, Hardheim).

Bilder oben: die Kirche St. Fidelis; Hauptfassade und Arkadengang um den Vorhof.

Bilder oben: an der Außenmauer weist eine Infotafel auf die Kirche in ihrer Funktion als Sprituelles und Kirchenmusik-Zentrum hin. Das Stuttgarter Architekturbüro schleicher.ragaller hat mit der Umgestaltung einen hellen, freundlichen und wahrlich spirituellen Raum geschaffen.

Erlöserkirche, Stuttgart-Nord

Auf der Website der Evangelischen Kirche (Stuttgart-)Nord gibt es einen Text, welcher die zwischen 1906 und 1908 von Theodor Fischer in schwieriger topografischer Lage aus Kalktuffstein erbaute Erlöserkirche sehr gut beschreibt. Zur Gemeinde gehören noch weitere Kirchen, so auch die Brenzkirche am Kochenhof (siehe oben).

Zitat aus dem Text auf der Website:

Erlöserkirche, Birkenwaldstraße 24

Im Jahre 2008 konnte das einhundertjährige Bestehen der Erlöserkirche gefeiert werden. Sie ist ein Werk des bekannten Architekten Theodor Fischer, der 1906 mit der Planung einer Kirche mit 850 Sitzplätzen an der Birkenwaldstraße beauftragt wurde und diese 1908 vollendete. Im Gemeindeblatt von 1908 wurde die ‚Kirche im Weinberg‘, wie die Erlöserkirche seinerzeit genannt wurde, so charakterisiert: Sie ist nach guter alter Tradition nach Osten orientiert. Mit dem Turm ist sie gegen den Berg gerichtet, der Chor ragt mehr oder weniger in die Vorgartenlinie der Birkenwaldstraße herein. Um der Gegend willen mit ihren weichen Höhenzügen durfte der Turm nicht zu hoch und nicht zu spitz genommen werden; es mussten mehr rundliche Formen gewählt werden‘.

Die Einweihung fand am 8. November 1908 statt. Der Name ‚Erlöserkirche‘ wurde der zehn Jahre zuvor in Jerusalem eingeweihten Erlöserkirche entlehnt. Nachdem die Kirche 1944 von Brandbomben weitgehend zerstört worden war, wurde sie zehn Jahre später von dem Architekten und Fischer-Schüler Rudolph Lempp wieder aufgebaut. Dieser ließ das Kircheninnere im Stil der fünfziger Jahre neu entstehen; das äußere Bild der Kirche blieb unverändert.

Die Erlöserkirche an der Birkenwaldstraße von Theodor Fischer.

Die Lage der Erlöserkirche und der Ausdruck von Wehrhaftigkeit ist ihr besonderes Charakteristikum. Trotz der vordergründigen Mächtigkeit wirkt sie dank der Gliederung der angefügten Bauteile nicht bedrückend. Dazu tragen das Treppentürmchen und die angehängte Sakristei auf der Nordostseite sowie die Eingangshalle und der eingefriedete, dreieckförmige Kirchplatz mit der prächtigen Linde bei.“

Bilder oben: die Erlöserkirche wirkt wie der Bestandteil einer Burg. Im Kirchhof befindet sich eine Bronzeplastik „Der barmherzige Samariter“.

Bilder oben: die Eingangshalle mit dem Wandgemälde „Das Jüngste Gericht“. Die Treppe links führt zum Pfarr- und Gemeindehaus, die hölzerne Pforte zum Kirchenraum.

Die Johanneskirche (Kirche am Feuersee)

Die neogotische Stuttgarter Johanneskirche befindet sich auf einer Halbinsel im Feuersee (einem künstlich angelegten Löschwasserteich) und am Ende der Johannesstraße, einer alleegesäumten Magistrale im Stuttgarter Westen (historisch auch als „Prachtstraße“ beschrieben).

Die durch ihre besondere, exponierte Lage ausgezeichnete Kirche wurde in den Jahren 1864 bis 1876 von Christian Friedrich Leins im neogotischen Stil erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt, so wurde auch der obere Teil des Turmes weggesprengt.

Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde das Äußere des Gebäudes weitgehend wieder hergestellt, das nach einem Brand eingestürzte Gewölbe das Kirchenschiffs allerdings nicht mehr im gotischen Stil. Die oberen 20 Meter der Turmspitze konnten zunächst aus finanziellen Gründen und weil die rasche Nutzbarkeit des Kirchengebäudes an sich im Vordergrund stand, auch nicht rekonstruiert werden. Später besann man sich dann darauf, auf eine Wiederherstellung der Turmspitze bewusst zu verzichten und den Stumpf als Mahnmal gegen den Krieg so zu belassen.

Das Strebewerk, die Fialen auf den Pfeilern, die Kreuzblumen und Wasserspeier sowie die spitzbogigen Maßwerkfenster sind alles typische Elemente eines (neo-)gotischen Kirchengebäudes.

Bilder oben: die neogotische Johanneskirche am Feuersee; Baudetails.

Bilder oben: die auf einer Halbinsel im Feuersee liegende Kirche; letzte Bilder: Turm mit Geläut.

Bilder oben: Johanneskirche bei Nacht und Abendsonne, welche das Kirchenschiff erleuchtet.

Bilder oben: der Turm mit den Turmuhren; Maßwerkfenster  und Rosetten.

Bilder oben: in der Gotik wurden häufig dämonische Wesen oder Tiergestalten für die Ableitung des Regenwassers  um die Ablaufrohre geformt.

Die Kirche St. Georg am Pragfriedhof

Zur Beschreibung des Kirchengebäudes ein Zitat von der Website www.kath-kirche-stuttgart-mitte.de/gemeinden/st-georg/:

„Die Kirche wurde 1929 -1930 von Hugo Schlösser erbaut. Den Bedürfnissen der modernen Großstadtseelsorge entsprechend erstand   hier erstmals im süddeutschen Raum ein Gemeindezentrum aus einem Guss, ein monumentales Gesamtkunstwerk, das dem Anspruch der neuen Sachlichkeit Rechnung trug und durchaus im Zusammenklang mit der Weißenhofsiedlung (erbaut 1927) und dem Hauptbahnhof (erbaut 1911-1928 von Paul Bonatz) gesehen werden muss.

Hugo  Schlösser  hat  hier  einen  Kirchenbau geschaffen, der würdevolle Erhabenheit mit klarer Nüchternheit und funktionaler Sachlichkeit verbindet. Die große Kirche wird eingerahmt von verschiedenen Gemeinderäumen auf der linken und dem Pfarrhaus auf der rechten Seite.

Das westliche Eingangsportal.

Die Wucht des blockartigen Langhauses wird von  dem  seitlich  zur  Straße  hin  versetzten Turm aufgefangen, dessen Masse wiederum durch die helle Freitreppe und durch die mächtige Plastik des Kirchenpatrons aufgelockert wird.“ (…)

2011 wurde das Gebäude renoviert und umgebaut; dabei erhielt es auch einen Zugangsbereich im Osten.

Dazu kann man auf der Website des Architekturbüros Peter W. Schmidt Architekten, das die Maßnahmen plante und realisierte, das Folgende lesen:

„Das für seine Zeit avantgardistische errichtete plastische Bauensemble aus Kirchenschiff, Gemeinde- und Pfarrhaus gilt als bedeutendes Beispiel des modernen Sakralbaus. Den aus roten Backsteinen expressionistisch geformten Fassaden stehen im Inneren klare helle Raum-konfigurationen gegenüber.

Zentrale Aufgabe war es neben der Erneuerung der Raumschale eine neue Eingangssituation auf der Ostseite herzustellen, sowie die Neuordnung der liturgischen Orte. Als neuer Zugang wird dem bestehenden Haupteingang an der Heilbronner Straße ein typologisch verwandtes Eingangsportal gegenübergestellt. Zudem wurde die Aufgabenstellung um einen entsprechenden neuen Vorplatz auf dieser Seite der Kirche erweitert, der als neuer Quartiersplatz mit Aufenthaltsqualitäten fungiert.

Das neue Eingangsportal besteht aus gefügten Stahlbetonfertigteilen, die hohen Außentüren sind aus Messing gefertigt. Die Innentüren bestehen aus Glasscheiben in einer Holzfassung. Das Vestibül wurde durch eine neue Kassettendecke mit einer Akzentbeleuchtung aufgewertet. Die Decke des weißen Hauptschiffes, die aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg stammt, wurde mit einem hellen Grau übermalt. Im Chorbereich wurde die bestehende Treppenanlage, die zum Hochaltar führte, um eine ausladende Altarzunge erweitert.“

Bilder oben: die Kirche St. Georg.

Bilder oben: das Kircheninnere.

Bilder oben: Turm mit einem Standbild des Hl. Georg, der den Drachen tötet.

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